Di., 28.05.2013

„Tag der Milch“ Kreislauf der Trennung

Oh wie süß ist doch so ein Kälbchen: Die Milch kommt aber aus der Flasche – schließlich wird die Milch des Muttertieres für den menschlichen Verzehr gebraucht.

Oh wie süß ist doch so ein Kälbchen: Die Milch kommt aber aus der Flasche – schließlich wird die Milch des Muttertieres für den menschlichen Verzehr gebraucht. Foto: Achim Giersberg

Kreis Steinfurt - 

Am 1. Juni wird wieder der „Tag der Milch“ gefeiert. Im Kreis Steinfurt haben Schulklassen die Möglichkeit, Milchbetriebe zu besuchen, eine Käserei kann besichtigt werden, frische Milch von der „Tankstelle“ gezapft werden. Aber ist Milch wirklich so gesund, wie immer behauptet? Und wie funktioniert das eigentlich genau mit der Milchproduktion?

Von Achim Giersberg

Eine Kuh gibt nur Milch, wenn sie vorher ein Kalb bekommen hat. Das wird ihr wenige Stunden nach der Geburt weggenommen. Die Milch, die eigentlich für das Kalb bestimmt war, trinken wir Menschen. Nach rund zehn Monaten muss die Kuh neu befruchtet werden, bekommt ein neues Kalb, das wird ihr wieder weggenommen, die Milchproduktion geht weiter. Wie reagieren siebenjährige Kinder auf diesen ewigen Kreislauf der Trennung von Mutter und Kind?

„Die Kinder realisieren das nicht“, sagt Lehrerin Anne Busch, die an diesem Morgen den Milchhof Lölfer in Burgsteinfurt mit der Klasse 2a der Bismarckschule besucht. Ob Sie das später im Unterricht aufarbeite? „Ja, vielleicht.“ Aber es sind nicht nur Kinder, die nicht wissen, dass die Milchproduktion untrennbar mit der Kälberproduktion verbunden ist. Der ehemalige WLV-Präsident Franz-Josef Möllers erzählte gerne davon, dass sogar mancher Bundestagsabgeordnete das nicht wüsste.

Die Kinder genießen derweil die Bauernhof-Atmosphäre, tollen herum, vor allem die Mädchen reißen sich darum, als zwei Kälber mit der Flasche gefüttert werden dürfen. Bäuerin Mareike Lölfer gibt Hilfestellung, schleppt zwischendurch Milchdrinks zum Frühstück herbei, freut sich über das Interesse der Kinder. Mit der Milchproduktion hat sie natürlich kein Problem. „Ich finde, wir sollten die Tiere nicht vermenschlichen“, sagt sie. Die männlichen Kälber ihrer 170 Milchkühe werden verkauft, kommen in die Bullenmast oder werden geschlachtet. Die weiblichen Tiere werden zum Teil behalten, um alte Milchkühe zu ersetzen.

Auch Marlies Grüter , Öffentlichkeitsreferentin des WLV-Kreisverbandes, ist gekommen, um für den „Tag der Milch“ am 1. Juni zu werben. Schulklassen könnten sich gerne beim Grünen Zentrum melden, das dann Besuche auf Milchhöfen vermittle. Das passe sehr gut in die allgemeine Strategie des WLV. die Lebensmittelproduktion für die Verbraucher transparenter zu machen und so Vertrauen aufzubauen.

Und Grüter hat auch noch zwei besondere Tipps zum „Tag der Milch“ parat: Wer Milch ganz unverfälscht und pur genießen möchte, der ist an der ersten Milchtankstelle im Kreis Steinfurt , auf dem Hof Löcken, mitten im Zentrum von Hörstel-Dreierwalde, Dorfstraße, richtig. Täglich können hier Milchliebhaber von morgens bis abends frische Rohmilch ganz nach der gewünschten Menge abzapfen. Ein Automat macht‘s möglich – und nebenan stehen die Kühe, die die Milch liefern.

Ähnlich ist es bei den beiden Melkhüsern an den Höfen von Familie Lölfer, Hollich 5, Steinfurt und Familie Leifker, Landersum 3, Neuenkirchen. Beide liegen direkt am Steinfurter Milchradweg. Die Melkhüser sind im Sommer täglich geöffnet.

► 455 Milcherzeuger gibt es im Kreis Steinfurt – im Jahr 2007 waren es noch 534. Die Zahl der Milchkühe dagegen ist leicht gestiegen, von 17 232 auf 17 829.

Zum Hintergrund: Gute Milch-böse Milch

Wie gesund ist Milch wirklich? Darüber gehen die Meinungen weit auseinander – eine kleine Internet-Recherche zeigt, dass auch die Wissenschaft keine einheitliche Meinung hat. Milchprodukte und Käse gelten den Einen als hervorragende Nährstofflieferanten insbesondere für hochwertiges Eiweiß, für Kalzium, Jod und für Vitamin B2. Vor allem, um den Bedarf an Kalzium sicher zu decken, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gesunden, erwachsenen Menschen, 200 bis 250 g Milch oder Milchprodukte und 60 bis 70 g Käse. Andere weisen drauf hin, dass Milch mehr Kalorien als Cola hat und den Cholesterinspiegel belastet. Der Osnabrücker Dermatologe Prof. Bodo Meinik bezweifelt im NDR-Ratgeber sogar, dass Milch-Kalzium gut für den Knochenaufbau sei. Im Gegenteil: Zu viel Milch könne zu Überbelastungen mit Kalzium führen, was den Vitamin-D-Spiegel im Körper senke. Vitamin D aber sei entscheidend für die Aufnahme von Kalzium in den Knochen. Milch fördere also eher Osteoporose als sie zu verhindern. Die in ihr enthaltene Hormone sendeten außerdem Wachstumssignale an den menschlichen Körper. Auch bei Lactoseunverträglichkeit, unter der jeder 5. Deutsche leidet, ist Milch nicht empfohlen.

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