Fr., 22.01.2016

Standort Mergenthaler Straße Hochemotional

Auch künftig werden täglich Tausende von Flüchtlingen nach Deutschland kommen. Sie brauchen ein Dach über dem Kopf. Die Verwaltung möchte deshalb jetzt auch eine Großunterkunft im Gewerbegebiet Mergenthaler Straße errichten (kleines Bild).

Auch künftig werden täglich Tausende von Flüchtlingen nach Deutschland kommen. Sie brauchen ein Dach über dem Kopf. Die Verwaltung möchte deshalb jetzt auch eine Großunterkunft im Gewerbegebiet Mergenthaler Straße errichten (kleines Bild). Foto: dpa/Barbara Gindl/Ulrich Reske (kleines Bild)

Greven - 

Manche befürchten das Entstehen eines Flüchtlingsdorfes, andere sehen die Not der Stadt, die keine Alternativen hat. Der Bürgermeister informierte nun die Fraktionsspitzen über die geplante Flüchtlingsunterkunft an der Mergenthaler Straße. Bei dem Treffen ging es durchaus emotional zu.

Von Ulrich Reske

Das gemeinsame Bier nach einem hoch emotionalen Treffen der Fraktionsvertreter beim Bürgermeister über den neuen Standort für Flüchtlinge an der Mergenthaler Straße spricht Bände – keine konfrontative Zusammenkunft, sondern das Bemühen um einen Konsens – das ziehen die Teilnehmer als Fazit.

Selbst bei positiven Prognosen, fasst SPD-Fraktionschef Dr. Christian Krieges­kotte seinen Eindruck zusammen, käme man um den Standort an der Mergenthaler Straße nicht herum. Er weiß allerdings auch, dass es in seiner Fraktion Gegner diese Pläne gibt. „Die können sich das nicht vorstellen.“ Schier unvorstellbar ist aber auch für den SPD-Fraktionschef, dass insgesamt 750 Menschen in der Peripherie Grevens zusammengezogen leben – eine Zahl übrigens, die Stadtsprecher Klaus Hoffstadt gegenüber den WN ausdrücklich dementierte. „Der Bürgermeister hat nie von solchen Zahlen gesprochen. Wir entwickeln den Standort für 250 Menschen.“

Vorgeprescht bei der Debatte waren die Grünen. Grundsätzlich habe sich diese Position nicht geändert, erklärt Grünen-Fraktionschef Dr. Michael Kösters-Kraft auf Nachfrage. Zustimmen würde man letztlich aber wohl, wenn alle anderen Optionen nicht mehr greifen. Ausdrücklich betonte der Grünen-Chef, dass man niemandem in der „Verwaltung auf die Füße treten wolle“.

Die im Vorfeld geäußerte Kritik der Grünen an der Verwaltung hatte vor allem CDU-Fraktionschef Jürgen Diesfeld in Harnisch gebracht. „Die setzen sich im Rathaus sehr professionell damit auseinander“, versteht er die fundamentale Grünen-Kritik nicht. „Die haben doch schließlich auch dem Grundstücksgeschäft zugestimmt.“ Für Diesfeld gibt es zur Mergenthaler Straße keine echte Alternative. Bei den Grünen heiße das derzeit wohl: „Geht nicht, gibt´s nicht, kommt nicht in Frage.“

Seit dem Treffen mit den Unternehmern der Mergenthaler Straße geistert die Zahl von maximal 750 Flüchtlingen im Raum. „Dafür gibt es von uns kein Placet“, sagt Diesfeld.

„Ein Flüchtlingsdorf“, ergänzt Ernst Reiling von Reckenfeld direkt wolle wirklich niemand. Grundsätzlich werde aber auch seine Fraktion der Ausweisung dieses Standortes zustimmen. „Da kann man nicht nein sagen“, erklärt Reiling, der bisher zu den entschiedensten Gegnern einer solchen Massierung von Flüchtlingen an einem Ort zählte.

Für Linken-Fraktionschef Thomas Hudalla ist die Mergenthaler Straße nur „Ultima Ratio“. Es räche sich nun, dass Boomtown Greven den sozialen Wohnungsbau vernachlässigt habe. Zum Projekt selbst erklärte der Linke: „Da muss die Stadt noch eine Schüppe drauflegen.“ Er fordert mehr Teilhabe am Stadtleben, Freizeit- und Spielmöglichkeiten.

„Schade, dass die Grünen vorgeprescht sind,“ ärgert sich FDP-Fraktionschef Wilfried Roth. Er setzt auf interfraktionellen Konsens. Nach Rücksprache mit der eigenen Fraktion werde man sich in den nächsten Tagen positionieren.

Stadtsprecher Klaus Hoffstadt betonte im Gespräch mit den WN noch einmal, dass man keine Alternative zur Mergenthaler Straße – „wir sprechen von Wentruper Mark“ – habe. Sie sei kein Ersatz für bereits geplante Standorte, sondern man brauche sie zusätzlich, wolle man nicht riskieren, dass eines Tages Flüchtlinge ohne Dach über dem Kopf dastünden. „Klar ist aber, dass wir dort einen größeren Bedarf an Betreuung haben und auch zumindest auf längere Sicht Begegnungsräume und einen Spiel- und Bolzplatz brauchen“, sagte der Stadtsprecher.

Leserkommentare

Wie bewerten Sie diesen Artikel?

Vielen Dank für Ihre Bewertung.

Nur eine Abstimmung möglich!

Ihre Bewertung wurde geändert.

  • Derzeit 0 von 5 Sternen.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertung: 0/5

1 Stern = überhaupt nicht gut; 5 Sterne = hervorragend

Google-Anzeigen

Mehr zum Thema

Anzeige

karriere.ms Anzeigen

Ihr Jobportal für unbefristete und befristete Stellenangebote aus dem Münsterland



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3754586?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F