Mi., 15.03.2017

Junge Familienforscher Wertvolle Schätze gehoben

Marie Sophie Schwarte hat etwas über einen besonderen Ring herausgefunden, von dem sie hofft, ihn eines Tages bei ihrer Hochzeit tragen zu dürfen.

Marie Sophie Schwarte hat etwas über einen besonderen Ring herausgefunden, von dem sie hofft, ihn eines Tages bei ihrer Hochzeit tragen zu dürfen.

Greven - 

Familienforschung – na klar. So mancher Schüler der Klasse 8c der Grevener Anne-Frank-Realschule war nicht gerade euphorisiert angesichts des Projekts. Um bald zu merken: So uninteressant ist das gar nicht, ja sogar richtig spannend.

Von Oliver Hengst

Altmodisch? So ein richtiges Omma-Schmuckstück? Kein bisschen, findet Marie Sophie Schwarte. „Der Ring ist sehr zeitlos. Ich könnte mir gut vorstellen, den auch zu tragen, wenn ich mal heiraten sollte“, sagt die Achtklässlerin der Anne-Frank-Realschule. Sie würde ihre Ur-Oma (Jahrgang 1931) sicher sehr glücklich machen. Denn ihr gehörte der Ring einst. „Das Geld dafür hat sich meine Ur-Oma damals selbst zusammengespart“, berichtet die Schülerin.

Zur Hochzeit wurde das Schmuckstück erstmals getragen. Über die Generationen wurde der Ring in der Familie weitergegeben, aktuell ist er in Besitz von Marie Sophies Mutter. „Es würde mich sehr freuen, wenn ich diesen Ring später an meine eigenen Kinder weiterreichen kann“, sagt sie über den Familienschatz – dessen Wert nicht allein Gold, Diamant und Rubin ausmachen, sondern vor allem die Geschichte.

Anlass für Marie Sophie und ihre Mitschüler aus der Klasse 8c, sich in diese und andere Familien-Geschichten zu vertiefen, war ein Klassenprojekt. Die Ergebnisse stellen die Schüler und ihre Deutsch-Lehrerin am Samstag im Altenberge beim Genealogen-Tag vor. Wo sonst – mit Verlaub – eher ältere Damen und Herren Informationen über ein vermeintlich staubtrockenes Thema austauschen, wollen die AFR-Schüler (als deutlich jüngste Vertreter) zeigen, dass Genealogie auch für Jugendliche faszinierend sein kann.

Etwa, weil man seine Mitschüler durch eine andere Brille sieht (weil man etwas über ihre Herkunft und Vorfahren erfährt) – aber ebenso die eigene Familie, weil sich die jungen Menschen (möglicherweise zum ersten mal) mit Traditionen und Hintergründe beschäftigen und etwas herausfinden über Familienmitglieder, die man nie persönlich traf, über Erbstücke, die man bislang kaum wahrnahm, oder über das eigene Haus, das man ganz selbstverständlich bewohnt, ohne die Geschichte seiner Entstehung zu kennen.

  Foto: Oliver Hengst

Für die meisten Achtklässler ist schwer vorstellbar, dass die Vorfahren von Nino Dinkels 1840 ein Haus bauten, in dem man zunächst ohne Strom und Wasser auskommen und ein Plumpsklo nutzen musste – bis Nico eben das erzählte und man ins Gespräch kam. Genauso interessant die Geschichte über den Familienschatz, den Seyhan Gümüs, dessen Familie aus der Türkei stammt. „Meine Ur-Ur-Oma hat einen Wandteppich gewebt, da war sie 17 Jahre alt. Ich hoffe, dass ich das nun schon 147 Jahre alte Erbstück nach meinen Eltern bekommen werde und es an meine Kinder vererben kann“, berichtet der Achtklässler.

In vielen Familien gibt es auch Schmuckstücke, die vererbt werden, etwa bei den Winkelsetts. Annika berichtet von einer Goldkette mit Kreuz, „die für meine Familie sehr wichtig ist“, obwohl der materielle Wert nicht sehr hoch sei.

Familienschätze, an die positive und negative Erinnerungen geknüpft sein können, oft stehen sie auch mit schicksalhaften Einschnitten in Verbindung. Einig sind die Schüler darin: Es lohnt sich zu stöbern und sich auszutauschen.

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