Mo., 24.06.2013

Landwirtschaft bekommt Gesichter Bauern wollen gute Nachbarn sein

Kreis Steinfurt - 

Mit der Plakat-Aktion „Auf gute Nachbarschaft“ laden die Bauern im Kreis Steinfurt zum Dialog. Zugleich wollen sie der Landwirtschaft ein Gesicht geben. Hofschilder im Einfahrtsbereich der Höfe zeigen Fotos der Betreiber und ihrer Familien. Nahezu flächendeckend wollen die Landwirte in den kommenden 14 Tagen so Gespräche und Diskussionen anstoßen, in der sie die Chance bekommen, Vorurteile abzubauen, aber auch aus Kritik zu lernen.

Von Achim Giersberg

Mit einer großen Plakat-Kampagne unter dem Motto „Auf gute Nachbarschaft!“ laden die Bauern im Kreis Steinfurt die Bevölkerung zum Dialog ein. Unterstützt wird wird die Aktion durch ein Hofschilder-Projekt. Die Hofschilder befinden sich im Eingangsbereich von Bauernhöfen und zeigen die Landwirte und Landwirtschaftsfamilien, die sie bewirtschaften. „Das soll zeigen, dass die Familien sich mit ihrer Arbeit identifizieren und volle Verantwortung tragen, für was sie tun,“ sagt Johann Prümers . Kreisverbandschef des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes WLV.

In den kommenden 14 Tagen würden die Plakate und Hofschilder in allen Orten den Kreises und nahezu flächendeckend aufgestellt, kündigte Prümers an. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Albert Rohlmann und WLV-Kreisgeschäftsführer Franz-Josef Koers stellte er die Aktion jetzt im Rahmen eines Pressegesprächs vor. Schulklassen, Vereine, Gruppen jeglicher Art können sich im Saerbecker Grünen Zentrum melden, erklärt die WLV-Öffentlichkeitsarbeiterin Marlies Grüter das Prozedere „Wir stellen uns jeder Frage zu jedem Thema“, verspricht sie. Der Kreisverband werde passende Besuche bei Bauern vermitteln und Diskussionsangebote machen. Prümers spricht sogar von „einer totalen Öffnung der Art und Weise, wie wir Lebensmittel produzieren.“ Ziel sei, so greift Koers diese Aussage auf, „möglichst früh in einen Dialog einzusteigen.“

Denn die Landwirte im Kreis fühlen sich unter Druck. „Junge Bauern haben das Gefühl, sich tagtäglich Mühe zu geben, im Bewusstsein, alles richtig zu machen, aber überaus kritisch hinterfragt zu werden,“, meint Prümers und klagt, dass es „wenig konstruktive Diskussionen“ gebe, dafür aber „viel Pauschalkritik.“ Dabei gebe es in der Landwirtschaft durchaus Selbstkritik. Gülle, Tierhaltung, Tierschutz – „auf machen Feldern ist eine Grenzen erreicht“, gesteht Prümers den Kritikern zu. Aber die Bauern seien zu Veränderungen bereit, ja hätten sie in vielen Fällen selbst initiiert. Von der Politik würden solche Vorstöße leider oft zerredet und am Ende stünden „verwässerte Entscheidungen“, die suggerierten, dass die Bauen eben doch vieles falsch gemacht hätten. „Ich habe die große Sorge, dass die junge Generation sich unter diesen Umständen umorientiert,“ fürchtet Rohlmann um die Zukunft des Berufsstandes.

Wildes Wachstum im Außenbereich; Maisanbau bei dem eine Obergrenze erreicht sei; Bauern, die durch vertragliche Bindungen „entmündigt würden; der umstrittene Export landwirtschaftlicher Produkte; Höhe und Sinn der EU-Funktionen: heiße“ Themen gibt es noch genug, wissen die Bauern, aber sie sind sich sicher, gute Argumente für ihren Standpunkt zu haben – auch wenn nicht jeder Landwirt die in Wort und Verhalten vermittelt. Neben der nach außen gerichteten Öffentlichkeitsoffensive dieser Tage soll es deshalb im Herbst verstärkt Fortbildungen geben und einen „Dialog nach innen“.

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