Fasten
Mi., 22.02.2012
„Große Vorsätze machen miesepetrig“
Grünkohl, Wurst und Bier – viele nutzen die Fastenzeit, auf Fettes, auf Alkohol oder Süßes zu verzichten.
Greven -
Erst feiern, dann fasten: Das Prinzip hat in katholischen Gegenden wie Westfalen eine jahrhundertelange Tradition. Gilt das auch heute noch? Die WN fragten nach.
|
|
Erst feiern, dann fasten: Das Prinzip hat in katholischen Gegenden wie Westfalen eine jahrhundertelange Tradition – die in ihrer Abstinenz auch mal schlechte Laune machen kann. Pfarrer Klaus Lunemann kann sich noch an Fastenzeiten in seiner Kindheit erinnern: „Wochenlang habe ich mir alles an Süßigkeiten verkniffen und dann an Ostern alles auf einmal gegessen, bis ich Bauchschmerzen hatte.“ Heute sieht er das ein bisschen anders. „Oft braucht es keine ganz großen Vorsätze, die machen nur miesepetrig.“
Er selbst will zwar auf Alkohol und andere Genussmittel verzichten. Aber: „Fasten ist nicht Selbstzweck. Es ist eine Zeit, um neu zu sich selbst und zu den anderen zu finden.“ Es gehe um Fragen wie: „Was macht mein Leben aus? Lasse ich mich treiben oder nehme ich mein Leben in die Hand? Wo muss ich vielleicht etwas korrigieren?“
Ob ein Kürzertreten zum Wohle der Gesundheit, ein Verzicht auf Fernsehen, Videospiele oder Alkohol oder einfach nur ein Innehalten: „Hilfreich ist, wenn man diese Dinge nicht alleine macht“, sagt Lunemann. Dafür sei die Fastenzeit in der Gemeinde gut. „Der Islam kennt ja zum Beispiel auch den Fastenmonat Ramadan. Das ist zwar eine andere Form des Fastens, aber es geht auch um eine religiöse Vertiefung.“
Noch jemand, der sich beruflich mit dem Fasten auskennt, ist der Heilpraktiker und Physiotherapeut André Cech. Dabei gebe es Unterschiede, sagt er: „Beim normalen Fasten ist das Hauptziel, möglichst viel auf Zucker und Fette zu verzichten und diese durch Kohlenhydrate wie Kartoffeln, Reis oder Nudeln zu ersetzten. Der Körper braucht nun Proteine, Vitamine und vor allem Flüssigkeit.“ Die Kostumstellung habe natürlich gesundheitliche Folgen. „Durch Unterzuckerung kann es zu Schwindel kommen, Traubenzucker kann helfen.“ Wenn es so weit kommt, habe man es aber übertrieben.
Beim Heilfasten hingegen reduziert man seine Ernährung ausschließlich auf Flüssigkeit, wie verdünnte Obstsäfte. „Diese Art des Fastens ist für den Körper sehr anstrengend und sollte nur unter medizinischer Kontrolle stattfinden, bei der regelmäßig Puls und Blutdruck gemessen wird“, sagt Cech. Länger als zehn Tage sollte man aber nicht auf diese Art fasten, rät er. „Der Körper ist nach der Prozedur gereinigt.“ Generell fühle man sich nach durchgehaltenem Fasten wieder besser.
Das hat auch Pfarrer Lunemann erlebt – und Heilfasten selbst einmal ausprobiert. „Danach schmeckt ein einfaches Stück Apfel ganz anders, viel intensiver“, findet er.
Standort
|
|
Inserieren
WN-Immo Anzeigen
Wohnungen, Häuser, Grundstücke und gewerbliche Immobilien aus Ihrer Region
