In der Gemeinde fehlen rund 100 Pflegeplätze
Senden ist drastisch unterversorgt

Senden -

Die Stevergemeinde bildet in vielen Punkten das Schlusslicht. Die Versorgung mit Pflegeangeboten hinkt in Senden deutlich hinterher. Vor allem Kurzzeitpflege bildet ein Defizit. Die Situation soll sich mit der neuen Einrichtung an der Holtruper Straße ändern.

Donnerstag, 17.05.2018, 12:05 Uhr

Sabine Neumann setzt große Hoffnung in die neue Wohn- und Pflegeeinrichtung, die an der Holtruper Straße entstehen soll (kleines Bild). Insbesondere im Bereich der Kurzzeit- und Tagespflege sieht die Leiterin des Altenheims St. Johannes aktuell ein großes Defizit in Senden.
Sabine Neumann setzt große Hoffnung in die neue Wohn- und Pflegeeinrichtung, die an der Holtruper Straße entstehen soll (kleines Bild). Insbesondere im Bereich der Kurzzeit- und Tagespflege sieht die Leiterin des Altenheims St. Johannes aktuell ein großes Defizit in Senden. Foto: sff/Entwurf: Jürgen Verwohlt

„Es wird dringend Zeit, dass sich etwas tut. In vielen Bereichen der Pflege bilden wir das Schlusslicht im Kreis Coesfeld“, umreißt Holger Bothur die Situation in der Gemeinde Senden. Seine Einschätzung schöpft der Fachbereichsleiter nicht aus der hohlen Hand, sondern aus den aktuellen Zahlen und Prognosen des Pflegebedarfsplans.

Aktuell werden im Altenheim St. Johannes 99 stationäre Pflegeplätze angeboten. Nach Einschätzung des Kreises Coesfeld werden bereits jetzt 197 benötigt. Bis 2025 soll die Nachfrage bis auf 218 Plätze ansteigen. „Ein noch deutlicherer Bedarf besteht im Bereich der Kurzzeit pflege. Und für die Tagespflege steht zurzeit gar kein Platz zur Verfügung“, führt Bothur aus. Der von der „Heilig Geist“-Stiftung geplante Bau einer Wohn- und Pflegeeinrichtung auf dem ehemaligen Sportplatz an der Holtruper Straße sei ein „sehr wichtiger Beitrag, die Situation zu verbessern“.

Diese Einschätzung teilt auch Sabine Neumann: „Wir müssen viele Anfragen absagen“, erklärt die Leiterin des Sendener Altenheims. „Vor allem nach Kurzzeitpflege ist bei fehlenden Platzzahlen eine starke Nachfrage zu spüren. Das ist nicht nur in Senden so, sondern in der gesamten Region.“ Einen Grund für das „Riesenproblem“, wie Neumann sagt, sieht sie in der verkürzten Aufenthaltsdauer in den Krankenhäusern: Da die Patienten schneller entlassen würden, bestehe ein höherer Hilfsbedarf, der durch Angehörige oder einen ambulanten Pflegedienst nicht immer gedeckt werden könne.

„Insgesamt fehlt es in Senden an Tagespflege, an gemeinschaftlichem Wohnen im Alter und an heimverbundenen Wohnungen im Alter. All das entsteht in dem Projekt an der Holtruper Straße, das im Jahr 2020 eröffnet werden soll“, berichtet die Leiterin des Altenheims. Letztendlich sollen dort 69 Plätze für Kurzzeit- und stationäre Pflege angeboten werden, ebenso wie zwei Gemeinschaftswohnungen für acht beziehungsweise neun Personen, die entweder ambulant betreut werden oder sich selbst versorgen sowie eine Tagespflegeeinrichtung für bis zu zwölf Personen.

Doch nicht allein das Pflegeplatz-Defizit bereitet Sorge: „Auch der Fachkräftemangel ist bei uns angekommen. Darum arbeiten wir forciert an neuen Ausbildungskursen, sowohl im Altenpflegebereich als auch in der dreijährigen Fachausbildung für Hauswirtschaft. 365 tage im Jahr haben wir Ausschreibungen für beide Bereiche laufen“, führt Neumann. Fachkräfte seinen „fast nur noch durch eigene Ausbildung“ zu generieren. „Pflege ist mittlerweile ein gut bezahlter Beruf. Bereits im ersten Ausbildungsjahr gibt es über 1000 Euro. Und bei entsprechender Zusatzqualifikation bestehen gute Aufstiegschancen.“ Auf Basis des für alle Altenpflege-Einrichtungen vorgeschriebenen Personalschlüssels sei das Sendener Altenheim voll besetzt und hoch qualifiziert: „Vorgeschrieben ist eine Quote von 50 Prozent examinierten Kräften wir liegen bei circa 65 Prozent“, betont Neumann.

Für die Tagespflege stehen zurzeit gar keine Plätze zur Verfügung.

Fachbereichsleiter Holger Bothur
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