Fr., 22.01.2016

Flüchtlingshelfer sind skeptisch „Völlig kontraproduktiv“

Hunderte Flüchtlinge an einem Standort: Integration, die hier im DJK-Heim gut klappt, wäre dann kaum mehr möglich, befürchtet die Flüchtlingshilfe.

Hunderte Flüchtlinge an einem Standort: Integration, die hier im DJK-Heim gut klappt, wäre dann kaum mehr möglich, befürchtet die Flüchtlingshilfe. Foto: Oliver Hengst

Greven - 

„Keinerlei Infrastruktur, keine Einkaufsmöglichkeiten, keine Kitas, keine Schulen, gar nichts“ – wer Heinz Kues nach seiner Einschätzung fragt, bekommt eine klare Antwort: „Als Standort nicht geeignet.“ Mitstreiter Bernhard Hülsken wollte nach dieser Nachricht gar die Brocken hinwerfen.

Von Oliver Hengst

Heinz Kues von der Flüchtlingshilfe hält den Standort für „nicht geeignet“. Das machte er am Rande eines Redaktionsgespräches deutlich (Berichterstattung folgt nächste Woche). Das Areal liege weitab von der Innenstadt, „da gibt es keinerlei Infrastruktur, keine Einkaufsmöglichkeiten, keine Kitas, keine Schulen, gar nichts.“ Er würde sich „dringend wünschen, dass über Alternativen im Stadtgebiet nachgedacht wird“. Auch die geplante Größe bringe Ehrenamtliche an ihre Grenzen. „Damit wären wir völlig überfordert.“ Im Hinblick auf Integration sei ein solcher Standort „völlig kontraproduktiv“.

Für Torsten von Düllen, Leiter des Fachdienstes Arbeit und Soziales im Rathaus, ist die Unterkunft „eine Notmaßnahme, weil das Land die Notunterkunft abgesagt hat. Das muss man ganz klar so sagen.“ Er spricht wegen der entsprechenden Anbindung im Übrigen lieber vom Standort „Wentruper Mark“. Die Lagebeurteilt er als „nicht so kritisch. Die nächste Bushaltestelle ist 350 Meter entfernt.“ Ein Lebensmittelmarkt an der Saerbecker Straße sei so unter anderem gut zu erreichen. Letztlich entscheiden müsse die Politik in der HFWA-Sitzung am kommenden Mittwoch. Alternativen gibt es aus seiner Sicht hingegen nicht.

Dr. Bernhard Hülskens (Flüchtlingshilfe) erste Reaktion, als er von dem Standort erfuhr: „Jetzt reicht’s. Macht euren Sch... allein“. Das vierzeilige Fax, mit dem das Land die Pläne einer Notunterkunft begraben hatte, empfinde er „als Affront gegenüber mir und vielen anderen, die sich täglich bemühen. Mein Vater hätte früher gesagt: So etwas tut man nicht.“ Inzwischen ist klar: Hülsken macht weiter. Der Ärger aber sitzt tief.

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