So., 16.10.2016

Orgelherbst-Konzert auf dem Violoncello: Barocke Werke virtuos mit flinker Hand dargeboten

Meisterlich verstand es Ludwig Frankmar barocke Kompositionen auf dem Cello frisch und lebendig zu intonieren.

Meisterlich verstand es Ludwig Frankmar barocke Kompositionen auf dem Cello frisch und lebendig zu intonieren. Foto: Dieter Klein

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Die Besucher des zweiten Orgelherbst-Konzertes erlebten eine Premiere: Nicht die „Königin der Instrumente“, sondern das Violoncello stand im Mittelpunkt dominierte den Abend.

Das zweite Konzert in der diesjährigen Reihe des Sendener Orgelherbstes gestaltete der in Berlin lebende schwedische Solocellist Ludwig Frankmar. Dieser Soloauftritt ohne Orgel ist in den 20 bisher absolvierten Konzerten ohne Beispiel – ein absolutes Novum.

Der auf einem Barock-Cello spielende Künstler erläuterte zu Beginn des Konzertes den Unterschied zu dem heutigen Violoncello. Es wurde ursprünglich im 16. Jahrhundert als Bass in der Kirchenmusik konstruiert und eingesetzt. Im 19 Jahrhundert jedoch war es ein fester Bestandteil eines jeden Orchesters. Und die Klassiker beehrten das Cello mit Solokompositionen, erläuterte Ludwig Frankmar.

Die ersten drei Stücke aus , „Ricercare per diverse toni a 1 e 2 voci“ von 1698, die in der Friedenskirche zu Gehör gebracht wurden, stammen aus der Feder von Angelo Michaele Bertalotti (1665 bis 1747) aus Bologna. Das Fehlen des Textes und die Verwendung instrumentaler Spielfiguren ermöglichten den damaligen Musikern freiere musikalische Gestaltung, von der sie regen Gebrauch machten. Diese Kompositionsart ist stark beeinflusst von der Motette und ist eine Vorgängerin der Fuge. Ludwig Frankmar spielte diese Stücke mit graziler, flinker Hand und ausgefeilter Technik.

Es folgten drei Sonaten aus „Trattenimento musicale sopra il Violoncello a´ solo“ von Domenico Galli (1649 bis 1697). Diese Stücke, 1691 von dem herzoglichen Kapellmeister in Modena komponiert, sind musikgeschichtlich deshalb so bedeutend, weil sie die Anfänge des Violoncellos als unbegleitetes Soloinstrument zeigen. Hierdurch wurde das Interesse an dieser ursprünglich größeren „Bassgeige“ für Johann Sebastian Bach und seine Nachfolger geweckt.

Es schlossen sich (musikgeschichtlich) folgerichtig die drei Suiten von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) an, die 1720 komponiert wurden. Diese gehören heute zu den meistgespielten Kompositionen für einen Cellosolisten. Die Komposition vereinigt im Original sechs Folgen (Suiten) von Einzelsätzen, die auf einer Bachschen Pfingstkantate basiert. Die vorgetragenen drei Suiten stellen höchste Anforderungen an den Solisten, der Ludwig Frankmar mit großer Virtuosität gerecht wurde.

Zum Schluss des Konzertabends spielte der Solocellist drei Stücke von Giovanni Bessano (1558 bis 1617). Mit „Ricercate Passagi et Cadentie“ kehrte die Musik in die Spätrenaissance, der in Venedig 1585 komponierten populären Musik, zurück. Sie wird als Basis für die zuvor gehörte weltliche Barockmusik angesehen und schloss somit den Bogen dieser musikhistorisch so wichtigen Epoche.

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