Altenberge

Sa., 03.04.2010

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Die Weberin

Beate Schumacher lebt seit einigen Wochen im Ammenhaus an der Teichstraße. Die Verwaltungsfachwirtin ist zugleich Weberin und zeigt bei einem Tag der offenen Tür im Mai das Haus und ihr Können.Foto: (Uwe Renners)
Von Uwe Renners

Altenberge - Als Katharina Plettendorf 1763 das Licht der Welt erblickte, da wird in der Stube der Familie ein Webstuhl gestanden haben, mit dem die Familie ihren Lebensunterhalt bestritt. Jetzt, gut 250 Jahre später, wird wieder gewebt im Ammenhaus an der Teichstraße. Beate Schuhmacher lebt seit ein paar Wochen in dem geschichtsträchtigen Gebäude, einem der ältesten in Altenberge. „Das Haus lebt, es hat eigene Geräusche und ist alt“, hat die 52-Jährige die Geister schon kennengelernt. Es sind nur gute, ist sie überzeugt. Beate Schuhmacher ist Weberin und kommt aus Baden-Württemberg. „Mehr Baden als Württemberg“, sagt sie. Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Verwaltungsfachwirtin bei der Deutschen Rentenversicherung in Münster. Nach Feierabend wird sie zur Weberin und Künstlerin.

Im Jahr 2000 hat sie nebenberuflich eine Lehre als Weberin absolviert, anschließend sich bei der Handwerkskammer ebenfalls nebenberuflich zur Gestalterin im Handwerk ausbilden lassen. „Es hat mit einem einfachen Webkursus begonnen“, erzählt Schumacher. Und da habe sie es gepackt. „Wenn, dann richtig“, habe sie sich gedacht.

Und irgendwann in den vergangen Monaten schwirrte eine Mail in ihr Computerpostfach. Paul Winz hatte sich, nachdem er direkt neben die Kulturwerkstatt gezogen war, an die Akademie für Gestaltung in Münster gewandt und nach einer Kunsthandwerkerin gesucht, die in das Ammenhaus ziehen möchte. „Das hat sich spannend angehört.“ Schuhmacher griff zum Telefon und zog nach neun Jahren von Münster nach Altenberge.

Heute hat sie im ehemaligen Stall der Familie Plettendorf ihren Webstuhl stehen. In der Stube wäre es zu eng dafür, die Küchen waren damals etwas kleiner als heute und Kühlschrank und Spülmaschine gab es nicht.

„Auch die Produkte sind heute anders als früher“, weiß Beate Schuhmacher. Statt klassischer Aussteuerware kommen bei der 51-Jährigen Seide und Kunstfaser, aber auch Baumwolle und Leinen auf den Webstuhl. Kleine Taschen, individuelle Kissenbezüge, Schals, Tücher, Decken und Plates, die Liste der gewebten Stoffe, die in dem alten Gemäuer entstehen, ist lang. „Dinge, die in der industriellen Produktion nicht zu finden sind“, bringt Schuhmacher es auf den Punkt. „Und meine Küchenhandtücher gehen auch nicht kaputt“, sagt sie und schmunzelt.

Beate Schuhmacher will sich im Ammenhaus nicht einschließen. „Wir werden feste Zeiten zur Besichtigung anbieten“, sagt sie. Auch mit dem Heimatverein steht sie in Kontakt. Der Flohmarktsamstag sei ein guter Termin, um die Tür zu öffnen. Und bei Führungen des Heimatsvereins oder von Dr. Andreas Klute werde sie auch zur Verfügung stehen. Mit Klute sei sie auch schon zusammen auf den Spuren von Annette Droste-Hülshoff unterwegs gewesen, um ihr ein wenig näher zu kommen und die Geschichte des Hauses kennenzulernen.

Zur Maikirmes am 8. und 9. Mai (Samstag und Sonntag) können die Altenberge beim „Tag der offenen Tür“ der Weberin im Weberhaus das erste Mal über die Schulter schauen. „Ich kann mir hier auch Ausstellungen mit anderen Künstlern vorstellen“, sagt Schumacher und reiht sich in die Liste derer ein, die in den vergangenen Jahren dafür gesorgt haben, dass Altenberge ein interessantes Fleckchen bleibt.


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