Di., 26.01.2016

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus Nachdenkliche Rückmeldungen

Die musikalische Lesung war eine Herausforderung für das junge Publikum, die dennoch Wirkung erzielte.

Die musikalische Lesung war eine Herausforderung für das junge Publikum, die dennoch Wirkung erzielte. Foto: Gesamtschule

Greven - 

Ein Mann, eine Geige und eine Stimme – sonst nichts. Gerade diese Schlichtheit machte die Eindringlichkeit des Vortrags von Roland Seiler aus bei der musikalische Lesung in der Jugendkirche Mary’s. Gebannt folgten die Schüler der Gesamtschule dem Gedenken an die Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar 1945.

Der 27. Januar ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Er nimmt Bezug auf den 27. Januar 1945, den Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Ausschwitz-Birkenau und der anderen beiden Konzentrationslager Ausschwitz.

Um die Erinnerung wachzuhalten, wird an der Gesamtschule das Thema der Judenverfolgung und der diskriminierenden Rassenpolitik im Dritten Reich in verschiedenen Zusammenhängen, vor allem im Fach Deutsch durch die Lektüre von Büchern, behandelt.

Um den Jugendlichen ein schwieriges Thema der deutschen Geschichte auf außergewöhnliche Weise nahe zu bringen, veranstaltete die Schule nun eine musikalische Lesung in der Jugendkirche Mary’s.

Ein Mann, eine Geige und eine Stimme – sonst nichts. Gerade diese Schlichtheit machte die Eindringlichkeit des Vortrags von Roland Seiler aus. Damit erreichte der Sänger, Schauspieler und Stimmpädagoge aus Würzburg die Schüler des achten Jahrgangs der Gesamtschule. Sie verstanden das Situative in dem Zusammenspiel zwischen den melancholischen Musikpassagen und der dazu gehörenden Handlung, indem er die Stimmen von Überlebenden des Naziterrors verwoben mit den wehmütigen Klängen der traditionellen Roma-Musik auf der Geige erklingen ließ.

Aus dem Blickwinkel des damals zehnjährigen Otto Dov Kulka, der später ein angesehener Historiker wurde, und des damals 14-jährigen Imre Kertesz, dem späteren ungarischen Literaturnobelpreisträger, kam das eigentlich Unaussprechliche in kindlicher Unverstelltheit und ohne jegliche Anklage zur Sprache. Die Intensität des Vortrags stellte zwar eine Herausforderung an die Hörgewohnheiten des jungen Publikums dar, aber die nachdenklichen Rückmeldungen im darauffolgenden Klassengespräch zeigten, dass die Jugendlichen von dem Schicksal der verfolgten und geschundenen Kinder damals angerührt waren.

Auch der aktuelle Bezug zu der Verfolgung von Millionen von Menschen heute in aller Welt war den Achtklässlern durchaus deutlich. Nie wieder soll unser Land von derart menschenverachtenden Ideologien beherrscht und geleitet werden wie vor rund 70 Jahren – das war die Erkenntnis des Tages, verbunden mit dem Gefühl der Dankbarkeit, in einer Demokratie zu leben, die für die Grundrechte aller Menschen eintritt.

Leserkommentare

Wie bewerten Sie diesen Artikel?

Vielen Dank für Ihre Bewertung.

Nur eine Abstimmung möglich!

Ihre Bewertung wurde geändert.

  • Derzeit 0 von 5 Sternen.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertung: 0/5

1 Stern = überhaupt nicht gut; 5 Sterne = hervorragend

Google-Anzeigen
Anzeige

kfzmarkt.ms Anzeigen

Autos, Motorräder, Wohnmobile und Nutzfahrzeuge aus Ihrer Region



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3763102?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F