Die Pünte, der Orden und ich
Mi., 22.02.2012
Karneval feiern die Leute auch anderswo – aber ein Püntenmariechen gibt es nur in Greven
Der Stadtprinz Stefan II. überreicht einen Orden, das Püntenmariechen freut sich mit.
Greven -
Hallo, ich bin die Neue.“ Diesen Satz hat WN-Redakteurin Barbara Maas in den vergangenen drei Monaten gefühlte 1000 Mal gesagt. Und ein paar Mal werden wohl auch noch dazukommen. Von kleinen Kulturschocks, großen Fragezeichen und ihren Erlebnissen im Emsstadt-Dschungel erzählt sie in einer neuen Serie. Heute: Der Karneval.
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Seit Aschermittwoch – also gestern – ist ja alles vorbei. Zum Beispiel meine erste Karnevalssession in Greven. Stimmt: Karneval feiern die Leute auch anderswo. „Echte Fründe“, „Heute fährt die 18 bis nach Istanbul“, „Schatzi, schenk mir ein Foto“ – kenn‘ ich. Schon 1000 Mal gehört, gesungen und durchgeschunkelt. Der dazugehörige Prinz erkämpft sich in vielen Städten die Macht über das Rathaus, mit Schlüssel, Schnick und Schnack. Das ist kalter Karnevalskaffee. Aber ein Püntenmariechen, das gibt es nur hier.
„Ein . . . was?“ war deshalb auch meine erste Reaktion, als das Fremdwort zum ersten Mal fiel. Staunende Augen, das Gesicht ein einziges Fragezeichen. Das „Mariechen“ führte mich schon mal auf die sichere Fährte ins Karnevalland. Aber was bitte ist eine Pünte? Ach so, dann verkleidet sich eine Frau als Wappenschiff der Emsstadt? Irgendwie wenig schmeichelhaft. Und wieso rätselt eine ganze Stadt wochenlang, wer denn jetzt letztendlich den blauen Dreispitz mit weißem Puschelrand tragen darf?
Fragen über Fragen – die aber in der Bedeutungslosigkeit versinken, wenn die Brass-Band der KG Emspünte spielt und die schönste Marie des Grevener Karnevals an der Seite des Stadtprinzen freundlich den Massen zuwinkt. Denn dann winkt sie auch mir. Und wenn in London die Queen aus ihrer Kutsche oder von ihrem Balkon am Buckingham-Palast winkt, frage ich ja schließlich auch nicht: Warum tut sie das? Nein, dann wird vom Straßenrand oder Palastzaun aus gejubelt, bis die Stimme versagt und die Arme ganz lahm werden.
Überhaupt bin ich jetzt auf ewig dem Grevener Karneval verpflichtet, und zwar nicht nur dem Püntenmariechen. Mit gleich zwei Karnevalsorden wurde ich geehrt – überreicht vom Stadtprinzen Stefan II. und vom CCFfL-Buurn Andreas I. Das fühlt sich fast ein bisschen an wie ein Ritterschlag durch die Queen. Vielleicht sollte ich mal Sir Elton John und Sir Mick Jagger fragen, wie die das so erlebt haben.
Wahrscheinlich wäre ich in einer Monarchie eine Bilderbuch-Untertanin: vollkommen unkritisch und adelstreu. Irgendwie macht mich das nachdenklich, schließlich bin ich im Herzen eine glühende Verfechterin der Republik. Spätestens wieder seit Aschermittwoch.
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