So., 26.02.2012

Wenn der Wurm erstmal drin ist. . . Kabarettist Christoph Tiemann begeistert mit seinen erstem Soloprogramm in der Kulturwerkstatt

Wenn der Wurm erstmal drin ist. . . : Kabarettist Christoph Tiemann begeistert mit seinen erstem Soloprogramm in der Kulturwerkstatt

Hatte einen starken Auftritt in der Kulturwerkstatt: Kabarettist Christoph Tiemann. Foto: rur

Altenberge - 

Er macht vor nichts halt. Und geht den scheinbar alternativlosen Dingen gnadenlos auf den Grund: Christoph Tiemann, Schauspieler, Kabarettist und Autor, präsentiert tagesaktuelle Satire – lebendig, provokant, frech zugespitzt, aber auch witzig und pointiert. Davon konnten sich die Besucher am Freitagabend in der sehr gut besuchten Kulturwerkstatt bei Tiemanns erstem Soloprogramm „Kabarettverbot“ überzeugen. Dabei sparten sie nicht mit Beifall und spendeten immer wieder begeistert Szenenapplaus.

Von Rudolf Rickers

Tiemann ist vor über zehn Jahren vom Ruhrgebiet ins Münsterland gekommen, für sein Kabarett wiederholt ausgezeichnet worden und mit „Tiemanns Wortgeflecht“ jeden Montag im WDR 5 zu hören. Eurokrise, Rating-Agenturen, die „Quiz-Abzocke“ im privaten Fernsehen, FDP, CSU, Wulff, Rösler und Sarrazin. Das sind Reizworte für den Künstler, die ihn aufregen und „immer wieder an den Rand des Nervenzusammenbruchs treiben“. Deshalb habe ihm sein besorgter Kardiologe Dr. Sondermann auch Kabarett-Diät verordnet. „Aber die Themen liegen auf der Straße und drängen sich auf“, ruft Tiemann ins Publikum und setzt sich auch an diesem Abend über die ärztlichen Anordnungen hinweg. „Wie kann man nur einen Tag nach Weiberfastnacht zur Karnevalshochzeit zurücktreten“, witzelt er und fragt: „Geht’s ihnen bei einem Staatsoberhaupt Horst Seehofer wirklich gut?“ Die Bayern sind für Tiemann die „Texaner Europas und die CSU eine Bush-Family“. Stark ist Tiemann am Rednerpult hinter einer weiß-blauen Bayernflagge mit Wappen und Löwen bei einer CSU-Brandrede zur Eurokrise. „Radikale Ansichten zu vertreten, muss ein Privileg der CSU bleiben“, fordert er und sieht die Griechenland-Krise gelassen: „Wenn die Türken nach Europa kommen, gehen die Griechen ohnehin.“ „Darf man noch Witze über die FDP machen?“, fragt er vorsichtig und fürchtet dabei „Leichenschändung“. Aber über die FDP, den Zombie der Parteienlandschaft, seien schon zu viel Nachrufe geschrieben worden. Und was ist mit Rösler? „Der löst Schuldgefühle und Nachsicht aus.“ Die „Quiz-Abzocke“ im Fernsehen hat für Tiemann ein Niveau erreicht, das man kabarettistisch gar nicht mehr bearbeiten muss. Weiter geht es mit Sarrazin, dessen Tollwutmedikamenten und Erika Steinbach im Zug auf einer Reise von der Maas bis an die Memel. Und die schon so oft gehörte Erklärung vieler Politiker, man könne Äpfel nicht mit Birnen vergleichen, lässt er auch nicht gelten: „Es ist wurscht, wenn in beiden der Wurm drin ist!“

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