Mi., 30.11.2016

Münsterlandnetzgesellschaft „Rebellen“ übernehmen Energienetze

Die Spitzen von acht Kommunen und Vertreter von Gelsenwasser vermeldeten bei der Netzübernahme Vollzug. 

Die Spitzen von acht Kommunen und Vertreter von Gelsenwasser vermeldeten bei der Netzübernahme Vollzug.  Foto: di

Senden - 

Acht Kommunen des Kreises Coesfeld haben mit ihrem strategischen Partner Gelsenwasser das Strom- und Gasnetz übernommen. Im Sendener Rathaus meldeten sie Vollzug nach einem neunjährigen steinigen Weg.

Von Dietrich Harhues

Die „westfälischen Rebellen“, so bezeichnen sie sich selbst, haben nicht nur Staub aufgewirbelt und bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die verwegen wie eingeschworene Truppe brachte auch einen Schlachtplan und einen langen Atem mit. Ohne die sprichwörtliche Sturheit dieser Landsleute hätten sie wohl kaum ihr Ziel erreicht: Die acht Gemeinden Ascheberg, Billerbeck, Havixbeck, Lüdinghausen, Olfen, Rosendahl, Nordkirchen und Senden haben den Zugriff auf die Strom- und Gasnetze erlangt.

Gestern trafen sich die Vertreter der kommunalen Familie und ihres strategischen Partners Gelsenwasser in Senden, um Vollzug zu vermelden: die Rekommunalisierung der Netze ist abgeschlossen. „Gegen alle Widerstände“, wie es vor der Presse hieß.

Vor sieben Jahren fassten die Gemeinden den Entschluss, mit dem Auslaufen der bestehenden Konzessionsverträge selbst Einfluss auf die Energieinfrastruktur zu nehmen. Nicht die Hoffnung auf Gewinne oder die Verheißung niedrigerer Tarife für die Kunden sei dabei die Motivation gewesen, stellte Alfred Holz klar, der als Sendens Bürgermeister zu den Projektmotoren gehört hatte. Die Gas- und Strom-Netze sollten im Sinne von Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit für künftige Generationen gesichert werden. Zugleich sollte gezeigt werden, „was im ländlichen Raum möglich ist“. Die acht Kommunen bildeten „schon eine Marktmacht“, pflichtete Olfens Bürgermeister Wilhelm Sendermann bei.

Die Gemeinden sind nunmehr zu 51 Prozent an den Strom- und Gasnetzen beteiligt. Dazu haben sie die Münsterland Netzgesellschaft (MNG) gegründet.

Der Altkonzessionär der Stromnetze, RWE, ist noch für eine sechsjährige Übergangszeit eingebunden. Für die Stromnetze zeichnet die MNG Stromnetz GmbH verantwortlich, an der die Gemeinden mit ihrem Fachpartner Gelsenwasser mittelbar zu 74,9 Prozent beteiligt sind,. Die Gasnetze (bis auf Billerbeck) übernimmt die MN Münsterland Netzgesellschaft GmbH, an der die Kommunen 51 und Gelsenwasser 49 Prozent der Anteile halten.

Als Geschäftsführer der Münsterland Netzgesellschaft fungieren Ulrike Mathis (Kommunen), die viele Erfahrungen als Wirtschaftsjuristin in der Energiewirtschaft gesammelt hat, und Ulrich Linnenbrink (Gelsenwasser).

Mit Blick auf den Kaufpreis für die Netze wurde vor der Presse keine Summe preisgegeben. Wohl aber beteuert, dass sich die Investition, die auf 40 Jahre abgeschrieben werden, nach dem 29. Jahr rechne. „Es ist ein gutes Geschäft“, so Martin Brück von Oertzen, Fachanwalt in der Sozietät Wolter-Hoppenberg, der die Gemeinden vertreten hat. Es handle sich um einen Paketpreis. Die „Zugänglichkeit“ von RWE bei den Verhandlungen wurde gewürdigt. „Es hätte auch einen Rechtsstreit geben können, dann säßen wir heute nicht hier“, betonten die kommunalen Akteure.

Für alle Gemeinden gelte, dass andere Aufgaben nicht unter der „sich selbst finanzierenden Investition“ leiden. Das Projekt „darf die kommunalen Haushalte nicht belasten“, stellte Nordkirchens Bürgermeister Dietmar Bergmann eine Prämisse des Plans heraus. Vielmehr wurde die Investition von der Netzgesellschaft per Kredit bezahlt, der, ähnlich wie beim Hausbau, auf Jahre getilgt wird, während parallel Einnahmen fließen.

Andernfalls hätten sich die „Rebellen“ wohl auch dem Risiko ausgesetzt, eine Rebellion gegen diesen Schlachtplan zu provozieren.

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