Fr., 19.06.2015

Infoabend Organspende Ängste und Vorbehalte

Die angehenden Medizinerinnen Vanessa Beyer (Zweite von rechts) und Christina Neumann (links daneben) berichteten über Organspende aus medizinischer Sicht.

Die angehenden Medizinerinnen Vanessa Beyer (Zweite von rechts) und Christina Neumann (links daneben) berichteten über Organspende aus medizinischer Sicht. Foto: ros

Reckenfeld - 

Nur sehr schlecht besucht war ein Informationsabend im Haus Marienfried zum Thema Organspende. Über das Tabu-Thema Tod nachzudenken, macht vielen Menschen offenbar noch immer Angst. Dabei wäre eine Auseinandersetzung wichtig – denn jeder kann in die Situation kommen, auf eine Organspende angewiesen zu sein.

Von Rosi Bechtel

Ist es ein Tabuthema quer durch die Bevölkerungsschichten? Spricht man erst dann darüber, wenn man selbst betroffen ist? Wie sonst ist zu erklären, dass an einem Informationsabend im Haus Marienfried zum Thema Organspende nur so wenige Interessenten teilnahmen? „Es wurde oft genug auf diese Veranstaltung hingewiesen“, erklärte ein Grevener, der selbst auf ein Spenderorgan wartet und erstaunt über die geringe Resonanz war.

Welche Ängste Menschen davon abhalten, sich einen Organspenderausweis zuzulegen, erklärten die beiden angehenden Medizinerinnen Christina Neumann und Vanessa Beyer . In einer Umfrage wurden Skandale bei der Organvergabe genannt, aber auch die Sorge, dass man Patienten mit Organspenderausweis sterben lasse, um transplantieren zu können. Zudem sorgen sich viele Menschen, „nicht richtig tot zu sein“, wenn die Organe entnommen werden.

Wie die Mediziner erläuterten, gilt der Hirntod als naturwissenschaftlich-medizinischer Tod. Verständlich erklärten die beiden Frauen, was erforderlich ist, damit der Hirntod bestätigt werde. Nach strengen Richtlinien prüfen zwei vom „Vorgang“ unabhängige Ärzte den Hirntod. Wird nur eine einzige Reaktion festgestellt, die darauf hinweist, dass der Hirntod nicht eingetreten ist, werden die Geräte nicht abgeschaltet.

Dennoch konstatieren sie eine zurückhaltende Organspenderbereitschaft. Hinzu komme, dass Krankenhäuser oft Hirntote mit Spenderausweis gar nicht melden. Auch hier zeige sich die Arbeitsüberlastung des Ärzte-und Pflegepersonals. „Organspenden sind viel zu bürokratisch. Der zusätzliche Aufwand ist auf Intensivstationen kaum machbar“, erklärte Vanessa Beyer. Das Zeitfenster sei knapp.

Diese Bürokratie sei Schuld daran, dass Organe hirntoter Organspender nicht entnommen wurden, wusste Wolfgang Ludwig aus Münster , der seit 25 Jahren mit einem Spenderorgan lebt und sich für transplantierte Kinder und deren Familien einsetzt. „Die aktuelle Situation ist schwierig. Was das Gesetz aktuell vorgibt, reicht nicht aus“, bemängelt auch Dr. Reinhold Hemker, der hier Änderungen „die zurzeit niemand anpackt“ anstrebt. „Die Transplantationsgesetzte sind nicht mit Leben gefüllt“. Die Ethikkommission tue sich schwer.

Wichtig ist, dass potenzielle Organspender einen Ausweis haben und sich darüber im Vorfeld mit ihren Angehörigen austauschen. „Wir finden es unverantwortlich, wenn Angehörige in einer Extremsituation eine Entscheidung für oder gegen Organentnahme treffen sollen. Jeder sollte das im Vorfeld in einer Patientenverfügung, in der auch stehen muss, dass man Organspender ist, regeln“, so die angehenden Mediziner.

Noch schwieriger ist die Situation für Kinder, die ein Spenderorgan von einem Kind benötigen. Über diese Situation mag niemand nachdenken. „Wir brauchen viel mehr Aufklärungsarbeit in Verbindung mit den Medien und Gesetzesänderungen“, war das Fazit des Abends.

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