Sa., 17.09.2016

Unterkunft Wentruper Mark fertig Zahl der Flüchtlinge sinkt deutlich

 

  Foto: Monika Gerharz

Greven - 

Greven kann erstmal durchatmen: Die Zahl der Flüchtlinge in Greven ist in den vergangenen neun Monaten von 800 auf 600 zurück gegangen. Neue Unterkünfte machen es zudem möglich, Provisorien wieder aufzugeben.

Von Monika Gerharz

Die Lage entspannt sich, aber die Verwaltung bleibt vorsichtig: „Wenn das Abkommen mit der Türkei hält, werden wir keine Neuzuweisungen an Asylsuchenden bekommen“, sagte Beate Tenhaken , in der Grevener Verwaltung zuständig für Flüchtlingsfragen, am Donnerstag im Sozialausschuss. „Aber wenn es platzt, gibt es nochmals eine richtig große Welle.“ Aus diesem Grund hält die Stadt Notunterkünfte in Reserve.

Zur Lage: Die Zahl der Flüchtlinge in Greven ist in den vergangenen neun Monaten von 800 auf 600 zurück gegangen. Der Grund dafür sind einerseits Ausreisen – allein im vergangenen Quartal haben 25 Menschen Greven freiwillig oder unter Zwang verlassen. Andererseits werden Flüchtlinge anerkannt und können sich – theoretisch – auf dem freien Wohnungsmarkt eine Bleibe suchen. Doch das gestaltet sich fast unmöglich. „Wenn wir diese Menschen nicht mehr in unseren Unterkünften wohnen ließen, würden wir Obdachlosigkeit produzieren“, sagte Tenhaken. Darum wird natürlich kein anerkannter Flüchtling aus seiner Unterkunft geworfen. Im Ausschuss wurde angesichts dieser Situation darauf gedrängt, dass sich die Stadt intensiv Gedanken darüber macht, wie der soziale Wohnungsbau angekurbelt werden kann, denn die Containerdörfer dürften nicht zum dauerhaften Ghetto werden. „Für die Not ist das in Ordnung“, sagte etwa Ernst Reiling von Reckenfeld direkt. „Aber wenn es keinen Wandel in der Wohnungspolitik gibt, sehe ich schwarz.“

Beate Tenhaken deutete an, dass sich die Verwaltung des Problems bewusst sei. Darum gebe es konkrete Überlegungen, die auf Dauer angelegten Flüchtlingsunterkünfte wie die Doppelhäuser und die geplanten Mehrfamilienhäuser dem sozialen Wohnungsmarkt zur Verfügung zu stellen, sollte die Situation so entspannt bleiben wie derzeit. Tenhaken erhofft sich, dass der neue Wohnungslotse, der demnächst mit 20 Stunden auf dem freien Markt nach geeigneten Angeboten suchen soll, weitere Entlastung bringt. „Und man sollte auch über die Presse Eigentümer dazu aufrufen, Wohnungen zur Verfügung zu stellen“, sagte Christa Waschkowitz-Biggeleben (CDU).

Unter dem Strich jedenfalls zeigte sich der Sozialausschuss mit der Arbeit der Verwaltung sehr zufrieden. Die Unterbringung Asylsuchender hat sich entspannt, alle Kinder über drei Jahre haben einen Kita-Platz. In den nächsten Monaten soll ein Integrationskonzept unter Beteiligung von Flüchtlingen erarbeitet werden, über die Einrichtung eines Flüchtlingsrates wird beraten. Es wurden Beratungs- und Sozialarbeiterstellen bei der Stadt und bei den Freien Trägern geschaffen. Thomas Hudalla (Linke), der die Sitzung leitete, sagte unter dem Applaus des Ausschusses an die Vertreter der Verwaltung gewandt: „Vor einem Jahr saßen wir hier mit Ohnmachtsgefühlen. Aber letztendlich haben wir es hingekriegt – weil Sie ungeheuer malocht haben. Dafür ganz herzlichen Dank.“ 

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