Fr., 15.01.2016

Wifo-Treffen „Lassen Sie sich nicht bange machen“

Flüchtlinge als Chance – darüber informierten Experten die Mitglieder des Wirtschaftsforums.

Flüchtlinge als Chance – darüber informierten Experten die Mitglieder des Wirtschaftsforums. Foto: Alfred Riese

Greven - 

Flüchtlinge als Mitarbeiter – kann das funktionieren? Es kann – unter bestimmten Bedingungen, blaubt man beim Grevener Wifo.

Von Alfred Riese

„Wenn wir hören, dass wir in Greven etliche 100 Flüchtlinge haben, sollten wir die Chance nutzen und zusehen, dass wir sie von der Straße holen.“ Diese Aussage eines Unternehmers beim Monatstreffen des Wirtschaftsforums (Wifo) am Freitag wollte Joachim Bothe von der Gemeinnützigen Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender (GGUA) in Münster am liebsten als Schlusssatz stehen lassen. Konnte er aber nicht. Das Treffen galt in direkter Ansprache der Chefs dem Thema „Flüchtlinge als Chance für Ihr Unternehmen“. Aber der Weg, diese Chance zu nutzen, scheint immer noch recht steinig und kompliziert – weshalb Bothe die restliche Zeit brauchte, um Möglichkeiten aufzuzeigen. Das fiel denn allerdings auch auf fruchtbaren Boden.

Vertreter der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe in Greven, des Jobcenters, der Arbeitsagentur und Unternehmer hatten nur auf diesen Termin gewartet, um ganz konkret Kontakte zu knüpfen und zu intensivieren.

Kompliziert bleibt es dennoch. Arbeitsverbot in den ersten drei Monaten nach dem Asylantrag, danach Vorrangprüfung durch Arbeitsagentur und Ausländerbehörde, Prüfung vergleichbarer Beschäftigungsverhältnisse – das alles für ganz unterschiedliche Aufenthaltstitel und bei völlig verschiedenen Zugängen zu Förderangeboten: „Wenn wir schon Probleme damit haben, wer erklärt das eigentlich den Asylbewerbern“, wollte einer wissen.

Und bekam von einem Kollegen, bestätigt vom Vertreter der Arbeitsagentur, den positiven Erfahrungsbericht: Die Ausländerbehörde arbeitet sehr gut mit, die Vorrangprüfung ist gar nicht mehr das große Problem – „lassen sie sich nicht Bange machen, nutzen sie die Chance“.

Aber immer, mahnte Joachim Bothe, sollte man als Arbeitgeber auf den Aufenthaltsstatus achten und Arbeitsagentur und Ausländerbehörde einbinden. Unterm Strich wirkte es so, als ob zumindest die Teilnehmer des Wifo-Monatstreffens großes Interesse haben, Asylbewerber zunächst als Praktikanten und Einstiegsqualifizierer, dann aber auch als Mitarbeiter zu gewinnen.

Wenn die Voraussetzungen stimmen. Das Beherrschen der deutschen Sprache und ein gesicherter Aufenthaltsstatus gehören dazu, berichtete Andre Böing, Flüchtlingskoordinator der IHK Nord Westfalen. Dann sehe laut einer aktuellen Erhebung im Kammerbezirk rund die Hälfte der Unternehmen Möglichkeiten, Asylbewerbern ein Praktikum oder eine Ausbildung anzubieten. „Es scheitert an den Sprachkenntnissen“, so sein Fazit, während „Flüchtlinge nicht einmal annähernd den drastischen Rückgang an Schulabgängern und Bewerbern ausgleichen können“ und Stellen unbesetzt bleiben.

Hilfe bei der Vermittlung bieten die IHK, die GGUA, Jobcenter und Arbeitsagentur.

Wifo-Vorsitzender Bernard Hillebrand nannte den professionellen Input zum Thema Flüchtlinge und Arbeit eine „Wifo-Kernaufgabe“. „Wir müssen hier vor Ort sehen, was wir machen können“, sagte er und rechnete damit, dass das Thema weiter Fahrt aufnimmt.

Leserkommentare

Wie bewerten Sie diesen Artikel?

Vielen Dank für Ihre Bewertung.

Nur eine Abstimmung möglich!

Ihre Bewertung wurde geändert.

  • Derzeit 0 von 5 Sternen.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertung: 0/5

1 Stern = überhaupt nicht gut; 5 Sterne = hervorragend

Google-Anzeigen

Mehr zum Thema

Anzeige

kfzmarkt.ms Anzeigen

Autos, Motorräder, Wohnmobile und Nutzfahrzeuge aus Ihrer Region



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3739972?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F