Erfolg wird zum Problem

Do., 02.02.2012

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Zahl der OGS-Anmeldungen übersteigt das Angebot / Verwaltung fordert „Richtungsentscheidung“

Erfolg wird zum Problem : Zahl der OGS-Anmeldungen übersteigt das Angebot / Verwaltung fordert „Richtungsentscheidung“

In vielen Grevener Grundschulen geht die Ausweitung des OGS-Angebotes auf Kosten des regulären Schulbetriebs. Mehrzweckräume stehen nicht mehr zur Verfügung, Fachräume werden umgewidmet. Foto: dpa

Greven - 

Die Offene Ganztagsschule in den Grevener Grundschulen – sie ist ein Erfolgsmodell. Und genau das wird ihr nun zum Verhängnis, denn die Eltern rennen der OGS die Türen ein. Sie platzt mittlerweile aus allen Nähten – Stadtverwaltung und Politik suchen noch nach einer Antwort.

Von Oliver Hengst

Soll man die Zahl der Plätze auf jetzigem Niveau (459) einfrieren? Wie erklärt man das den Eltern, die ihre Kinder dann nicht mehr in der OGS unterkriegen? Soll man behelfsweise Räume anmieten, vielleicht sogar an den Grundschulen anbauen? Von welchem Geld? Fragen über Fragen, die sich auf den Tischen im Ratssaal des Rathauses förmlich türmten, als sich dort am Mittwoch der Schulausschuss eben jenes Themas annahm.

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Fakt ist: Im derzeitigen baulichen Bestand der fünf Grevener Grundschulen ist das Raumpotenzial erschöpft. Immer mehr Platz nimmt die OGS in Anspruch – was in vielen Fällen zu Lasten des normalen Schulbetriebes geht. Doch weitere Räume durch Anbauten schaffen – dafür ist Greven schlicht zu knapp bei Kasse. Auch wenn die langfristigen Prognosen von einem Betreuungsbedarf von rund 700 Plätzen ausgehen.

Zum Vergleich: Im Jahr 2005 gab es in Greven gerade mal 205 Plätze. Aktuell liegen über 500 Bewerbungen vor. Zur Verfügung stehen aber „nur“ 459 Plätze. Das entspricht rund 31 Prozent der Grundschüler, rechnete Frank Hänel vom städtischen Fachbereich Schulen im Ausschuss vor. Im Umland sei dies „ein absoluter Spitzenwert“. Bürgermeister Peter Vennemeyer (SPD) bilanzierte durchaus stolz: Wir sind die einzige Kommune im Kreis, die über 30 Prozent erreicht. Wir sind mit dieser Versorgungsquote schon ziemlich weit vorn. Dass sie dennoch nicht optimal ist, ist klar.“

Bislang, so Hänel, habe man das Angebot stets der wachsenden Frage angepasst. Doch inzwischen sei eine Grenze erreicht, an der eine „Richtungsentscheidung, wohin wir mit der OGS wollen“ nötig sei. Geht man tatsächlich von langfristig 700 benötigten Plätzen aus, ergebe sich ein Fehlbedarf von rund 240 Plätzen. Das entspreche rein rechnerisch einem kompletten Grundschulgebäude, verdeutlichte Hänel den theoretischen Investitionsbedarf.

Über den Vorschlag der Verwaltung, die Zahl der Plätze zu deckeln und die Berufstätigkeit der Eltern zum alleinigen Kriterium für den Zuschlag zu machen, wurde nicht abgestimmt – auch weil damit zahlreiche Kinder mit besonderem Betreuungsbedarf (etwa aus Migrantenfamilien) durchs Raster zu fallen drohen. Und was ist mit Eltern, die Angehörige pflegen und daher Entlastung in Form eines OGS-Platzes für den Nachwuchs benötigen? Auch diese Frage soll bis zu nächsten Ausschusssitzung im März nochmal überdacht werden. Klar ist nur, dass es im kommenden Schuljahr erneut behelfsweise 45 Betreuungsplätze bis 13 Uhr geben wird.

Dass sich Greven große Investitionen kaum leisten kann, stand im Ausschuss kaum zur Diskussion. Wohl aber die Idee, mittelfristig auf gebundene Ganztagsgrundschulen zu setzen, die Unterricht auch am Nachmittag vorsehen. Ausnahmslos alle Grundschulleiter sprachen sich dafür aus. Marion Birgoleit (Martin-Luther-Schule) ist überzeugt: „Der Weg geht dahin, und das muss er auch.“ Marita Lödde-Wilken (Marien-Grundschule): „Die Eltern müssen es wollen. Richtig finde ich es allemal.“

Einig war man sich aber auch darin: Der – pädagogisch sehr gewünschte – gebundene Ganztag im Grundschulbereich wird die OGS-Raumnot nicht vom Tisch wischen, sondern ihn allenfalls abmildern. Josef Berkenheide (Josefschule): „Wir dürfen uns nichts vor machen. Das löst die Probleme nicht.“


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