Mi., 10.02.2016

Biogas-Anlagen Weiterhin Probleme

Appetitlich sieht der Abwasserpilz nicht aus. Er entwickelt sich dort, wo es kontinuierliche Einträge mit organisch belastetem Wasser gibt.

Appetitlich sieht der Abwasserpilz nicht aus. Er entwickelt sich dort, wo es kontinuierliche Einträge mit organisch belastetem Wasser gibt. Foto: Niepagenkemper

Greven - 

Das organisch verunreinigte Grundwasser ist für die Biogas-Anlagen ein echtes Problem.

Von Thomas Starkmann

Sobald das Wasser reichlich vom Himmel fällt, sind die Probleme da. „Der Grundwasserstand ist hier einfach zu hoch“, sagt Bernhard Averbeck. Ein Blick auf die Umgebung bestätigt dies: Überall steht das blanke Wasser auf den Äckern. Was von dort versickert oder in den nächsten Vorfluter läuft, bereitet aber keine Probleme. Anders sieht es bei der Biogasanlage an der Schmedehausener Straße aus, die Averbeck unter seinen Fittichen hat. Das Oberflächenwasser von dort sollte tunlichst nicht den direkten Weg in den Graben nehmen. Denn es kann durch Sickerwässer aus den Silagen organisch stark belastet sein. Erst vor kurzem hatte der Landesfischereiverband sogar Landwirte verklagt, weil Sickerwässer aus deren Anlagen Gewässer organisch verunreinigt haben soll. Dies fördert den so genannten Abwasserpilz, der die Fischbrut schädigt.

Um genau das zu verhindern, hatte die Saerbecker Firma A3 Water Solutions im vergangenen Jahr eine Pilotanlage installiert, bei der das Wasser mit Hilfe eines patentierten Filtersystems gereinigt wird. „Das funktioniert auch gut“, sagt Averbeck. Das Problem: Die Kapazitäten sind begrenzt. Regnet es stark, ist der Teich wegen des hohen Grundwasserstandes schnell voll und droht überzulaufen. „Wir pumpen das Wasser deshalb ab und fahren es mit Genehmigung der Bezirksregierung auf die Äcker“, sagt Averbeck. Was aber sehr aufwendig ist. Andersrum ist das Sickerwasser bei frischer Silage manchmal so stark konzentriert, dass die Filteranlage an ihre Grenzen kommt.

Als Lösung sieht Ulrich Brüß von A3 Water Solutions eine Art „Weiche“. „Das hochkonzentrierte Sickerwasser geht dann in die Biogasanlage und wird weiter verwertet. Das schwach belastete fließt in den Teich.“ Ein Messfühler soll den Vorgang steuern, ist aber noch in der Erprobungsphase. Brüß hat vermehrt Anfragen von Anlagenbetreibern bekommen, die sich für sein Filtersystem interessieren. Doch bei Kosten zwischen 50 000 und 100 000 Euro winken die meisten ab.

Bei der Biogasanlage von Tobias Werning am Schifffahrter Damm werden „Sauberwasser“ und „Schlechtwasser“ getrennt, wobei das „Schlechtwasser“ in die Anlage geht. „Die Bezirksregierung hat keine Beanstandungen gehabt“, sagt Tobias Werning.

Ulrich Brüß glaubt allerdings, dass eine 100-prozentige Trennung mit den bisherigen Methoden kaum funktioniert. Und auch Dr. Olaf Niepagenkemper vom Landesfischereiverband, der den Stein ins Rollen brachte, hat die Erfahrung gemacht: „Viele Anlagen sehen aus wie geleckt, und trotzdem läuft hinten belastetes Wasser in den Graben.“ Ihm ist bewusst, dass dies nicht nur ein Problem der Biogasanlagen ist. „Im Prinzip kommt aus jedem Misthaufen etwas raus.“ Und weil das so ist, wollen Fischereiverband und Westfälisch-lippischer Landwirtschaftsverband gemeinsam an konstruktiven Lösungen arbeiten.

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