Mi., 08.02.2017

Masematte-Experte Nachfragen kein Problem

Wolfgang Schemann (l.) las unter anderem aus seinem Buch „Münster – noch tofter als jovel“.

Wolfgang Schemann (l.) las unter anderem aus seinem Buch „Münster – noch tofter als jovel“. Foto: ter

Altenberge - 

Wolfgang Schemann ist ein Experte, wenn es um die spezielle Geheimsprache Masematte geht. In der Buchhandlung Janning las er aus seinen Büchern vor.

Eine ganze Menge Spaß hatten Zuhörer und auch Autor Wolfgang Schemann am Dienstagabend in der Buchhandlung Janning. Geschichten auf Masematte – der speziellen münsterischen Geheimsprache – las Schemann vor. Zwei seiner Bücher hatte er dabei. „ Münster – noch tofter als jovel“ und „Münster – Leezen, Lowi und Lowinen“ waren eine echte Quelle der Freude für Masemattenfreier (Freunde der Masematte), auch wenn nicht jeder alles verstehen konnte. Aber nachfragen war kein Problem.

Schemann erzählte dazu noch ein bisschen zur Geschichte dieser eigentlichen Händler- und Gaunersprache. Entstanden sei sie etwa Mitte des 19. Jahrhunderts. Niederdeutsch, Jiddisch, Romani haben ihren Teil dazu gegeben. In Münster sprachen Bewohner in Klein-Muffi rund um die Herz-Jesu-Kirche, der Sonnenstraße, Pluggendorf oder im Kuhviertel Masematte. Einen guten Ruf hatten die Gegenden nicht. Gauner, Säufer, und Diebe sollten dort wohnen, erzählt Schemann, ehemals Lokalchef der WN in Münster. „Tasche, Brink und Ribbergasse – Messerstecher erster Klasse“, zitierte Schemann einen Spruch von damals.

Durch den Zweiten Weltkrieg wurden nicht nur die Viertel zerstört, sondern auch viele der Menschen, die die Sprache lebendig gehalten hatten, umgebracht und soziale Strukturen vernichtet. Heute sind die Gegenden gefragte Wohnviertel und die Sprache ist etwas, worauf Münsteraner stolz sind.

So hat sich Schemann auch die Mühe gemacht und etwa Rotkäppchen in Masematte übersetzt oder den Erlkönig, der seinen Sohn fest im Arm hält, „damit der Koten nicht vom Zossen fällt“.

Manchmal müsse er auch neue Wortschöpfungen kreieren, wenn er etwas erzählen wolle, meinte Schemann. Dann entstehen Worte wie Laberknochen (Telefonhörer), Luftwuddi (Flugzeug) oder Transpanimurmelschuppen für Überwasserkirche.

Nach der Lesung blieben die Zuhörer noch eine ganze Weile in der Buchhandlung, um sich über diese Geheimsprache zu unterhalten.

Leserkommentare

Google-Anzeigen

flohmarkt.ms Anzeigen

Schnäppchen und Angebote aus Ihrer Umgebung

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4615515?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F167%2F