Alternativer Karneval Gift & Gülle
Im Fleischwolf des Humors

Kreis Steinfurt/Emsdetten -

Ein Jahr schöpferische Pause – jetzt geht es wieder los: Die Proben für die alternative Karnevalssitzung „Gift und Gülle“ in Emsdetten haben begonnen. Das Ensemble ist hochmotiviert und verspricht anspruchsvollen Frohsinn.

Mittwoch, 03.01.2018, 20:01 Uhr

Die Proben für das neue Programm des Ensembles von Gift und Gülle laufen auf Hochtouren. Dazu müssen zunächst mal Texte gelernt werden. Jede Pointe und jede Mimik muss sitzen, fordert Regisseur Gregor Weber.
Die Proben für das neue Programm des Ensembles von Gift und Gülle laufen auf Hochtouren. Dazu müssen zunächst mal Texte gelernt werden. Jede Pointe und jede Mimik muss sitzen, fordert Regisseur Gregor Weber. Foto: Jürgen Christ

Von drauß‘ von Detten komm ich her und muss euch sagen, es müffelt schon sehr: nach Gift und Gülle. Allüberall sieht man es glitzern, es duftet nach Tannengrün, Glühwein und Plätzchen. Nur in der Turnhalle der Johannesschule riecht es nach Pointen, Spöttelei und Schabernack: denn dort verspritzen – „endlich wieder“, sagen viele – die Fahnenträger des kritischen Karnevals Gift und Gülle und proben für die 21. Session der Alternative zum traditionellen Sitzungskarneval.

2017 hat sich das Ensemble eine schöpferische

Was sich wohl hinter diesem Sketch verbirgt?

Was sich wohl hinter diesem Sketch verbirgt? Foto: Jürgen Christ

Pause gegönnt, aber Ende Januar bringt es wieder bissiges Kabarett, schräge Comedy, flotten Tanz und satte Live-Musik auf die Bühne. Verspricht mal wieder Gregor Weber , der die alternativen Jecken aus Emsdetten, Rheine, Wettringen, Nordwalde und Münster seit nun schon 18 Jahren fit macht für die dreieinhalbstündige wahnwitzige Abendshow.

Der Kölner ist leidenschaftlicher Theatermann, er führt Regie, kann tanzen, schauspielern, ist Spezialist für Bühnenmanagement und stellt am Rande der Sketchproben erst mal fest, dass „unsere Mitspieler hier längst keine Laien mehr sind; die haben so viel gelernt in all den Jahren, da muss man mindestens von Halbprofis sprechen.“ Sagt der Profi, der jeden Satz und jedes Wort dreimal umdreht, kürzt und strafft, Gesten, Mimik und Betonungen so lange wiederholen lässt, bis er sich sicher ist: „Jetzt hat es Tempo und Drive, die Lacher sitzen an der richtigen Stelle, so läuft das Ding.“ Das nie, sagt Gregor Weber, nur platte Comedy oder plumpe Witzparade sein darf: „Wir werden immer auch politisch sein, mutig und frech, wir sind nicht nur auf die Schenkelklopfer aus.“

Auch in der 21. Session dreht das Gift-und-Gülle-Team wieder aktuelle Themen durch den humoristischen Fleischwolf: von Trump bis Jens Spahn, von Amazons Alexa bis zum mafiösen Immobilien-Hai Don Holsky, auch der bräsige Bauer Klem (Günter Hoof) wird wieder beim Schnäpsken im Raiffeisen-Markt die Welt up Platt erklären – was herauskommt, ist manchmal böse, manchmal fatal oder banal und manchmal einfach nur bekloppt und witzig.

Am Anfang, daraus machen die münsterländischen Antikarnevalisten keinen Hehl, war die Kölner „Stunksitzung“ als Protest gegen den traditionellen Karneval initiiert.

„Gift und Gülle “, räumt Regisseur Gregor Weber ein, „ist ja sowas wie der kleine Bruder der Stunksitzung. Da hänge ich mit meinem Herzen dran, das ist mein Kind.“ Das nun ja schon erwachsen ist und als Hort des anspruchsvollen Frohsinns gilt, als Gegenentwurf zur etablierten Narretei; jenseits von Bütt und Orden, Biederkeit, Narhalla-Marsch und zotenschwerer Humor-Gerontokratie beweisen die Giftig-Gülligen, dass niveauvolle Verhohnepiepelung keine kurzröckigen Funkenmariechen braucht.

„Dä Westfale“, lästern sie gerne in Köln, „dä musse ja zum Lache öwerrede.“ „Aber der Westfale“, kontert der Kölner Gregor Weber, „der lacht dann aber auch.“ War das gerade ein kölsches Lob, dass der Westfale auch Bützje und Kamelle kann? „Et is furchtbar, aber et jeht“, sagt Kölns Alternativ-Jeck Jürgen Becker.

Wie gut es geht, zeigt „Gift und Gülle“, das Hochamt des anspruchsvollen Frohsinns.  

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