Beruf und Pflege: Herausforderung für Unternehmen und Staat
Neue Unternehmenskultur ist gefragt

Altenberge -

Die Projektion auf der Großbild-Leinwand bei Schmitz Cargobull zeigt einen Hütten-Arbeiter mit dem Zitat: „Tagsüber koche ich Stahl, abends für meine Mutter!“ Sicherlich ein signifikantes Motiv für die ganze Thematik der „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“. Oder doch nicht?

Mittwoch, 15.04.2015, 16:04 Uhr

Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf war Thema einer Veranstaltung beim Unternehmen Schmitz Cargobull. Pressechef Gerd Rohrsen (l.) begrüßte dazu die Referenten Dr. Regina Ahrens (6.v.l), Gaby Hempel (5.v.r.), Ingmar Ebhardt (5.v.r.) Sebastian Nebel (4.r.) und Ulrike Reifig (r..)
Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf war Thema einer Veranstaltung beim Unternehmen Schmitz Cargobull. Pressechef Gerd Rohrsen (l.) begrüßte dazu die Referenten Dr. Regina Ahrens (6.v.l), Gaby Hempel (5.v.r.), Ingmar Ebhardt (5.v.r.) Sebastian Nebel (4.r.) und Ulrike Reifig (r..) Foto: Dieter Klein

Denn – ob dieser Mann schon tagsüber während seiner Arbeit in Gedanken bei der pflegebedürftigen Mutter ist und damit dem Arbeitgeber tagtäglich wesentliche Konzentration und Arbeitskraft entzieht, wird nicht erkennbar gemacht.

So lauschte am Dienstagnachmittag eine stattliche Anzahl von Firmenvertretern aus dem Kreis Steinfurt wie auch aus benachbarten Kreisen, den Ausführungen einiger Experten zum Thema: „Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf “.

Eine Veranstaltung, die auf Einladung der Altenberger Initiative „Lokales Bündnis für Familie“ in den Tagungsräumen des Unternehmens stattfand.

Schließlich steigt in unserer Gesellschaft „des langen Lebens“ die Anzahl pflegebedürftiger Menschen. Und damit auch die Zahl derer, die sich neben ihrer beruflichen Tätigkeit im Haushalt und um nahestehende pflegende Mitmenschen kümmern müssen. Diese, größtenteils noch wenig gelöste, Problematik kostet die Deutschen Unternehmen jährlich rund 19 Milliarden Euro. Und, was von der Unternehmensseite selten gerechnet wird, zahllose ältere Menschen, einen Großteil ihrer Würde.

Hierzu riet Dr. Regina Ahrens vom Forschungszentrum „Familienbewusste Personalpolitik“ Münster zum Handeln, bevor es teuer wird. Es gilt, flexibel zu sein und zu überlegen, wie neben den bereits bestehenden gesetzlichen Möglichkeiten, betriebliche Pflegezeiten, beispielsweise in vorrübergehende Teilzeit eingebettet werden könnten. Auch könnte man Hilfe und Beratung in Unternehmens-Netzwerken suchen und anbieten.

Ingmar Ebhardt von der WEST mbH – Wirtschaftsförderung im Kreis Steinfurt hatte einen sogenannten „Pflegekoffer“ dabei, eine Art „Info-Sammelordner“, der helfen soll, leichter Kontakte zu Hilfeangeboten – auch über die Kreisgrenzen hinaus – knüpfen zu können.

Den Clou aber lieferte Gaby Hampel von der Altenberger Firma Perbit-Software. Denn in ihrem Betrieb an der Siemensstraße pflegt man schon seit Jahren eine Unternehmenskultur, in der Gesundheitsmanagement, familienfreundliche Personalpolitik, Vertrauens-Arbeitszeit, und wertorientierte Unternehmensführung“ selbstverständlich sind.

Selbst ein Rollstuhl für den plötzlichen Besuch einer pflegebedürftigen Person, wartet im Unternehmen auf Nutzer. Sicherlich eine beispielhafte Familien- und Pflegehilfe, war man sich im Auditorium einig. Leider sind nur wenige Firmen wie perbit dazu in der Lage, Mitarbeiter wie Kunden über Inter- und Intranet einzusetzen und zu beliefern.

Doch damit entwickelte sich die Gesamtveranstaltung unter der Moderation von Sebastian Nebel (Wirtschaftsförderer im Altenberger Rathaus) zu einer anregend Diskussionsrunde. Was Bürgermeister Jochen Paus wie folgt kommentierte: „Die Pflege unserer älteren Mitmenschen ist eine persönliche Herausforderung für Jeden. Auch für Unternehmen und Staat. Umso wichtiger ist es, dass dafür entsprechende Konzepte entwickelt werden.“

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