So., 18.06.2017

Aktion des Landvolks Landwirte werben um Verständnis

Vor dem Edeka in Altenberge hatten sich am Samstag Vertreter des LOV, des Landfrauenvereins und der Landjugend postiert, um mit den Verbrauchern ins Gespräch zu kommen.  

Vor dem Edeka in Altenberge hatten sich am Samstag Vertreter des LOV, des Landfrauenvereins und der Landjugend postiert, um mit den Verbrauchern ins Gespräch zu kommen.   Foto: Sigrid Terstegge

Altenberge - 

Um Verständnis für ihre Arbeit warben Vertreter des LOV, des Landfrauenvereins und der Landjugend am Samstag in Altenberge. Vor zwei Supermärkten hatten sie einen Stand aufgebaut, um mit den Verbrauchern ins Gespräch zu kommen. Das Interesse hielt sich allerdings in Grenzen.

Von Sigrid Terstegge

Sie sind ein bisschen wie die beiden Königskinder aus der Volksballade, die zusammen nicht kommen können. Auf der einen Seite die konventionellen Landwirte, auf der anderen die Verbraucher. Um vielleicht etwas Verständnis schaffen zu können, haben bereits im vergangenen Jahr LOV, Landfrauen und Landjugend eine Informationsaktion gestartet. Auch am Samstag hatten die Landwirte einen Stand jeweils vor den beiden Supermärkten aufgebaut.

„Natürlich nervt es, dass wir so ein schlechtes Image haben“, waren sich die Vertreter des Landvolks einig. „Wir müssen uns dauernd verteidigen, und das ist so anstrengend“, bedauerte Christa Kannenbrock. Die Kontaktaufnahme durch die Verbraucher auf dem Marktplatz ließ dann auch ziemlich zu wünschen übrig. „Gibt es hier Kugelschreiber?“, fragte eine vorbeikommende Frau. Ansonsten aber zeigte sie sich nicht sonderlich interessiert an Infos.

Eine andere Passantin nahm gerne die Gelegenheit zum Gespräch wahr. Die Massentierhaltung störe sie. Ob die Anwesenden solche Tierhalter wären? „Ja, wir sind die Bösen“, antwortete Thomas Wichmann mit einem Funken Galgenhumor. Was sie sich denn unter Massentierhaltung vorstelle, fragten die Landwirte. Ob da nicht vielleicht ein falscher Eindruck durch die Medien entstanden sei. Wichmann lud die Bürgerin ein, seine Sauenhaltung und die Ferkel zu besuchen. Gerne ließ diese sich die Karte mit der Telefonnummer geben. „Ich komme dann mit meiner Freundin gucken“, meinte die Frau. Sie hatte auch eine Menge Verständnis für die Landwirte. „Die Bauern müssen auch leben“, stellte sie fest und kritisierte vor allem das System, das die Verbraucher von den Lebensmittelkonzernen „heiß gemacht“ würden, jeden Tag Fleisch haben zu müssen und das auch noch möglichst billig.

Beim Entstehen von multiresistenten Keimen kamen Bauern und der Arzt, der gerade mit seinem Einkauf fertig war, nicht zusammen. Wenn in seine Praxis jemand mit solchen Keimen komme, sei seine erste Frage „Schweine oder Hühner?“ Und oft liege er richtig. Ob das denn nicht an dem freigiebigen Verschreiben von Antibiotika in der Humanmedizin liegen könne, fragten die Viehhalter zurück. Hier beharrten beide Parteien eher auf ihren Standpunkten.

Es wurde auch gefragt, ob die Bauern nicht auf Bio-Produktion umstellen könnten. „Dann kann man drei bis vier Jahre nichts mehr verdienen“, antwortete Kannenbrock. Das könne kaum einer durchhalten, auch wenn es Beihilfen gebe. „Und ist der Markt für Bio wirklich groß genug?“, zweifelte Josef Mormann. Wenn es da genug zu verdienen gäbe, hätten die Bauern doch sicher längst umgestellt, so Mormann.

Auf jeden Fall verteilten die Landwirte Kärtchen mit den Kontaktdaten von Klaus Wend-Erdel, Kümper 123 in Altenberge, Vorsitzender des LOV, der Hofbesichtigungen organisiert und unter Telefon 0 17 04 01 74 01 erreichbar ist.

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