Fr., 16.11.2012

Paulsen: „Habe gezeigt, was ich drauf habe“ Friedrich Paulsen zum Versuch, Bundestagskandidat zu werden

Paulsen: „Habe gezeigt, was ich drauf habe“ : Friedrich Paulsen zum Versuch, Bundestagskandidat zu werden

Der Grevener Friedrich Paulsen wollte SPD-Bundestagskandidat werden, erhielt aber deutlich weniger Stimmen als erhofft. „Eine Enttäuschung“, sagt er offen. Foto: oh

Trotz deutlicher Abstimmungsniederlage bedauert er nicht, angetreten zu sein. „Es war wichtig, eine Alternative aufzuzeigen“, sagt Friedrich Paulsen. Der Grevener hatte sich in der SPD darum beworben, Bundestagskandidat im Wahlkreis Steinfurt III (129) zu werden, das Unterfangen war gegen Reinhold Hemker und Jürgen Coße allerdings aussichtslos. „Das sind Dinge, die man in der Politik aushalten muss“, so Paulsen. Im Interview erläuterte der 28-Jährige WN-Redakteur Oliver Hengst, was ihn motiviert, ein politisches Amt anzustreben.

Haben Sie die Enttäuschung über die Niederlage verwunden?

Friedrich Paulsen : Niederlagen sind nicht die Kämpfe, die man verliert, sondern die, in denen man gar nicht erst antritt. Wenn ich es nicht versucht hätte, würde ich es sicher auch bereuen. Natürlich bin ich enttäuscht. Da kann man nicht drumherumreden. Ich habe im ersten Wahlgang zwölf von 57 Stimmen bekommen. Das ist viel weniger, als ich mir erhofft hatte. Ich habe aber auch wahrgenommen, dass meine Rede in Mettingen gut angenommen worden ist. Viele haben mir gratuliert – aber mich eben nicht gewählt. Da muss ich mir natürlich die Frage stellen, woran das gelegen hat.

Haben Sie schon eine Antwort gefunden?

Paulsen: Ich bin manchmal vielleicht etwas naiv, wenn ich glaube, das politische Inhalte, Überzeugung, das wofür man brennt, der einzige ausschlaggebende Grund dafür sind, dass man ins Rennen geschickt wird. Davon war ich eigentlich überzeugt, das hat aber nicht gegriffen, wie man gesehen hat. Man hat ja schon in Greven gesehen: Es gab einige, die große Sympathien für Reinhold Hemker haben. Das liegt an der Verbundenheit mit ihm, an seinem Bekanntheitsgrad. Und Sie wissen auch, dass beim Mitbewerber Jürgen Coße das Argument genannt wurde: Das ist unser Vorsitzender, den darf man nicht bloß stellen. Das waren Argumente, die mir nicht so präsent waren, weil ich ein anderes Demokratieverständnis habe. Eines, das nicht von so einer Formalreputation ausgeht, sondern das eher auf Inhalte setzt. Da muss man klar sagen: Das habe ich sicher unterschätzt.

Für mehr Aussicht auf Erfolg hätte es zumindest einer geschlossenen Unterstützung aus Greven bedurft. Wie erklären Sie sich, dass es die nicht gab?

Paulsen: Alle Ortsvereine haben völlig unterschiedlich abgestimmt. Das nur auf Greven runterzubrechen, entspricht nicht der Realität. Es hat beispielsweise aus Emsdetten, Ibbenbüren und Tecklenburg Stimmen für mich gegeben. Dieses uneinheitliche Abstimmungsverhalten ist ganz normal. Zur Demokratie gehört, dass eine Partei das aushalten kann.

Reinhold Hemker gilt als ihr politischer Ziehvater. Hat ihre Kandidatur gegen ihn zum Bruch zwischen Ihnen geführt?

Paulsen: Also: Reinhold hat nochmal alles auf diese eine Karte gesetzt, in den Bundestag zu kommen. Ich hatte nicht geglaubt, dass er so vehement für seine Position eintreten würde. Das mit dem Ziehvater – was heißt das eigentlich? Das man nicht eines Tages aufstehen kann, um selber anzutreten? Ich habe mit Reinhold viel gearbeitet und viel von ihm gelernt. Unter anderem, dass man im entscheidenden Moment sein Ding durchziehen sollte. Ob das ein Bruch ist? Ich persönlich habe nicht darunter gelitten, dass ich gegen ihn angetreten bin, weil ich meine Kandidatur für hundertprozentig berechtigt gehalten habe und mich auf der anderen Seite gefragt habe, was seine Motivation ist, ein weitere Mal Mitglied des Bundestages zu werden. Reinhold hat mir in der Vergangenheit des Öfteren den Rücken gestärkt. Nur jetzt, wo es ans Eingemachte ging, hat auch er sein Ding durchgezogen.

Wie wird sich die Zusammenarbeit mit Jürgen Coßé gestalten?

Paulsen: Jürgen Coße hat ihm Wahlkampf meine Unterstützung. Mit ihm arbeite ich schon seit vielen Jahren zusammen. Ich denke, dass es eine besondere Herausforderung für ihn wird, auch außerhalb der Partei Verbindungen zu knüpfen und deutlich zu machen, dass er nicht nur die SPD , sondern auch die Menschen hinter sich versammeln kann. Bei dieser Herausforderung werde ich mitwirken und das, was ich kann, einbringen.

Ist Steinbrück der richtige Kandidat?

Paulsen: Ja. Ich halte Peer Steinbrück für einen kompetenten Bewerber, der Angela Merkel auch rhetorisch Paroli bieten kann. Er ist sicherlich gut beraten, sich den sozialen Themen mehr anzunehmen und für diese zu werben. Etwa: Soziale Berufe – das ist ein Bereich, dem es immer noch an gesellschaftlicher Anerkennung fehlt.

Sie werden nächstes Jahr am Wahlkampfstand die Redehonorare Steinbrücks rechtfertigen müssen. Wie soll das gelingen?

Paulsen (nach langer Pause): Ich glaube, dass da tatsächlich einiges aus den Fugen geraten ist. Auch im Sport, im Fernsehen und in Vorständen gibt es überbezahlte Kräfte. Das Dax-Vorstandsmitglied verdient heute 40 Mal so viel wie 1980. Im Fall Steinbrücks fällt die Rechtfertigung unglaublich schwer, weil die Politik nur glaubwürdig ist, wenn das, was die Menschen sehen und fühlen, und das, was man ihnen sagt, in Einklang ist. Da ich jetzt kein Kandidat bin, kann ich sagen: Das wird verdammt schwierig. Ich halte ihn dennoch für geeignet. Wir brauchen gutes Personal und müssen akzeptieren, dass dieses gut bezahlt wird.

Sie scheinen ein politisches Amt, einen Parlamentssitz anzustreben. Bislang erfolglos. Wie geht es weiter?

Paulsen: Was ich weiß ist, dass man das nicht von vorne bis hinter durchplanen kann. Weil ich ein politischer Mensch bin, bin ich in der Tat daran interessiert, dahin zu gehen, wo über die Zukunft unsere Gesellschaft geredet und entschieden wird. Da möchte ich mitmachen, das ist mein Wunsch. Ich habe mit meiner Kandidatur gezeigt, dass ich dazu bereit bin und auch, dass ich das kann. Ich fühle mich auch nicht als komplett gescheitert. Ich habe in allen Ortsvereinen des östlichen Kreises gezeigt, was ich drauf habe. Das ist schon mal ein Schritt in die Zukunft. Ich bin ja immerhin angetreten gegen den Unterbezirksvorsitzenden und gegen ein langjähriges politisches Schwergewicht, das nach wie vor hohe Anerkennung genießt. Das wäre schon eine Sensation gewesen, wenn das geklappt hätte.

Es gibt Vorbehalte gegenüber Volksvertretern, die von der Uni in die Politik gehen, ohne je „richtig“ gearbeitet zu haben . . .

Paulsen: Ich glaube, dass wir junge Menschen in der Politik und in Parlamenten brauchen, weil sie junge Themen dorthintragen. Berufseinstieg, Praktika, Suche nach einem Kita-Platz – das sind Themen, die wir junge Menschen am besten selbst vertreten können. Zudem müssen wir die Solidarsysteme stärken. Spahn, Bahr, Rösler tun nichts anderes, als diese Systeme kaputt zu hauen. Ich würde gerne als junger Mann in den Bundestag gehen, um dort zu sagen: So nicht, das ist unsere Zukunft. Und: Man muss nicht in der Pfanne gelegen haben um zu wissen, wie man ein Schnitzel brät. Das Wissen und Handwerkszeug, dass ich mir in der Uni erworben habe, ist kein Quatsch. Das würde ich gerne einbringen. Ich habe großen Respekt vor allen, die auf dem Bau, im Schacht oder im Pflegeheim arbeiten. Diese Menschen brauchen eine Stimme, dafür setzte ich mich ein.

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