Di., 12.01.2016

Karkoska-Lesung Farbanschlag: „Leute – so nicht“

Greven - 

Ein Farbanschlag in Eisenach – betroffen ausgerechnet jene Buchhandlung, in der der Grevener Wilhelm Karkoska am Samstag eine Lesung veranstaltet. Der Autor jedoch lässt sich nicht abschrecken und ist fest entschlossen, die Lesung stattfinden zu lassen.

Von Oliver Hengst

Eine Premiere erlebt der Grevener Autor Wilhelm Karkoska am Samstag – eine, um die er sich nicht gerissen hat. „Zum ersten Mal fahre ich mit einem etwas mulmigen Gefühl zu einer Lesung.“ Rund 30 Mal hat er inzwischen bei verschiedenen Veranstaltungen aus seiner Biografie von Steffi Stephan (unter anderem Bassist in Udo Lindenbergs „Panikorchester“) vorgelesen. Routine, sollte man meinen. „Hier ist es aber in der Tat etwas anders.“ Mit „hier“ meint er die „Eisenacher Bücherstube“, deren Einladung er folgt. Eine „hoch angesehene“ Buchhandlung mit Tradition und bester Lage, wie sich Karkoska hat versichern lassen.

Auf eben diese Bücherstube ist in der Nacht zu Samstag ein Farbanschlag verübt worden, wie die Thüringer Allgemeine berichtet. Die Tür sei mit roter Farbe besprüht worden, Schrift oder Symbole seien jedoch nicht zu erkennen. Die Polizei ermittelt und schließt offenbar auch einen politischen Hintergrund nicht aus. Denn der Inhaber der Buchhandlung, Jens Eberitzsch, geht selbst von einem solchen aus, wie er der Regionalzeitung sagte. Er habe sich Kritik aus linken Kreisen eingehandelt, weil er Bücher des umstrittenen Enthüllungsjournalisten Jürgen Elsässer im Programm habe. Elsässer arbeitet einst für linke Zeitungen („Junge Welt“), soll sich später aber auch dem rechten Spektrum geöffnet haben und trat als Redner bei „Legida“ auf. In der Eisenacher Bücherstube stellte er seine Recherche-Ergebnisse zum NSU-Prozess vor. Ein Mann, der viel Angriffsfläche bietet.

Für Karkoska ist indes auch denkbar, dass seine bevorstehende Lesung Auslöser der Farbattacke war – auch weil im Netz mit einem Foto für das Event geworben wird, auf dem Steffi Stephan ein Shirt „Bassisten gegen Rassisten“ trägt. Karkoska geht daher eher von Aktivisten „aus der Pegida-Eecke“ aus.

Trotz der unübersichtlichen Lage kommt für ihn eine Absage der Lesung nicht in Frage. „Wir hatten das überlegt, uns dann aber dagegen entschieden. Im Gegenteil: Jetzt erst recht“, sagt der Autor im Gespräch mit unserer Zeitung. Via Facebook teilt er mit: „Der Betreiber der Bücherstube hat es verdient, dass man nach außen signalisiert: Leute – so nicht.“

Seine Lesungen seien im Prinzip unpolitische Veranstaltungen – mit einer Ausnahme: Karkoska zeigt bei seinen multimedial angelegten Lesungen stets einen kurzen Videoclip mit Steffi Stephan und Udo Lindenberg, in dem beide gegen „die braune Scheiße“ Position beziehen. Dennoch betont Karkoska: „Ich lasse mich vor keinen politischen Karren spannen.“

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