Mi., 06.01.2016

Bildungsträger nutzen Angebot der Arbeits-Agentur Deutschkursangebot boomt

Basisdeutsch wird in den Einstiegskursen vermittelt, die von der Arbeitsagentur bezahlt werden. Sie umfassen 320 Stunden. Nur Menschen mit guter Bleibeperspektive können sie besuchen.

Basisdeutsch wird in den Einstiegskursen vermittelt, die von der Arbeitsagentur bezahlt werden. Sie umfassen 320 Stunden. Nur Menschen mit guter Bleibeperspektive können sie besuchen. Foto: Monika Gerharz

Greven - 

Die Arbeits-Agentur bezahlt seit Neuestem und nur für kurze Zeit Sprachkurse für Flüchtlinge aus Iran, Irak, Eritrea und Syrien. Die Folge: Die Bildungsträger finden nur mit Mühe genug geeignete Lehrer.

Von Monika Gerharz

Flüchtlinge nehmen Arbeitsplätze weg? Von wegen. Flüchtlinge schaffen erst einmal Arbeitsplätze. Und zwar massiv bei den Sprachlehrern. Allein die Volkshochschule hat derzeit neben acht Integrationskursen sechs Einstiegskurse im Programm, die ganz kurzfristig, finanziert mit Mitteln der Arbeitsagentur, eingerichtet werden konnten (siehe Kasten). Das Bildungs-Institut Münster (BIMS) bietet im „Kleinen Rathaus“ in Reckenfeld einen Einstiegskurs an, und das Westfälische Bildungs- und Kulturzentrum richtet in der Passage bei Fielmann eine eigene Dependance für Sprachkurse ein. „Wir können gar nicht alle aufnehmen, die Anspruch haben“, schildert Gisela Junkerkahlefeld, Fachbereichsleiterin bei der VHS, die Nachfrage.

Das Hauptproblem angesichts einer solchen Situation: Woher qualifizierte Sprachlehrer nehmen? „Anfang Dezember hätte ich es noch gar nicht für möglich gehalten, dass wir das überhaupt schaffen“, sagt Junkerkahlefeld. „Aber ich habe ganz schnöde unsere Sprachdozenten angesprochen.“ Intern hat darüber hinaus die VHS ein Tutorensystem eingerichtet, damit beispielsweise Leute mit einem Sprachstudium, aber ohne große Unterrichtserfahrung, unter Anleitung an ihre Aufgabe herangeführt werden. Ähnlich verfährt das BIMS. „Wir hatten einen großen Dozentenpool und in diesem Bereich schon Erfahrung“, sagt Stephanie Robermann. Das ist nicht bei allen Sprachschulen der Fall, denn die Anbieter von Einstiegskursen mussten keinen Qualitätsnachweis führen. Angeb­lich bieten mittlerweile Fahrschulen Sprachkurse an. „Das ist schon problematisch“, sagt Robermann.

Denn wichtig für die Flüchtlinge ist es, nicht nur mittels eines Crashkurses ein paar Worte Deutsch zu lernen. Genauso wichtig ist ein fundiertes Anschlussangebot. Das BIMS möchte die Teilnehmer im Frühjahr so weit haben, dass sie auch in berufsvorbereitende Sprachkurse einsteigen können. Und die VHS hofft darauf, dass viele Teilnehmer nach Kursende „Papiere“ haben und damit das Recht auf einen Integrationskurs.

Die genannten Bildungsinstitute kümmern sich allerdings vor allem um Menschen mit guter Bleiberechtsperspektive (siehe Kasten), nur für sie werden die Kurs-Kosten übernommen. Aber ganz ohne Unterricht sind auch die anderen Flüchtlinge nicht: Die Flüchtlingshilfe hat derzeit in der Kernstadt fünf solcher ehrenamtlicher Kurse laufen, drei weitere Kurse sind geplant, 30 Ehrenamtliche unterrichten. In Reckenfeld gibt es jede Woche einen Sprachkurs im Gemeindezentrum, daneben Unterricht für Kleingruppen, den 25 Ehrenamtliche erteilen. Für das Angebot gibt es ein dickes Lob von den Profis. Junkerkahlefeld: „Diese Kurse sind Gold wert.“

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