Di., 09.05.2017

Theater in Friedenskapelle Klassiker wirft aktuelle Fragen auf

Ausdruckskraft und Energie: Die Brecht-Inszenierung des „Theaters in der Kreide“ kam bei den Zuschauern in der KuKiS-Friedenskapelle gut an.

Ausdruckskraft und Energie: Die Brecht-Inszenierung des „Theaters in der Kreide“ kam bei den Zuschauern in der KuKiS-Friedenskapelle gut an. Foto: hha

Senden - 

Mit seiner Inszenierung des Brecht-Dramas „Der gute Mann von Sezuan“ überzeugte das „Theater in der Kreide“, das von der Kunst- und Kulturinitiative Senden (KuKiS) eingeladen worden war. Auch das Publikum war gefordert.

Gibt es noch gute Menschen auf dieser Welt? Diese hochaktuelle Frage versucht das freie „Theater in der Kreide“ aus Münster mit der Inszenierung des Dramas „Der gute Mensch von Sezuan“ von Bertolt Brecht zu beantworten und begeisterte so am Samstag die Zuschauer in der Friedenskapelle in Senden, wohin die Kunst- und Kulturinitiative Senden (KuKiS) das semiprofessionelle Ensemble eingeladen hatte.

Themen Liebe, Nächstenliebe – und Flüchtlinge

Geschrieben 1940 und uraufgeführt 1943, behandelt das Stück Themen, die heute relevanter sind denn je: Liebe, Nächstenliebe und Flüchtlinge. Zum Plot des Dramas: Vor langer Zeit befindet sich Gott in der chinesischen Provinz Sezuan auf der langen Suche nach einem guten Menschen. Einzig die Prostituierte Shen Te reicht ihm eine helfende Hand und gewährt ihm nach seiner langen Reise Obdach. Von der Bezahlung des „Erleuchteten“ für ihre guten Dienste eröffnet sie eine kleine Kneipe in der sie Geflüchtete aufnimmt – doch von anständigen Taten allein lassen sich keine Rechnungen bezahlen. Um ihren immer größer werdenden Geldsorgen zu entkommen, verwandelt sich Shen Te in den eiskalten Geschäftsmann Shui Ta und vertreibt die Flüchtlinge.

Fotostrecke: Brecht-Inszenierung in der Friedenskapelle

Im weiteren Verlauf des Dramas, das Brecht als Flüchtling im dänischen und schwedischen Exil verfasste, verliebt sich die Protagonistin in den arbeitslosen Flieger Sun, von dem sie schwanger wird, der aber zugleich von ihr Geld zum Schmieren eines Hangarbesitzers erwartet. Diese falschen Absichten ihres Geliebten erfährt Shen Te in der Verkleidung Shui Tas vom Flieger selbst und wird so brutal von Wolke sieben auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Ensemble reißt Publikum mit

Nicht nur die Handlung fesselte das Publikum in den Räumen der KuKiS, sondern auch das Talent der ambitionierten Schauspieler: Das bestens eingespielte Sextett riss die etwa 30 Zuschauer mit „kölschem Charm“ mit. Denn Regisseur Reinhard Stähling und sein Ensemble übertrugen das Stück aus dem Zweiten Weltkrieg in die heutige Zeit und schon beim Einzug der Darsteller erschallten „Kölle Alaaf“ Rufe. Auch die Besucher wurden aufgefordert, „sich mal etwas lockerer zu machen“. Ein Appell, dem einige erkennbar folgten.

Das unabhängige „Theater in der Kreide“, das von der Kunst- und Kulturinitiative Senden („KuKiS“) für diese Aufführung engagiert wurde, beansprucht für sich, „kompromisslos und ohne Scheu erfolgreich und kämpferisch Theater zu machen“.

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