So., 06.03.2016

Einklang-Auftakt Schuberts „Winterreise“ 2.0

Die münstersche Einklang-Philharmonie unter der Leitung von Dirigent Joachim Harder boten ein interessantes Klangexperiment.

Die münstersche Einklang-Philharmonie unter der Leitung von Dirigent Joachim Harder boten ein interessantes Klangexperiment. Foto: Jannis Beckermann

Greven - 

Was die münstersche Einklang-Philharmonie unter der Leitung von Dirigent Joachim Harder am Freitag für Freunde der klassischen Musik aufgeboten hatte, war ein interessantes Klangexperiment mit Liebe zum Detail.

Von Janis Beckermann

Es war in doppelter Hinsicht ein melancholisch geprägter Freitagabend im Ballenlager. Zum einen wegen Schuberts „Winterreise“, dem Romantik-Stück par excellence, das die Stimmung von Winter, Kälte und Düsterkeit wie kein anderes Werk in Töne fasst. Und zum anderen wegen zahlreicher leerer Stühle, die dieses Konzert und seine Musiker bei weitem nicht verdient hatten.

Denn das, was die münstersche Einklang-Philharmonie unter der Leitung von Dirigent Joachim Harder am Freitag für Freunde der klassischen Musik aufgeboten hatte, war eigentlich ein interessantes Klangexperiment, legt man zugrunde, mit welcher Liebe zum Detail dieses Konzert daherkam. Vielleicht war es aber genau deshalb so schlecht besucht – nur knapp 30 Zuhörer verloren sich ins Ballenlager, wo sonst mehrere hundert Besucher Konzerten lauschen.

Thema war der weltweit bekannte Liederzyklus Schuberts, allerdings nicht in der Originalversion für Klavier und Gesangssolist, sondern als zeitgenössische Adaption für Solist und Orchester, geschrieben von Hans Zender 1993. Einzig wirklich bekannte Elemente waren dabei die Texte Wilhelm Müllers und jene Grundmelodien, die Schubert einst zu ihnen geschrieben hat. Alles andere geriet zu einer Art Spielwiese für Fans der modernen klassischen Musik.

Schon der Auftakt gestaltete sich unkonventionell: Nicht mehr als ein seichtes Zupfen an den Saiten der Streichinstrumente läutete ganz leise das „Fremd bin ich eingezogen“ ein, das Tenor Michael Mogl wie auch die weitere Gesangspassagen gekonnt vortrug.

Untermalt und teilweise bewusst unterbrochen wurde sein Gesang von teils klangmalerischen Passagen, in denen etwa die Violinisten im Gitarrengriff ihre Instrumente bespielten oder die Bläser Wind oder Sturm imitierten. Auch Windmaschinen und Harmonikas kamen kunstvoll zum Einsatz genauso wie dissonante Passagen, die den ungewöhnlichen Charakter des Konzertes verstärkten.

In der Umsetzung ganz anders als die ursprüngliche Klaviervorlage, wandelte diese „Winterreise 2.0“ stimmungsmäßig jedoch in jenen gewohnten Gefilden, die das Werk ausmachen: Der Leiermann als Metapher des Todes, die Versunkenheit beim Lindenbaum – den romantischen Kern vermochte Dirigent Harder mit seinen Musikern zwar nicht virtuos, aber insgesamt gelungen zu vermitteln.

Wer beim Zuhören die Augen schloss, konnte dann auch die so trist anmutende Szenerie leerer Stuhlreihen vergessen.

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