Burkhard Becker ist Wünschelrutengänger
Mit Homöopathie gegen Erdstrahlen

Reckenfeld -

Manche schwören auf die Methode, andere halten sie für Humbug: Die Wünschelrutengängerei. Burkhard Becker aus Reckenfeld kennt sich damit aus.

Samstag, 31.12.2016, 17:12 Uhr

Burkhard Becker ist Wünschelrutengänger : Mit Homöopathie gegen Erdstrahlen
Foto: Monika Gerharz

Er weiß, dass er ein Grenzgänger ist. „Passen Sie auf bei der Formulierung, manche Menschen glauben schnell, man ist ein Esoteriker“, warnt Burkhard Becker . Denn der Reckenfelder sucht mit Wünschelruten nach Erdstrahlen , verursacht von Wasseradern oder geologischen Verwerfungen – und „behandelt“ sie mit Homöopathie .

Eigentlich wirkt Becker ziemlich bodenständig, wohnt in einem hübschen Haus aus den 40er Jahren an der Steinfurter Straße , ein gemütlicher Norwegerofen verbreitet bürgerliche Behaglichkeit. Allenfalls eine kleine Mauer im Vorgarten, anscheinend funktionslos, schräg gesetzt und ungewöhnlich geschichtet, weckt die Aufmerksamkeit. „Ein Mittel, um Erdstrahlen umzulenken“, erläutert Becker.

Talentierter Wasserguru

Daran, dass es Erdstrahlung gibt, die sensible Menschen erspüren können, hat Becker eigentlich nie gezweifelt. „Meine Mutter konnte es, mein Schwiegervater konnte es.“ Er selbst hat sich um das Thema erst gekümmert, als er in den 80er Jahren eine chronische Hautkrankheit bekam, gegen die nichts half. „Da bin ich auf das Thema Erdstrahlen gestoßen.“ Becker hatte mit einfachen Maßnahmen Erfolg – und aus dem privaten Interesse ist, nach vielen Kursen bei verschiedenen Vereinen und Instituten, ein Beruf geworden.

„Ich bin sozusagen Wünschelruten-Meister“, lacht Becker, wenn er auf seine vielen Fortbildungen zurückschaut, auch wenn sein Metier natürlich kein Beruf ist, den man in der Handwerksrolle findet. In der Szene gilt er als talentierter „Wasserguru“. Er könne, sagt er, nicht nur Wasser finden, sondern auch bestimmen, wie tief die Ader liege, wie mächtig sie sei. Seine empfindliche H3-Antenne, High-Tec in der Wünschelrutenbranche und Messinstrument zum Aufspüren verschiedenster Strahlung bis hin zum Elektro-Smog, erlaube entsprechende Aufschlüsse. Die Nachfrage nach diesen Diensten sind häufig. Viele Aufträge kommen aus der Landwirtschaft, wenn Wasser gebraucht wird. Aber auch Ställe misst er aus. „Schweine und Pferde sind supersensible Strahlenflüchter.“ Selbst das Rathaus in Hörstel und verschiedene Altenheime der Caritas hat er vermessen und Hinweise gegeben – etwa, dass Betten umgestellt, Arbeitsplätze anders angeordnet werden sollten.

High-Tec für Wünschelrutengänger:  Die H3-Antenne beruht auf einer Konstruktion des österreichischen Physiker Ernst Lecher und soll dabei helfen, Strahlungen aller Art festzustellen – angeblich von magnetischer bis spiritueller Strahlung.

High-Tec für Wünschelrutengänger: Die H3-Antenne beruht auf einer Konstruktion des österreichischen Physiker Ernst Lecher und soll dabei helfen, Strahlungen aller Art festzustellen – angeblich von magnetischer bis spiritueller Strahlung. Foto: Monika Gerharz

Alte Erfahrungswissenschaft

Bis hierher werden dem Reckenfelder viele Bürger folgen, auch wenn die meisten Wissenschaftler die Radiästhesie, wie die Lehre von Strahlenwirkungen auf Organismen wissenschaftlich heißt, misstrauisch beäugen. Schließlich ist sie eine alte Erfahrungswissenschaft, die seit dem Spätmittelalter in Europa dokumentiert ist. Aber was für manchen doch schwer zu glauben sein mag, ist der Umstand, dass Becker Wasseradern gerne anhand von Satellitenaufnahmen mit Hilfe seiner H3-Antenne feststellt.

„Ich kann nur sagen, dass die Schwingungsfelder im Foto sind“, versichert er. Natürlich überprüft er seine am Schreibtisch gewonnenen Erkenntnisse vor Ort – und ist selbst verblüfft von den Übereinstimmungen. „Wenn ich dann sehe: Hier wächst ein verdrehter Baum und dort einer – dann stehen sie in der Regel auf der Wasserader, die die Antenne auf dem Foto angezeigt hat.“

Hochpotenziertes Mistelextrakt

Aber was tun, wenn eine Wasserader mitten durchs Gebäude geht? Abreißen? Becker lacht und winkt ab. Fast immer, wenn es nicht grade ein Aderkreuzung ist, leitet er die Erdstrahlen mit einfachen Mitteln um – ein schräges Mäuerchen, eine Buchsbaumpflanze im Rasen reichen oft, sagt er. Von teuren Kästchen mit kompliziertem metallenem Innenleben, oft propagiert, hält er nichts. Seit einigen Jahren setzt er auf die Homöopathie: Er benutzt kleine Röhrchen, gefüllt mit Globuli, also winzigen Pillen, aus hochpotenziertem Mistelextrakt, um Erdstrahlen umzulenken.

„Zwei Spaten tief vergraben, dann hilft das Jahre, wenn keine Feuchtigkeit eindringt.“ Er schwört auf die Methode – „auch wenn sie noch nicht von allen Rutengängern anerkannt wird.“ Als Becker den skeptischen Blick der Besucherin sieht, lacht er leise. Er weiß durchaus, dass er auch wohlwollenden Zeitgenossen Skepsis abnötigt. Aber das gehört zum Charakter eines Grenzgängers – er überschreitet Linien. Die Linien, die das Sichere, Beweisbare, in Zahlen Fassbare vom Vermuteten, Geglaubten, ja vom Fantastischen trennt. Und deren Verlauf oft nicht sicher festzustellen ist.

Humbug oder besondere Fähigkeit

Rutengängerei ist Humbug, sagen die meisten Wissenschaftler.  Versuche hätten gezeigt, dass es zumindest keine „objektive“ Art und Weise gibt, mit Hilfe einer Rute Wasseradern oder Erze zu finden. Allenfalls könne es Menschen geben, die besonders sensibel auf Umweltinformationen reagierten, etwa minimale Farbveränderungen im Gras sähen und so, unabhängig von einer Rute, Informationen über möglicherweise vorhandenes Wasser gewännen. Die Zahl der Untersuchungen zum Phänomen scheint allerdings nicht besonders üppig zu sein. Wünschelrutengänger werden jedoch durchaus von seriösen Firmen eingesetzt, etwa der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit zur Suche nach Wasser zum Brunnenbohren.

Ein besonders problematischer Begriff ist für die meisten Wissenschaftler das Thema „Erdstrahlen“. Die meisten Wissenschaftler lehnen den Begriff ab. Der österreichische Lungenfacharzt Dr. Otto Bergsmann, Dozent der Universität Wien und in der alternativen Medizin unterwegs, hat in einer Studie von 1990 nun an fast 1000 Menschen untersucht, ob es doch Indizien für solche Strahlung geben könnte. Sein Ergebnis: Es gebe „Störungen von Regelvorgängen durch bisher unbekannte Energieformen“, die für vorbelastete Organismen einen Risikofaktor darstellen könnten. Sein Fazit: Erdstrahlen seien in den seltensten Fällen ausschließlich die Ursache einer Krankheit. Aber ein Schlafplatzwechsel könne „vor allem bei chronischen Krankheiten und Leidenszuständen, die ärztliche Therapie unterstützen“.

►  www.wikipedia.de

www.geobiologie.de (größte Organisation der Radiästhesie)

► Otto Bersmann, „Risikofaktor Standort – Rutengängerzone und Mensch“, Wien 1990

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