So., 06.03.2016

Führungen an der Saerbecker Straße Der Friedhof der Zukunft

Bis zu 12 000 Grabstellen findet man auf dem Grevener Friedhof. Aktuell sind knapp 400 Doppelgräber frei, weil der Trend zu Urnen- und Einzelgräbern geht.

Bis zu 12 000 Grabstellen findet man auf dem Grevener Friedhof. Aktuell sind knapp 400 Doppelgräber frei, weil der Trend zu Urnen- und Einzelgräbern geht. Foto: Jannis Beckermann

Greven - 

Hendrik Schlott, der sich für die Martinusgemeinde federführend um die Grabanlagen kümmert, bereitet der Trend zu Einzel- und Urnengräbern durchaus Bauchschmerzen. Denn dadurch bleiben klassische Doppelgräber ungenutzt. Das erfuhren Teilnehmer einer Führung.

Von Jannis Beckermann

Als Henrik Schlott die Zahlen nennt, geht erst mal ein Raunen durch die Gruppe, die eine Führung über den Grevener Friedhof macht. 10- bis 12 000 Grabstellen insgesamt – so viele Ruhestätten haben die wenigsten auf dem Friedhof an der Saerbecker Straße vermutet. Die Krux aus Sicht des Gärtners ist aber eine andere Zahl: „Knapp 400 Doppelgräber davon sind frei“, sagt Henrik Schlott.

Dem Mann, der sich für die Martinusgemeinde federführend um die Grabanlagen kümmert, bereitet dieser stetig steigende „Leerstand“ bei den klassischen Ehegräbern nicht erst seit gestern Bauchschmerzen. Denn die Zeiten, in denen beliebte Grabflächen auf dem verwinkelten, alten Friedhofsteil rar waren, sind längst vorbei. Urnen- und Einzelgräber sind der Trend. „Klein, pflegeleicht und günstig: So wünschen sich das viele“, weiß Schlott um den Wandel der Bestattungskultur. Der Tod ist nüchtern betrachtet eben auch eine Kostenfrage.

Das Problem: Der Friedhof mit seinen Wegen und Beeten will trotzdem weiter gepflegt werden. „Und der, der es sauber macht, muss auch von etwas leben“, entgegnet der Gärtner auf eine Frage nach allzu hohen Grabpreisen.

Passende Antworten auf den Zeitgeist zu finden, ist daher ein schwieriges Unterfangen. Der moderne „Garten der Erinnerung“, der seit gut einem Jahr existiert, ist ein Versuch. Jeder bekommt in diesem Abschnitt ein Denkmal, eine Art Stele als Grabstein, um Grabbepflanzung und Pflege kümmern sich dann Schlott und seine Gärtnerkollegen, weil Angehörige zum Beispiel nicht mehr am Ort wohnen oder schlichtweg entlastet werden wollen. Der Gedanke: „Die Leute sollen nicht nur zum Friedhof hin müssen, sondern hin wollen“, sagt Pastoralreferentin Maria Wagner über das Projekt, das bei den Urnen schon jetzt an seine Grenzen stößt. Eine Erweiterung ist daher bereits im Bau.

Ohnehin sei Veränderung auf dem Friedhof nicht allein aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoll, findet Wagner: „Ein Friedhof muss mit der Zeit gehen, wenn er das bleiben soll, was er ist: ein Ort der Begegnung, den man gerne hat, selbst wenn wir Tod und Trauer mit ihm verbinden.“

Weil es in Greven keinen städtischen Friedhof gibt, gehören an der Saerbecker Straße auch muslimische Beerdigungen zu dieser Entwicklung. Andere Formen der Grabpflege, rituelle Waschungen, Beerdigungen innerhalb von 24 Stunden – mittlerweile ist das Teil des Alltags für den Friedhofsgärtner, erfahren die Teilnehmer des Rundganges, der in Zukunft regelmäßig über Formen und Möglichkeiten der Bestattung informieren soll.

Das Bild, das sich den Besuchern bietet, wird sich allerdings peu à peu ändern, prognostiziert Gärtner Henrik Schlott und bemüht dafür eine letzte Zahl. Ein Sarg braucht knapp zwei, eine Urne nur einen halben Quadratmeter Platz. Der Friedhof der Zukunft wird also vor allem eines sein: kleiner.

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