Sa., 16.01.2016

Neuer Spielmannszug Erstes Schaulaufen beim Umzug

Beim Karnevalsumzug ist viel Platz für musizierende Menschen. Die Spielleute wollen dort erstmals öffentlich in Erscheinung treten. Peter Nierling (kleines Bild, links) und Michael Kaszynski  gehören zu den Aktiven der ersten Stunde.

Beim Karnevalsumzug ist viel Platz für musizierende Menschen. Die Spielleute wollen dort erstmals öffentlich in Erscheinung treten. Peter Nierling (kleines Bild, links) und Michael Kaszynski  gehören zu den Aktiven der ersten Stunde. Foto: Oliver Hengst

Greven - 

Spielmannszüge haben Nachwuchssorgen? Irrtum. In Greven gibt es seit kurzem sogar einen neuen – und die Initiatoren zeigen sich beim Umzug einer breiten Öffentlichkeit.

Von Oliver Hengst

Jahrelang hat er die Idee in sich getragen. Überlegt, verworfen, aufgeschoben, neu überlegt. Bis Michael Kaszynski irgendwann mal in jenem Spielmannszug, dem er seinerzeit noch angehörte, den Tambourmajor geben durfte. Es war ein Schlüsselmoment. In diesem Augenblick wusste der Grevener, dass die Zeit reif war, seinen lange gehegten Traum vom eigenen Spielmannszug endlich in die Tat umzusetzen.

Gedacht, getan: Im Oktober vergangenen Jahres trat eine Handvoll Musiker erstmals zusammen, um fortan den „Spielmannszug Spielfreunde Greven 2015“ zu bilden. Erste Proben folgten, viele Gespräche, Werbeaktionen, Aufrufe bei Facebook. Und nun ein Termin bei der Presse, um auf die Aktivitäten der Spielfreunde aufmerksam zu machen und um weitere Mitstreiter zu werben. Zehn Aktive hat Michael Kaszynski um sich versammelt, eine paar weitere in der Hinterhand. „18 bis 20 sind schon nötig, damit ein Spielmannszug funktioniert“, weiß der Musiker, der selbst einige Jahre in mehreren Spielmannszügen aktiv war. Die Schlagwerk-Fraktion (Trommeln etc.) ist schon ganz gut besetzt, Querflöten- und Lyra-Spieler sind dagegen Mangelware. Teilweise stehen Leih-Instrumente zur Verfügung, doch die Möglichkeiten des noch jungen Spielmannszuges sind limitiert, weshalb man auch Sponsoren sucht. Wenn jemand ein eigenes Instrument besitzt – umso besser.

Grundsätzlich ist jeder willkommen, der mitmachen möchte – auch Anfänger. „Bei uns gibt es keinen Zwang, dass man Noten können muss. Es geht auch ohne“, stellt der musikalische und organisatorische Kopf der Spielfreunde fest. Auch totale Neueinsteiger, die noch nie ein Instrument gespielt haben, sollten sich angesprochen fühlen. Unter der Anleitung erfahrener Musiker hätten einige dieser Novizen bereits rasch Fortschritte gemacht, so dass manche schon einfache Stücke begleiten können. „Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Ich war total überrascht“, sagt Kaszynski.

„Da hat sich eine Gruppe entwickelt, die total gut harmoniert“, freut sich Mitstreiter Peter Nierling, der „seit Ewigkeiten“ mit Kaszynski befreundet ist, und sich für die Neugründung engagiert, obwohl er selbst kein Instrument spielt – und es auch nicht vor hat. Umso musikalischer ist seine Frau, die sofort Feuer und Flamme war, als sie von der Idee hörte. „Ohne die beiden wäre es um einiges schwerer“, sagt der Gründer.

Rund ein Dutzend Spielmannszüge gibt es schon in Greven. Warum nun ein weiterer? „Das war schon immer mein Traum, mal einen eigenen Spielmannszug zu haben. Die Neugründung ist interessant, weil man so an keinen Verein gebunden ist. Man kann seine eigenen Strukturen schaffen, man kann selbst bestimmen was man anzieht und was man spielt“, sagt der gelernte Trommler Kaszynski. Man sei so auch nicht an die Termine der Schützenvereine gebunden, ergänzt Nierling. Nicht selten müssten Spielleute eines Zuges, der einem Schützenverein angehört, rund um das eigene Schützenfest ein ganzes Wochenende oder mehr investieren. Von diesem Zwang wolle man sich bewusst lösen. „Wir wollen vor allem Spaß haben, das ist das A und O“, sagt der Ideengeber. Und das klappt bereits bestens. „Wir können ausgiebig Quatsch reden, aber auch sehr konsequent arbeiten“, berichtet Nierling von den ersten Proben.

Und noch eines ist den Spielfreunden wichtig: Keiner wird ausgegrenzt. Status, Herkunft, Verdienst, musikalische Vorkenntnisse, Aussehen – erstmal egal, solange die Chemie passt. „Egal ob dick oder dünn, groß oder klein – bei uns kann jeder mitmachen“, bestätigt Nierling. „Es muss untereinander passen.“ Einzige Voraussetzung für interessierte Kinder: Acht Jahre sollten sie mindestens alt sein. Nach oben gibt es keine Grenzen. Auch körperlich eingeschränkte Personen sollten sich nicht scheuen, den Kontakt zu suchen. Das Miteinander steht im Vordergrund, die Freue am Musikzieren. Dabei soll es entspannt und familiär zugehen. „Das ist mir ganz wichtig“, sagt der Tambourmajor in spe. Von Grüppchenbildung, wie er es anderswo erlebt hat, hält er nichts.

Derzeit proben die Spielfreunde sonntags von 10 bis 12 Uhr in der Gaststätte „Zum Vosskotten“. Gesucht wird jedoch eine günstige (oder gar kostenlose) Alternative, die näher am Stadtkern ist.

Erstmals öffentlich in Erscheinung treten wollen die Spielfreunde beim Karnevalsumzug – nicht als Spielmannszug, sondern als „Fußgruppe, die Instrumente dabei hat“ und ab und zu ein Lied zum Besten gibt. Zu mehr reicht es (noch) nicht. „Ich wäre hammerstolz, wenn wir in zwei oder drei Jahren soweit wären“, sagt Michael Kaszynski. Karnevalslieder gehören wegen des nahenden Termins zum Repertoire, das derzeit geprobt wird. Klassische Märsche gehören ebenfalls dazu. „Später vielleicht auch mal moderne Märsche, die nicht jeder Spielmannszug spielt“, blickt der Gründer voraus. Auftritte bei Geburtstagen und beim Karneval und Gast-Spiele bei Schützenfesten sind das Ziel.

► Kontakt: Peter Nierling, ✆ 02571/6647, p.nierling@gmx.de. Wer interessiert ist, kann auch einfach sonntags zu den Proben kommen.

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