Do., 20.04.2017

Jesiden feiern Neujahrsfest: Kraft aus den Wurzeln des Glaubens

Gemeinsam feierten Familienangehörige und Freunde im Foyer der Steverhalle das jesidische Neujahrsfest. Es wurde gelacht und getanzt, aber auch der Verstorbenen gedacht.

Gemeinsam feierten Familienangehörige und Freunde im Foyer der Steverhalle das jesidische Neujahrsfest. Es wurde gelacht und getanzt, aber auch der Verstorbenen gedacht. Foto: sff

Senden - 

Stärkung der eigenen Identität und zugleich Offenheit zum Dialog mit anderen standen beim Neujahrsfest der Jesiden im Mittelpunkt. Rund 300 Gäste aus Senden und Umgebung feierten generations- und kulturübergreifend.

Von Siegmar Syffus

Es war ein buntes Fest mit reichlich köstlichem Essen, mit Musik und Tanz. Am „Roten Mittwoch“, dem jesidischen Neujahrstag, feierten rund 300 Familienangehörige und Freunde aus Senden und Umgebung ihre Gemeinschaft. Über vier Generationen hinweg verbrachten alle gemeinsam unbeschwerte Stunden im Foyer der Steverhalle.

„Nach jesidischer Theologie entstand das Universum und damit die Erde durch die Explosion einer Urperle. Die gefärbten Eier und gesegnete Frühlingsbänder, Bazinbar, sollen heute daran erinnern“, erzählte Mitorganisator Orhan Atalan im WN-Gespräch. „Bei dem Fest geht es uns darum, unsere Identität aufrecht zu erhalten und gleichzeitig Offenheit für andere zu zeigen. Wir möchten in den Dialog treten, um friedlich und freundschaftlich mit allen zusammenleben zu können“, sagte Atalan.

Diese Möglichkeit nutzen nur sehr wenige Deutsche, unter ihnen der stellvertretende Bürgermeister Alfons Hues, Pfarrer Klemens Schneider, Dr. Hans Meckling, Vorsitzender der Flüchtlingshilfe Senden, sowie als Vertreter der Aktion „Hoffnungsschimmer“, Altbürgermeister Alfred Holz und der stellvertretende Generalvikar des Bistums Münster, Dr. Jochen Reidegeld.

„Es ist eine sehr positive Entwicklung, dass die jesidischen Feste wieder gefeiert werden“, betont Reidegeld mit Blick auf den barbarischen Völkermord durch IS-Terroristen im Nordirak. Vor diesem schrecklichen Hintergrund sei es für die Jesiden sehr wichtig, sich ihrer Wurzeln zu erinnern. Das Schicksal der vielen Tausend Verfolgten und Ermordeten habe dazu beigetragen, dass „sehr viel mehr junge Leute als früher sich ihre Identität bewusst geworden sind“. Reidegeld sprach auch einen Auftrag für die internationale Politik an: „Es muss für Jesiden und Christen eine Schutzzone in dem betroffenen Gebiet eingerichtet werden. Sonst gibt es keine Sicherheit für ihr Leben.“

Zum „Roten Mittwoch“ hatten über 50 Frauen ein großes Büfett zusammengestellt mit Aprax (gefüllten Weinblättern), Börek (Teigtaschen mit Käse oder Hackfleisch), mit kurdischen Knödeln, Bulgursalat, Fisch und Hühnchen sowie vielen anderen Köstlichkeiten. „Jeder hat etwas mitgebracht als Erinnerung und als Opfergabe für die Verstorbenen“, erklärte Atalan.

„Es wäre schön gewesen, wenn heute mehr Deutsche zum Fest gekommen wären“, bedauerte Hans Meckling. „Die Jesiden hatten eingeladen. Sie fühlen sich von anderen als Menschen wahrgenommen, wenn man mit ihnen gemeinsam speist und feiert“, sagte der Vorsitzende der Flüchtlingshilfe Senden. Damit wies er auch auf die Bedeutung des für den 9. Juli (Sonntag) geplanten „1. Internationalen Begegnungsfestes“ hin, bei dem sich die Jesiden aktiv einbringen wollen.

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Bei dem Fest geht uns darum, unsere Identität aufrecht zu erhalten und gleichzeitig Offenheit für andere zu zeigen.

Orhan Atalan, Mitorganisator der Feier zum „Roten Mittwoch“

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