Fr., 21.04.2017

Ulrike Reifig kandidiert für die SPD „Die Sozis sind hier sehr nett“

Hat ein ganz besonderes Faible für die Grevener: Ulrike Reifig kandidiert für die SPD im Wahlkreis Steinfurt.

Hat ein ganz besonderes Faible für die Grevener: Ulrike Reifig kandidiert für die SPD im Wahlkreis Steinfurt. Foto: res

Greven - 

Bei der vergangenen Landtagswahl hat Ulrike Reifig in Greven mehr Stimmen geholt als ihre Konkurrentin von der CDU. Jetzt hofft die SPD-Landtagskandidatin darauf, dass es diesmal reicht, um den Wahlkreis zu gewinnen.

Von Ulrich Reske

Dass Greven der Altenbergerin am Herzen liegt, transportiert die Landtagskandidatin inbrünstig: 2012, bei der letzten Landtagswahl, schenkten die Grevener ihr die meisten Stimmen. Mehr als der CDU-Kandidatin Christina Schulze Föcking. In der Endabrechnung reichte das aber nicht. Die CDU-Frau zog locker an Ulrike Reifig vorbei, die ohne Absicherung der Landesliste das Nachsehen hatte. Für die Grevener hat sie nur Lob parat. „Die Sozis hier sind sehr nett. Die haben mich auf Händen getragen.“

Nett findet sie allerdings nicht, was die Partei mit ihr gemacht hat. Listenplatz 53, abgeschlagen, ganz hinten. „Das hat mich sehr geärgert“, räumt die Fraktionsvorsitzende der Altenberger SPD ein. „Innerparteiliche Demokratie“, resümiert sie, schluckt die Kritik runter. Parteiräson eben. Da werde mit harten Bandagen gekämpft. Dass man nun daraus den Schluss ziehen könne, dass ihr vielleicht das Durchsetzungsvermögen fehle, weist die 59-Jährige energisch zurück. „Als alleinerziehende Mutter, die stets Familie und Beruf unter einen Hut bringen musste, habe ich vor allem Durchsetzungsvermögen und Ausdauer.“ Auch das kommt glaubhaft über.

Das zum Thema Stärken. Hat sie auch Schwächen? „Na klar“, sagt sie. Muss dann aber doch überlegen. „Etwas ungeduldig, manchmal gehe ich mit dem Kopf durch die Wand.“ Schwächen, die in der Politik manchmal auch Stärken sein können.

Die politischen Schwerpunkte ergeben sich aus der persönlichen Biografie: Bildung, Familie, Betreuung. Themen, die ein Altkanzler Gerhard Schröder einst als „Gedöns“ bezeichnete. Für Ulrike Reifig stehen sie ganz oben auf der Agenda. Kein Wunder: Das Leben mit drei Kindern, sechs Enkeln und einer Patchworkfamilie prägt.

Auch aus eigener Erfahrung steht sie voll hinter der SPD-Forderung, in den Kitas eine Kernzeit von 30 Stunden beitragsfrei zu stellen. „Besser kann man Familien nicht entlasten,“ denn selbst für eine Alleinerziehende mit einem Nettoeinkommen von 1200 Euro betrage die Kita-Gebühr monatlich 60 Euro plus Mittagessen. Mit dieser Forderung will sie auch in Greven punkten, wo derzeit Kitas wie Pilze aus dem Boden schießen.

Gemeinsames längeres Lernen! Wer will das nicht? Auch das steht auf Ulrike Reifigs Agenda. Und wie kommentiert sie da die deutliche Entscheidung der Grevener Eltern für ihre Anne-Frank-Realschule, die zugleich eine Ohrfeige für Grevens Sozialdemokraten war? „Absolut okay, wenn die Eltern diese Entscheidung so treffen.“

Genauso hält sie es übrigens auch mit dem kontroversen Thema G8 und G9. Ihr Vorschlag: Die Entscheidung sollen Schüler und Eltern nach der zehnten Klasse selbst treffen dürfen.

Ulrike Reifig glaubt zu wissen, was Bürger wollen. 20 Jahre Erfahrung in der Kommunalpolitik sind für sie da ein Fundus. Eine Erfahrung, die sie auch aus der ehrenamtlichen politischen Arbeit schöpft. Gerade die 25- bis 40-Jährigen fehlten aber in vielen ehrenamtlichen Bereichen und damit auch in der Politik, ist ihre Erfahrung. Und sie resümiert: „Ein Zeitproblem. Die kriegen das nicht hin. Alle sind im Hamsterrad.“ Auch da will sie mit der Idee von Arbeitszeitkonten Freiräume schaffen. Und dann begeistert sich der Familienmensch Ulrike Reifig für den Schwiegersohn, der ein solches Ehrenamt beim TUS-Altenberge als Trainer ausübt und zudem das Glück hat, seine neunjährige Tochter zu trainieren. „Paula“, freut sich die Landtagskandidatin über ihre Enkelin, „ist eine wirklich talentierte Spielerin.“ Sechs Enkel, allesamt in Altenberge daheim, sorgen für Oma-Pflichten. Mag sich Ulrike Reifig da wirklich noch den stressigen Politikjob in Düsseldorf antun? Das klare Ja kommt mit Begründung. „Zeitmanagement lernt man als Alleinerziehende.“

Und auch im Falle ihrer Direktwahl ist sie sicher, dass für die Enkel und das favorisierte Hobby Radfahren noch genügend Zeit bleibt. Ob als Fraktionsvorsitzende in Altenberge oder Abgeordnete in Düsseldorf, im Sommer jedenfalls startet sie gemeinsam mit ihrem Mann zu einer Radtour ab Amsterdam. Immer am Wasser entlang will sie die Küsten Europas erobern. Als MdL oder Fraktionschefin. So oder so.

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