So., 06.03.2016

„Songbirds Collective“ Von sonderbar bis suspekt

Alle Musikerinnen zusammen auf der Bühne – das gab es nur selten. Zumeist trugen die vier Künstlerinnen jeweils einzeln „ihre“ Stücke vor, während die anderen hinter der Bühne verschwanden. Von „Collective“ keine Spur.  

Alle Musikerinnen zusammen auf der Bühne – das gab es nur selten. Zumeist trugen die vier Künstlerinnen jeweils einzeln „ihre“ Stücke vor, während die anderen hinter der Bühne verschwanden. Von „Collective“ keine Spur.   Foto: Jannis Beckermann

Greven - 

Müsste man das, was die vier Damen von „Songbirds Collective“ präsentierten, in einem Wort zusammenfassen, dann wäre es wohl: sonderbar. Oder wie es einer der spärlich erschienenen Zuhörer (knapp 30) formulierte: „Hochinteressant, aber gewiss nichts für zu Hause.“

Von Jannis Beckermann

Manchmal passen Sprichworte besser als alles andere: Nomen est omen. Ja, die Namen waren irgendwie Programm bei diesem Konzert in der Kulturschmiede. Wer auf Vornamen wie Daisy, Kyrie, Ashia oder Rachelle hört, der ist schon qua Reisepass nicht im Mainstream unterwegs. Die vier Nordamerikanerinnen von „Songbirds Collective“ verliehen dieser Regel am Samstagabend auf Einladung der Kulturinitiative (KI) auch musikalischen Gehalt.

Denn müsste man das, was die vier Damen an Klavier, Cello, Akkordeon und Co. präsentierten, in einem Wort zusammenfassen, dann wäre es wohl: sonderbar. Oder wie es einer der spärlich erschienenen Zuhörer (knapp 30) formulierte: „Hochinteressant, aber gewiss nichts für zu Hause.“

Warum dieses Urteil? Den Anfang machte die Struktur des Konzertes, bei dem die vier Künstlerinnen vor allem einzeln Stücke vortrugen, während sich die anderen hinter die Kulissen zurückzogen – also eher einzelne Singvögel waren, statt die namensgebenden, gemeinsam musizierenden „Songbirds Collective“.

Zu hören bekam das Publikum deshalb den jeweils individuellen Stil jeder der vier Singer-Songwriterinnen, deren Qualität sich aber vor allem aufs Gesangliche beschränkte. Verträumte, melancholische Balladen und Chansons wechselten sich ab mit teils ironischen Stücken und am Pult zusammengemixten Klangexperimenten.

Besonders Cellistin Ashia Bison Rouge beschäftigte sich mit Händen und Füßen damit, an ihrem Schaltpult mal wirre, mal klare, bisweilen dröhnende Töne in ihren Soloauftritt hineinzudrehen. Vermissen ließ sie dabei wie ihre Kolleginnen Glanzlichter beim Spiel ihres Instrumentes, hier des Cellos, das sie nur spärlich für Akkorde und einfache Töne bespielte, quasi links liegen ließ für Klänge aus der elektronischen Mischbox, statt selbst zum Bogen zu greifen.

Dieser eher enttäuschende Eindruck zum Instrumentalspiel zog sich durch den gesamten Abend, der offiziell zwischen Folk, Pop, Klassik und Jazz wandeln sollte, insgeheim aber auf eher einfache Rhythmik beschränkt blieb bei Cellistin Bison Rouge wie auch bei ihren Kolleginnen Chapman, Kristmanson und Garniez an Klavier, Akkordeon, Gitarre oder Trompete.

Positiv stachen daher nur gekonnte gesangliche Passagen heraus, mit denen die Künstlerinnen ihrer Umschreibung als Songwriterinnen gerecht wurden.

Der Versuch, Komik in Texte und Programm einzubauen, gelang wiederum nur bedingt. Manch einem Zuhörer blieb die Musik der Gruppe bis zum Schluss suspekt. Ein eigenwilliger Konzertabend.

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