So., 04.01.2015

Aron Thiessen feiert 90. Geburtstag Zwei Vaterländer

Rüstiges Geburtstagskind: Neben Ehefrau Maria und den beiden Töchtern Maria und Valentina, vier Enkeln und zwei Urenkeln gratulierte Christa Waschkowitz-Biggeleben als stellvertretende Bürgermeisterin im Namen der Stadt.

Rüstiges Geburtstagskind: Neben Ehefrau Maria und den beiden Töchtern Maria und Valentina, vier Enkeln und zwei Urenkeln gratulierte Christa Waschkowitz-Biggeleben als stellvertretende Bürgermeisterin im Namen der Stadt. Foto: mvb

Greven - 

Aron Thiessen hat wie so viele seiner Generation Geschichte nicht nur erlebt, sondern erlitten. Am Samstag wurde der Grevener, der im Ural geboren ist, 90 Jahre alt.

Von Maximilian von den Benken

Weltkrieg, Arbeitslager, Verschleppung, Kalter Krieg, Übersiedlung nach Greven – Aron Thiessen gehört zu einer Generation, die viel erlebt und erlitten, die Geschichte mitgeschrieben hat. Am Samstag hat er seinen 90. Geburtstag gefeiert. Seit mehr als 21 Jahren ist Thiessen gemeinsam mit Ehefrau Maria an der Martinistraße 53 heimisch.

Ursprünglich kommt Aron Thiessen aus dem russischen Südural. Doch bereits im jungen Alter von 17 Jahren musste Thiessen in ein Arbeitslager nahe der Stadt Korkino. Hintergrund waren der Zweite Weltkrieg sowie Thiessens deutsche Abstammung. Die russlanddeutsche Minderheit wurde unter Stalins Macht seit Anfang der 1930er Jahre als „innerer Feind“ betrachtet und massiv unterdrückt. „Die Regierung hatte Angst, dass solche Bürger auf die deutsche Seite wechseln“, erklärt Thiessens Ehefrau Maria. Mit 40 000 anderen Männern war der Russlanddeutsche Thiessen bis 1945 inhaftiert, unter schwierigsten Bedingungen. Nach Kriegsende wurde Thiessen dann nach Tscheljabinsk verschleppt.

Der Krieg zwischen Deutschland und Russland hatte auch die Folge, dass die deutsche Sprache – Thiessen lernte sieben Jahre lang in der Schule Deutsch – verboten wurde. Außerdem durfte Maria 1951 bei der Hochzeit nicht den Nachnamen ihres Mannes annehmen und trägt daher bis heute ihren Geburtsnamen Balcer. Denn auch nach Kriegsende ging die Diskriminierung weiter. So bekam das Ehepaar bis 1956 die sogenannte Kommandantur mit strengen Meldepflichten am eigenen Leib zu spüren. „Wir mussten uns zweimal im Monat bei der Stadt melden.“ Bis zur Übersiedlung nach Deutschland 1993 blieben die beiden in der Stadt am Ural.

Auch an seinem 90. Geburtstag kommen bei Aron Thiessen bei der Erinnerung die Emotionen hoch. Er hat ein großes Interesse an Geschichte. Der gelernte Schlosser arbeitete später auf Baustellen vor allem als Zimmermann. „Das war sein Hobby“, so Tochter Valentina. In Greven arbeitete Thiessen noch lange Jahre bei der Firma Heitkötter.

Auch heute noch haben der nun 90-Jährige und seine Ehefrau ein Stück Garten in der Wöstenstraße. „Wir gehen da noch bis heute zu Fuß hin, aber mit dem Rollator“, sagt Thiessen und lacht.

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