Di., 09.02.2016

Diamant-Hochzeit im Hause Binder Wie Adenauer den Alt-Bürgermeister zum Roten machte

Überraschung gelungen: Das Seniorenorchester spielte zum Diamantständchen im Hause Binder auf.

Überraschung gelungen: Das Seniorenorchester spielte zum Diamantständchen im Hause Binder auf. Foto: res

Greven - 

Ihre Liebe begann im Textilwerk Schründer Cramer vor 66 Jahren. Seit 60 Jahren sind Hubert und Maria Binder verheiratet.

Von Ulrich Reske

Bei dieser Diamant-Hochzeit lebt alte textile Herrlichkeit wieder auf, denn nie hätte die Maria ihren Hubert kennen und lieben gelernt, wenn nicht die Textilindustrie die beiden Binders zusammengebracht hätte. 1949 war das: Die Bauerstochter Maria wechselte als Hauswirtschafterin vom Hof in Hiddingsel in den Textil-Großhandel Schründer an die Königsstraße. Hubert Binder hatte es nach der Flucht aus Schlesien ins Münsterland verschlagen. Als gelernter Schmied ging es zunächst auf einen Hof nach Riesenbeck, dann als Weber ins Grevener Textilwerk Schründer und Cramer, wo Maria inzwischen wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten arbeitete. „Da hat es gefunkt“, erinnert sich Hubert Binder an den Beginn der langen Liebe.

„Wir mussten heiraten“, schmunzelt der 83-Jährige Alt-Bürgermeister und ergänzt nach leicht empörter Intervention seiner 87-jährigen Partnerin „wegen des Wohnberechtigungsscheins.“ Der bescherte den Binders die Werkswohnung am Siedlungsweg. Kinder ließen übrigens nicht lange auf sich warten. Zwei Töchter, die 1957 und 1958 geboren wurden, haben den Eheleuten zwei Enkel und drei Urenkel beschert.

Der Textilindustrie blieben die Binders verbunden. Hubert Binder fand frühzeitig den Weg in die gewerkschaftliche Arbeit, der er sich seit 1971 auch hauptberuflich als Gewerkschaftssekretär in der Gewerkschaft Textil Bekleidung (GTB) widmete. Als diese wegen des merklichen Rückgangs in der Textilindustrie in der IG Metall aufging, wechselte der Gewerkschafter in den Ruhestand. Ein Textiler eben, und kein Metaller

Na klar ist Hubert Binder eingefleischter Sozialdemokrat. Nicht zuletzt das gemeinsame Porträt auf dem Sideboard im Wohnzimmer mit der Ministerpräsidentin anlässlich des 100. Geburtstages der Grevener SPD zeugt von der politischen Liebe. Doch es hätte auch anders kommen können, verrät Grevens „Elder Statesman“. „Ich war drauf und dran, in die CDU einzutreten.“ Das gewerkschaftlich ausgerichtete Ahlener Programm der Union hatte ihn mehr überzeugt als das Godesberger Programm seiner „Sozen“. Doch Konrad Adenauers Schulterschluss mit der Wirtschaft machte Hubert Binder zum Roten.

Der genießt heute das gemeinsame Leben mit seiner Maria. Der Spaziergang ist nach schwerer Krankheit, die er vor drei Jahren überwand, täglich gepflegte Übung. Genauso wie der Gang in den Keller. Da steht das Akkordeon. „Eine Stunde spielt er mindestens,“ sagt die Ehefrau. Heute allerdings nicht. Dafür musiziert das Seniorenorchester mit Überraschungsständchen.

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