Mo., 04.03.2013

17 Höfe betroffen, Entwarnung bei Milch Auch Mäster verfütterten Giftmais

Zehn Mastbetriebe  im Kreis Steinfurt wurden mit schimmelpilz-belastetem Futter beliefert.

17 Mastbetriebe  im Kreis Steinfurt wurden mit Schimmelpilz-belastetem Futter beliefert – das war der Stand von gestern Nachmittag. Kreis-Veterinär Dr. Brundiers rechnet aber damit, dass die Zahl der betroffenen Höfe weiter zunimmt.. . Foto: dpa

Kreis Steinfurt - 

Der Kreis Steinfurt gibt Entwarnung für sieben Milchviehbetriebe, die vom Futtermittelskandal um verschimmelten Mais betroffen sind: Die dort genommenen Milchproben sind unbelastet. Gleichzeitig wird gemeldet, dass auch 17 Mastbetriebe im Kreis Schimmel-Mais verfüttert haben. Innereien dürfen, anders als das Fleisch der Tiere, nicht mehr verwendet werden.

Von Achim Giersberg

Insgesamt 17 Mast-Betriebe im Kreis Steinfurt haben ebenfalls mit giftigem Schimmel verunreinigtes Futter an ihre Tiere verfüttert. Das sagte gestern Kreis-Veterinär Dr. Christoph Brundiers auf Anfrage. Die Betriebe seien über den ganzen Kreis verteilt und es seien Bullen, Schweine, Kälber und Hühner betroffen. Schlachteinschränkungen gebe es keine, sagte der Kreis-Veterinär; die Mastbetriebe seien nach Beratungen mit dem Landesamt für Natur und Umweltschutz, LANUV, lediglich dazu aufgefordert worden, weder Lebern noch Nieren von Schlachttieren in den Verkehr zu bringen. In diesen Organen könnten sich nämlich die hoch giftigen Aflatoxine anreichern. Im Fleisch dagegen sei dies ausgeschlossen. Brundiers sagte, er rechne damit, dass durchaus noch weitere Betriebe im Kreis Steinfurt betroffen sein könnten. Das Veterinäramt sei derzeit dabei, umfangreiche Lieferlisten auszuwerten.

Für sieben Milchviehbetriebe im Kreis Steinfurt, die schimmelpilzbelasteten Mais aus Serbien verfüttert haben, gab Brundiers dagegen Entwarnung: Alle Milchproben seien negativ ausgefallen. Die Ergebnisse der Proben aus zwei weiteren Milchbetrieben, die am Samstag nachgemeldet wurden, standen gestern Nachmittag noch aus, Brundiers ging aber davon aus, dass auch dort keine Grenzwerte überschritten worden seien. Alle betroffenen Milchbetriebe können damit wieder ohne Einschränkung produzieren und Milch vermarkten.

Generell müssten das belastete Futter auch der Mastbetriebe zurück an die Hersteller geliefert werden, wo es untersucht werde. Für die betroffenen Höfe sei das ein wirtschaftlicher Schaden, falls die Futtermittelbetriebe nicht kostenlos Ersatz zur Verfügung stellten.

Johann Prümers, Vorsitzender des WLV-Kreisverbandes Steinfurt, sprach sich gestern gegenüber unserer Zeitung gegen „eine Hysterie“ aus, die „jetzt sofort nach einer Verschärfung der Kontrollen“ rufe. Das gegenwärtige Kontrollsystem der „seriösen“ Futtermittelindustrie sei „sehr penibel“. Möglicherweise seien die Schimmelnester durch „falsche Handhabung“ des Futters entstanden. Gleichwohl müsse die Verunreinigung Konsequenzen haben – etwa in der Form von Schadensersatzzahlungen der Futtermittelhersteller.

Auf die Frage, ob es nicht ein Irrsinn sein,dass so viele Bauern aus dem Kreis Mais aus Serbien importieren, während hier wachsender Mais in den Biogasanlagen verstromt werde, meinte Prümers „Ich halte nichts davon, den freien Handel zu beschränken.“ Wichtig sei nur, dass die Qualität stimme. Im vorliegenden Fall sei das eigentlich gut funktionierende System der Futtermittel-Kontrollen anscheinend unterlaufen worden, „vielleicht Geschäftemacherei“, Dass der Kreis Steinfurt besonders betroffen sei, sehe er nicht so: „Ich finde bei der Vielzahl der Betriebe sind neun Milchviehhöfe nicht besonders viel.“

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