Do., 20.04.2017

Zu kalt für viele Bestäuber Frost stört Bienen-Blüten-Romanze

Wunderbare Blüten, aber keine Bestäuber: Wenn die Obstbäume in voller Blüte stehen, summt es gewöhnlich in den Kronen. Aber in diesem Jahr ist es viel zu kalt.

Wunderbare Blüten, aber keine Bestäuber: Wenn die Obstbäume in voller Blüte stehen, summt es gewöhnlich in den Kronen. Aber in diesem Jahr ist es viel zu kalt. Foto: Wilfried Gerharz

Greven - 

Die Obstbäume blühen prächtig. Dennoch sind die Obstbauern in Sorge – es sind viel zu wenige Bestäuber unterwegs. Bei einstelligen Temperaturen kuscheln die Bienen lieber im Stock.

Von Oliver Hengst

Es ist eine Pracht in Weiß und Rosa: Die Kirschen und Pflaumen schütten ihre Blütenblätter über die grüne Wiese, die Frühäpfel haben ihre Blüten bereits weit geöffnet. Ein Frühling wie aus dem Bilderbuch, oder? Keineswegs. Obstbauern und Imker ziehen lange Gesichter. „Viel zu kalt“, sagt Marlies Hinsch, Vorsitzende des Imkervereins. „Ich fürchte, wir bekommen dieses Jahr keine Frühtracht.“ Und Alfred Helmig vom Apfelhof erläutert: „Die Kälte schädigt die Blüten direkt, und außerdem fehlen die Bestäuber.“

Höchste Frostgefahr für die Obstblüte

Denn der Winter ist zurück gekommen. Wurden am 31. März am Flughafen Höchsttemperaturen von 24 Grad gemessen, so geht es seither stetig bergab – am Dienstag lag die Höchsttemperatur nur noch bei 8,2 Grad. Am Mittwochmorgen mussten die Autofahrer sogar kratzen. Das bedeutet höchste Frostgefahr für die Obstblüte. „Vor allem bei Pflaume, Kirsche und Frühäpfeln wird es Einbußen geben“, prophezeit Helmig und hofft auf angenehmere Temperaturen für die Blüte der späten Sorten.

Bei einstelligen Temperaturen fliegt keine Biene aus

Doch selbst wenn die Temperaturen über Null bleiben – bei einstelligen Temperaturen fliegt keine Biene aus. Und Bienen sind zu dieser Jahreszeit die Hauptbestäuber. Die Völker entwickeln sich rasant und sind eigentlich hungrig nach Nektar und Pollen. Aber ein Ausflug wäre zu gefährlich – die Insekten würden erstarren. Darum bleiben sie im Stock und zehren von dem, was sie schon eingetragen haben. Das ist um diese Jahreszeit naturgemäß noch nicht sehr viel. „Wir Imker müssen Angst haben, dass unsere Bienen verhungern“, warnt Marlies Hinsch. Wenn sie derzeit an ihre Bienenstöcke geht, hat sie immer Winterfutter dabei, um im Notfall nachfüttern zu können.

Stadtimkerei funktioniert besser als Landimkerei

Nicht ganz so pessimistisch ist Bruno Hülsmann, Hinschs Stellvertreter. Er hält seine Bienen in seinem Garten im Nordviertel – und dort sind die Bedingungen besser als am Stadtrand oder gar auf dem flachen Land. Blühendes ist in unmittelbarer Nähe, meist ist es zwischen den Häusern milder als auf freiem Feld. Stadtimkerei, das zeigt sich einmal mehr, funktioniert besser als Landimkerei. „Wenn das Wetter in ein paar Tagen besser wird, hoffe ich doch noch auf Tracht“, sagt er.

Wird Honig und Obst teurer im Sommer?

Aber wirklich berauschend sind die Prognosen nicht: Zwar dürfte das Kältetief seit der Nacht zum Donnerstag vorbei sein. Aber erst in 14 Tagen versprechen die Wetterfrösche wieder mehr als 12 Grad Höchsttemperatur. Und dann sind Raps- und Obstblüte wahrscheinlich vorbei.

Also wird Honig und Obst teurer im Sommer? Im Prinzip ja, Honig wohl ziemlich sicher. Aber neben dem Wetter gibt es natürlich noch viele andere Einflüsse, die den Preis bestimmen. „Durch das Russland-Embargo haben die großen Obstbauern am Bodensee und im Alten Land Überschüsse“, weiß Helmig. Und das drückt natürlich den Preis.

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