„Fußball und Kultur“ mit Dietrich Schulze-Marmeling
Eine gespaltene Gesellschaft

Altenberge -

In der Reihe „Fußball und Kultur“ referierte Dietrich Schulze-Marmeling über „Nordirland – Fußball. Religion und Politik“.

Mittwoch, 16.05.2018, 19:05 Uhr

Ein fußballinteressiertes Publikum kam am Dienstagabend in der Kulturwerkstatt zusammen. Dietrich Schulze-Marmeling (kl. Foto) referierte über Nordirland.
Ein fußballinteressiertes Publikum kam am Dienstagabend in der Kulturwerkstatt zusammen. Dietrich Schulze-Marmeling (kl. Foto) referierte über Nordirland. Foto: Nix

Nordirland glich besonders in der Zeit von 1969 bis 1998 einem Pulverfass. Dann wurden die blutigen Konflikte durch das sogenannte Karfreitagsabkommen beendet. Harmonie kehrte dennoch nicht ein. Der Autor und Fußballexperte Dietrich Schulze-Marmeling hielt am Dienstagabend in der Kulturwerkstatt einen Vortrag zum Thema „Nordirland – Fußball. Religion und Politik“. Damit stand eine weitere Folge der Veranstaltungsreihe „Fußball & Kultur“ auf dem Programm.

Der Nordirlandkonflikt war und ist ein Identitäts- und Machtkampf. Kontrahenten sind zwei Bevölkerungsgruppen in der nach der Unabhängigkeit der Republik Irland 1920/22 britisch gebliebenen Provinz Nordirland: die Englisch- und schottischstämmigen sowie unionistischen Protestanten sowie die überwiegend irisch-nationalistischen Katholiken. Die Begriffe „Katholisch“ und „Protestantisch“ unterscheiden dabei zwei Gruppen, die in ihren sozialen, politischen, wirtschaftlichen und auch religiösen Vorstellungen nicht übereinstimmen. Das führte zu einer tief gespaltenen Gesellschaft, die bis heute nicht zusammengewachsen ist.

In der schlimmsten Zeit des Konfliktes verübten paramilitärische Kräfte, am bekanntesten ist wohl die Irisch-Republikanische Armee (IRA), viele Anschläge. „Die Zahl der Konflikttoten beläuft sich auf mehr als 3500“, so Schulze-Marmeling. Zahlreiche großformatige Wandbilder in der nordirischen Hauptstadt Belfast halten den Konflikt lebendig, zeigen Kampfszenen und ähnliches.

Der Autor, dessen neues Buch „Celtic – ein ‚irischer‘ Verein in Glasgow“ jetzt erscheint und der einige Zeit in Nordirland lebte, beleuchtete die Fußball-Szene. Er berichtete von Bertie Peacock (1928-2004), den Celtic Glasgow 1949 verpflichtete, der besonders stark in der Defensive war und 1951 in der nordirischen Nationalmannschaft debütierte. Von 1962 bis 1967 trainierte Peacock die nordirische Nationalelf und wurde 1986 auf Grund seiner Verdienste um den Fußballsport zum „Member of the Order of the British Empire“ ernannt.

Auch Patrick O’ Connell, irischer Fußballspieler und Trainer, war ein Thema, ebenso der Belfast Celtic Football Club, der von 1891 bis 1949 in Belfast bestand. Die Leistungen der Spieler waren herausragend. Der Club wurde 14 Mal irischer Meister. Der katholisch dominierte Verein stand neben dem protestantisch geprägten Rivalen Linfield FC an der Spitze der Irish Football-League, verließ diese jedoch, nachdem es bei einem Auswärtsspiel am 26. Dezember 1948, dem „Boxing Day“, zu schweren Ausschreitungen gegen die Celtic-Spieler kam.

Die konfessionsübergreifend geschätzte Fußball-Legende George Best (1946 – 2005) machte sich seinerzeit Hoffnung auf ein friedliches Miteinander und setzte sich für eine gesamtirische Nationalmannschaft ein.

Letztlich gibt es in Irland noch immer eine starke Kluft zwischen den rivalisierenden Parteien. Manche Stadtviertel in Belfast werden noch heute von Protestanten beziehungsweise Katholiken gemieden, weil man immer noch Ressentiments fürchtet. Es gibt Mauern von insgesamt zwölf Kilometern, die beide Konfessionen voneinander trennen.

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