So., 26.03.2017

Tag der Stadtführungen Pumpernickel, Stuten und Geschichte

Ganz Altes, ganz Neues:  Die Teilnehmer an den Stadtführungen stießen immer wieder auf Winkel, die selbst gebürtige Grevener kaum kennen.

Ganz Altes, ganz Neues:  Die Teilnehmer an den Stadtführungen stießen immer wieder auf Winkel, die selbst gebürtige Grevener kaum kennen. Foto: Stefan Bamberg

Greven - 

Sieben Mal der Grevener Geschichte auf der Spur: Den „Tag der Stadtführungen“ werten Heimatverein und Greven Marketing als großen Erfolg. Übrigens: Manni Breuckmann hat dabei eine Rolle gespielt.

Von Stefan Bamberg

Seinem ersten großen Vorbild widerspricht man nicht. Und deswegen ist der Stammplatz in der Studenten-Bude des Reporters bereits eingerichtet. „Ohne Pumpernickel“, hat Radio-Legende Manni Breuckmann nämlich mal gewarnt, „drohen dem Westfalen Freudlosigkeit und frühes Siechtum.“ Wer schon als Kind jeden Samstag gebannt vor WDR 2 hing und auf Breuckmanns Torschreie in der Bundesliga-Konferenz wartete, hört besser auf dessen Mahnung und hat ab sofort stets ein Päckchen des kultigen Schwarzbrots in petto.

Das kleine Bonmot der „Stimme des Westens“ ist nur eine von ganz vielen Anekdoten, die Ingrid Gries zum Besten gibt. Eine Anekdote jedoch, die symptomatisch für die Tour entlang der historischen Orte der Innenstadt ist. Hier – beim Aktionstag von Heimatverein und Greven Marketing am Samstag – findet jeder etwas, was sie oder ihn interessiert: ein lustiges Zitat, eine verrückte Story, ein kurioses Detail. Bekannte Plätze aus neuer Perspektive genauso wie bisher unbekannte Winkel und Ecken. Die Stadtführer sind unterwegs – und mit ihnen Hunderte Neugierige, die ihre Heimat sehen, hören, fühlen oder riechen wollen. Und sogar: schmecken! Bei Ingrid Gries nämlich. Die ortskundige Führerin kramt in ihrem Markenzeichen, dem karierten Trolley: „Die Westfälischen Fünf!“, präsentiert sie.

Was das ist? Abwarten und Tee – pardon – Korn trinken. Ein Pinnchen gibt’s am Startpunkt an der Alten Münsterstraße: „Düwelszeug“, „Emswasser“ – der Fusel hat mehrere Namen. Mit „Emswasser“ allerdings beginnen prompt die ernsten Themen des Tages: Erste Station ist der „Hoek“, eine der ältesten Wohnsiedlungen der Stadt. Was aus heutiger Sicht geradezu unwirklich scheint: Hier, mitten in der Stadt, stand 1946 das Wasser der Ems meterhoch, Gries zeigt Fotos von der großen Flut.

Heiter weiter zur nächsten kulinarischen Kostprobe – nicht so einfach: Im Krankenhaus-Park folgt die Pumpernickel-Verkostung. Maria und Josef aus Sandstein, die einzigen Überbleibsel des alten Hospitals, sehen auch etwas hungrig aus. Ingrid Gries deutet auf die anliegende Lindenstraße, die längst keine mehr ist: „Die allermeisten sind abgeholzt.“ Vorbei am Gymnasium, erreichen wir die Martinus-Kirche. „Heute können wir leider nicht rein“, sagt Gries. Dort läuft gerade eine der anderen Führungen: Kirche, Sachsenhof und das alte Greven sind im Angebot, nachmittags geht’s mit lokalgeschichtsaffinen Bürgern auf die Spuren von Kanalbau und Textilindustrie. Erfahren, was ganz früher mal war. In Erinnerungen an die jüngere Vergangenheit schwelgen. „Einiges ist ausgebucht“, erzählt Werner Peters vom Heimatverein. Ur- und Ex-Grevener, Zu- und Weggezogene machen mit.

Ingrid Gries spendiert jetzt eine Runde köstlichen Westfälischen Knochenschinken, im Niederort schickt sie uns eine Treppe hinauf und in eine winzige Gasse hinein: „Der Kuhtrog – kennen die allermeisten gar nicht.“ Vom Wilhelmsplatz macht sich die staunende Gruppe auf Richtung Fußgängerzone. „Nachtisch!“, lächelt Gries – und packt erst deftige Mettwurst, dann süßen Stuten aus. Damit sind sie komplett, die „Westfälischen Fünf“. Eine Teilnehmerin schaut auf die Uhr. „Ich muss los“, entschuldigt sie sich. Wohin so eilig? „Na, zur nächsten Führung!“

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