Do., 01.01.2015

Vierbeiner als Wirtschaftsfaktor Vom Haar-Stylisten bis zur Tier-Urne

Greven - 

Etwa neun Milliarden Euro im Jahr geben die Deutschen für ihre Vierbeiner aus. Auch in Greven verdienen nicht nur die Futtermittel-Händler an Hund und Katz.

Von Thomas Starkmann

Rund 2650 amtlich gemeldete Hunde gibt es in Greven. Dazu geschätzte 1200 Pferde. Wie viele Katzen, Wellensittiche, Guppys, Meerschweinchen und Vogelspinnen in Grevener Wohnungen ein mehr oder weniger artgerechtes Dasein fristen – wer weiß das schon? Alles, was nicht meldepflichtig ist, taucht in amtlichen Statistiken nicht auf. Doch ein Blick in die Regale von Super- und Drogeriemärkten macht deutlich: Haustiere sind ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor. Rund neun Milliarden Euro, so eine aktuelle Studie, geben die Deutschen jährlich für Heimtierbedarf aus.

Die Wertschöpfungskette beginnt beim Erwerb des Haustiers. Wer Hund, Katze oder Meerschweinchen nicht da abholen möchte, wo sie später öfters landen – nämlich im Tierheim – findet im Netz oder in den Kleinanzeigen der Zeitung ein reiches Angebot von Züchtern oder Menschen, die festgestellt haben, dass sie und ihr tierischer Mitbewohner für ein langfristiges Miteinander offenbar nicht geschaffen sind. Aber auch exotische Wünsche können in Greven erfüllt werden. Wer sein Leben mit einer Boa oder einem Phyton teilen möchte, muss nicht in ferne Länder reisen. Ein Grevener Hobbyzüchter mit Wohnsitz in bester Stadtlage bietet auf seiner Website Nachzuchten von Schlangen an, die in freier Wildbahn teilweise ausgestorben sind. Auch wenn alles behördlich genehmigt ist und mit Einwilligung der Nachbarn erfolgt, seinen Namen will der Schlangenzüchter lieber geheim halten. „Es gibt immer Neider oder Menschen mit falsch verstandener Tierliebe.“ Dabei sei die Nachzucht von Schlangen durchaus ein Beitrag zum Artenschutz: „Viele Reptilien stehen vor dem Aussterben, weil die Tiere gefangen und dann verkauft werden.“

Was tun, wenn Hund oder Katze krank sind? An Tierärzten mangelt es in Greven nicht. Acht Adressen, davon zwei in Reckenfeld, ergibt ein Blick in die gelben Seiten, dazu eine Kleintierklinik. Wer statt auf die Schulmedizin lieber auf Bachblüten oder Schüßler-Salze vertraut, wird in Greven ebenfalls fündig.

Viele Krankheiten bei Tieren lassen sich aber im Vorfeld vermeiden. Doris Fadila ist als Tierphysiotherapeutin darauf spezialisiert, Fehler im Bewegungsapparat bei Hunden und Pferden frühzeitig zu erkennen und mit verschiedenen physiotherapeutischen Methoden zu behandeln. Und was ist mit Katzen? „Das habe ich ein Mal versucht, die hat mich gar nicht erst rangelassen. Dann schon lieber einen Bullterrier, da weiß ich, wo ich dran bin.“ Auch Tierpsychologie bietet die Grevenerin an. „Ein umstrittenes Feld, weil es oft mit Esoterik vermischt wird“, sagt sie selbst. Vor allem das manchmal gespannte Verhältnis zwischen Hund und Kind ließe sich aber mit psychologischem Feingefühl einrenken. „Das beruht fast immer auf Fehlinterpretationen.“

Hundeschulen, Tierpensionen, Spezialfutter – all dies trägt zum Wohlbefinden des Haustieren bei und ist in Greven problemlos zu finden. Der treueste Freund des Menschen soll aber nicht nur gesund sein, sondern auch frisurmäßig gut aussehen. Dafür legt beispielsweise in Gimbte Silvia Albertmann die Schere an. Was für „Humanfriseure“ die Kahlköpfe, sind für Hundestylisten „stockhaarige“ Rassen wie der Labrador. „Die gehören nicht gerade zu meinen Kunden“, sagt Silvia Albertmann. Dafür aber Pudel, Chizu und Co. Waschen, legen, föhnen – was kostet das? „Das hängt vom Zeitaufwand ab“, sagt die Hundefriseurin. Und der kann zwischen einem Yorkshire-Terrier und einem Riesenschnauzer durchaus differieren.

Trotz aller Kunst von Tierärzten, Heilpraktikerin oder Tierphysiotherapeuten: Irgendwann heißt es Abschied nehmen von seinem geliebten Hausgenossen. Ist die Bestattung von Nagern und Fischen vergleichsweise problemlos, lässt sich ein Dobermann nicht so einfach im eigenen Garten verscharren – auch wenn es gesetzlich in der Regel erlaubt ist. Einfacher ist es da, eine Urne mit der Asche seines vierbeinigen Gefährten im Erdreich zu versenken.

In solchen Fällen sind die professionellen Dienste eines Tierbestatters nützlich. Einen solchen gibt es in Greven bislang nicht, aber Emsdetten ist ja nicht weit weg. Und auch bis zum nächsten Kleintierfriedhof ist es keine Tagesreise. In Münster-Handorf finden Hunde und Katzen die letzte Ruhe.

Leserkommentare

Google-Anzeigen
Anzeige

flohmarkt.ms Anzeigen

Schnäppchen und Angebote aus Ihrer Umgebung



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2973786?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F