Mo., 25.01.2016

„Choral Evensong“ Kirchenchor betritt ungewohntes Terrain

 

  Foto: GF

Greven - 

Der Kirchenchor St. Josef versucht sich an einer alternativen Gottesdienstform, die in Köln bereits zum festen Repertoire des Domchores gehört.

In der Mitte des 16. Jahrhunderts legte der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Thomas Cranmer, in seiner Agende die sogenannten „services“ fest, von denen sich der Choral „Evensong“, das musikalische Abendlob, heute noch stetig wachsender Beliebtheit erfreut, sogar über die Grenzen Englands hinaus.

Basierend auf der benediktinischen Stundengebetstradition verband Cranmer Elemente der Vesper (Abendgebet) und der Komplet (Nachtgebet) so miteinander, dass eine neue dramaturgisch wie musikalisch höchst interessante Form entstand. Unverrückbare Bestandteile dieser neuen Form sind das „Magnificat“ (Vesper) und das „Nunc dimittis“ (Komplet), eingebettet in Schriftlesungen, Psalmen und Fürbitten.

Erstmalig in Greven hat der Kirchenchor St. Josef unter der Leitung von Klaus Michael Plöger diese alternative Gottesdienstform, die beispielsweise in Köln schon zum festen Repertoire des Domchores gehört, aufgegriffen und wird am kommenden Sonntag, 31. Januar, um 17 Uhr in der Stadt – und Marktkirche St. Martinus mit Pfarrer em. Dr. Heinz-Georg Surmund (liturgische Leitung) und Kantor Sebastian Bange an der Orgel das musikalische Abendlob gestalten.

Zu improvisierendem Orgelspiel (Präambel zum Invitatorium) ziehen Chor und Liturge in die sparsam beleuchtete Kirche ein. Nach dem Invitatorium erklingt der Psalm 150 „Halleluja! Laudate Dominum in sanctis eius“ von César Franck, gefolgt von der ersten Perikope aus dem Lukasevangelium; diese mündet im Lobgesang Mariens, dem „Magnificat“, das anschließend in der Vertonung von Charles V. Stanford (op. 115) von Chor und Orgel musikalisch gedeutet wird.

Der zweite Abschnitt des Lukas-Evangeliums endet mit dem „Benedictus“, dem Lobgesang des Zacharias. Dieses Canticum ist zwar Bestandteil der Laudes (Morgenlob), wurde hier aber trotzdem mit einbezogen, um über die Weihnachtsgeschichte nahtlos den Bogen zu spannen zum Lobgesang des Simeon (3. Perikope) anlässlich der Darstellung Jesu im Tempel (Charles V. Stanford, Nunc dimittis op. 115).

Die musikalische Andacht schließt nach Gebet und Segen mit dem gemeinsamen Lied „Bleib bei mir, Herr! Der Abend bricht herein.“ Die Anwesenden verharren stehend, während Chor und Liturge zu den Klängen der Orgel (Henry Smart, Postlude in C) die Kirche verlassen.

Obwohl der Choral Evensong stark geprägt ist von durchaus anspruchsvoller Chormusik, ist er doch in erster Linie Gottesdienst. Eintrittsgebühren verbieten sich daher von selbst.

„Wagen Sie sich also getrost auf ein – vielleicht heute noch – ungewohntes Terrain und teilen Sie uns Ihre Eindrücke mit“, heißt es abschließend in der Pressemitteilung des Kirchenchores.

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