Sa., 12.03.2016

Der neue Wifo-Präsident im Gespräch „Mehrwert für Unternehmen schaffen“

Wifo-Chef Klaus Struffert bezeichnet sich selbst als Frohnatur. Da versteht es sich, dass auch beim neuen Amt der Spaßfaktor hoch ist.

Wifo-Chef Klaus Struffert bezeichnet sich selbst als Frohnatur. Da versteht es sich, dass auch beim neuen Amt der Spaßfaktor hoch ist. Foto: res

Es ist ein Novum beim Wifo: Präsident, Stellvertreter, wieder Präsident. Klaus Struffert, Setex-Textiler, hat das geschafft und bekennt im Gespräch mit Redaktionsleiter Ulrich Reske, dass er richtig Spaß an dieser Aufgabe habe. Eine „Herzensangelegenheit“, die er mit Volldampf in seiner Amtszeit angehen möchte, ist die Integration von Flüchtlingen in den heimischen Betrieben.

Andere drücken sich vor Ehrenämtern. Sie wollen gleich zweimal Vorsitzender werden. Warum?

Struffert: Okay, ich bin Ur-Grevener und fühle mich Greven extrem verpflichtet, fühle mich wohl hier und habe, ganz ehrlich, Spaß an dieser Aufgabe.

Was sorgt für diesen Spaßfaktor?

Struffert: Man bewegt etwas. Schauen Sie sich den Niederort an. Da liegen noch weitere Baustellen vor uns, etwa die Rathausstraße. Da sind Dinge, die möchten wir bewegen. Und wir tun das auch.

Sie könnten ja auch in die Kommunalpolitik gehen?

Struffert: Ja, natürlich. Doch das Wifo hat sicherlich mehr Einfluss als verschiedene Fraktionen, die ja eine unterschiedliche Sprache sprechen.

Und das Wifo spricht mit einer Stimme?

Struffert: Wir ziehen alle an einem Strang. Selbst wenn einer eine etwas andere Meinung hat, steht er hinter dem, was die Mehrheit als Position festgelegt hat.

Sie selbst stehen bei Setex nicht mehr an vorderster Front, sind trotzdem Wifo-Präsident. Müssen da nicht eher die Chefs ran?

Struffert: Das ist ein Amt für diejenigen, die etwas bewegen wollen. Ob man Chef ist oder nicht spielt da keine Rolle. Ich fühle mich der Firma weiter sehr verpflichtet. Ich will sie nach vorne bringen mit meiner ganzen Kraft, und dann kann man sich in seiner freien Zeit auch um Greven kümmern.

Könnte man denn sagen, dass die Chefs von Unternehmen vielleicht nach außen die größere Durchschlagskraft haben?

Struffert: Das würde ich so gar nicht sagen. Es kommt darauf an, wie man sich engagiert und präsentiert.

Apropos Chefs: Der scheidende Präsident ist ein mittelständischer Architekt, der künftige ein Galerist. Ist das nicht als Sprachrohr für die Grevener Wirtschaft ein bisschen zu wenig?

Struffert: Herr Hunold ist in der Wirtschaft sehr zu Hause, kennt viele Unternehmen. Er bringt aber auch mit seiner künstlerischen Ader ganz neue Perspektiven. Das will das Wifo: Immer wieder einen Präsidenten im Amt haben, der neue Akzente setzt.

Sie haben selbst am Beispiel Emsdettens von der höchst unterschiedlichen Identifikation mit der Stadt gesprochen. Warum sind da unsere Nachbarn offensichtlich so viel besser aufgestellt?

Struffert: Wenn Sie die Struktur in Emsdetten sehen, stellen Sie fest, dass die Eigentümer in der Stadt leben. Nennen Sie mir eine große Firma, wo der Inhaber auch vor Ort wohnt?

Ja, beispielsweise Biederlack.

Struffert: Okay, wir würden uns freuen, wenn sich Herr Ottenjann oder Herr Rensmann zur Verfügung stellen würden. Sie sind ja Mitglied im Wifo. Doch es gibt nicht mehr so viele wie in Emsdetten.

Fiege . . .

Struffert: Ich habe Herrn Fiege angesprochen. Mal sehen, was passiert. Es ist in der Tat so, das Engagement ist hoch, die Zeit wird knapper.

Könnte es auch sein, dass gerade größere Firmen sagen, wir machen unser eigenes Ding. Da brauchen wir kein Wifo? Etwa Schumacher-Packaging?

Struffert: Da ist Greven einer von verschiedenen Standorten. So oft ist Herr Schumacher gar nicht in Greven. Da ist eher vielleicht eine Identifikation mit dem FMO gegeben.

Sie selbst, aber auch Schatzmeister Dietmar Dertwinkel, haben den Finger in die Wunde gelegt. Es fehlt an neuen Mitgliedern. Gibt´s eine Strategie zur Mitgliederwerbung?

Struffert: Wir haben uns zwei Tage Zeit genommen und ein Konzept erarbeitet. Wir sind uns noch nicht in allen Punkten einig.

Nennen Sie das Wichtigste doch schon mal.

Struffert: Es muss ein Mehrwert für Unternehmen geschaffen werden, den es heute auf den ersten Blick vielleicht noch nicht gibt.

Wie sieht denn ihre eigene Werbestrategie im Unternehmer-Kollegenkreis aus?

Struffert: Direktansprache. Wir setzen beispielsweise als Grevener Unternehmen vorrangig auch Grevener Unternehmen ein, etwa im Handwerksbereich oder als Zulieferer. Und diese Firmen spreche ich laufend an und habe ab und an mit der Wifo-Werbung Erfolg.

Das Wifo, eine Truppe, die Greven nach vorne bringt. Wie positionieren Sie sich denn eigentlich im Streit um den Hagebaumarkt und sein Sortiment?

Struffert: Das möchte ich gar nicht auf den Hagebaumarkt beschränken. Herr Vennemeyer hat ja gesagt, dass die Verwaltung in diesem Jahr im kompletten Einzelhandel den Finger in die Wunde legen will. Schauen Sie sich Rossmann an. Da werden Dumpingpreise für Spielwaren gemacht. Direkt gegenüber ist ein Spielwarenhändler.

Das ist in den Grenzen der Stadt. Beim Hagebau geht es um ein Unternehmen, das außerhalb der Innenstadt -Grenzen liegt.

Struffert: Das sind von hier aus 200 Meter. Das ist nicht so richtig außerhalb. Wettbewerb muss auch sein. Ich kann keine Monopolisten aufbauen.

Das heißt, Sie haben durchaus Verständnis für die Hagebau-Position?

Struffert: Ja, auf jeden Fall.

Das letzte große Projekt in der Innenstadt, bei dem das Wifo Hand anlegte, war der Niederort. Wo wird man denn künftig Wifo-Spuren in der Innenstadt finden?

Struffert: Auf der Rathausstraße. Wir hatten schon mehrere Treffen, auch mit dem Bürgermeister. Wir wollen da ein wenig Druck machen, damit es vorangeht. Bei der Planung will natürlich auch die Politik mitsprechen, aber es gilt auch seitens des Wifos dort Vorschläge zu machen. Das ist wichtig, weil eine attraktive Innenstadt Kaufkraft nach Greven zieht. Nur mit Grevenern lasten wir die Kaufkraft nicht aus. Wir müssen Bauflächen ausweisen und auch bei Kapazitätsgrenzen im Rathaus den Finger in die Wunde legen. Da muss Gas gegeben werden.

Da hat der scheidende Wifo-Vorsitzende ja entsprechende Visionen entwickelt, Filetstücke entlang der Flussufer von Aa und Ems als Baugebiet Emsaue Süd vorgeschlagen. Setex gibt´s am alten Standort nicht mehr. War das ein Überraschungscoup ihres Vorgängers oder war das abgesprochen?

Struffert: Nein, das war im kleinen Vorstandskreis abgesprochen. Ich finde diese Idee sehr reizvoll, wenn sie nur mal überlegen wie Setex heute positioniert ist. Bei Westwind ist das nicht schön für die Wohngegend.

Da gab es ja auch schon Ärger in der Vergangenheit.

Struffert: Ja, immer dort, wo Industrie ist, gibt es Auseinandersetzungen. Deswegen finde ich diesen Vorschlag gut: die Erweiterung der Industrie im Osten und Wohnen an Ems und Aa. Das erhöht die Wohnqualität in Greven enorm.

Wo werden wir ihre Wifo-Spuren finden, die Sie als Präsident hinterlassen?

Struffert: Ich persönlich will Spuren bei der Flüchtlingsintegration hinterlassen. Beim Thema Sprache werden wir aktiv. Für uns ist das eine Riesenchance. Denken Sie an die Niederlande. Ein Vielvölkerstaat. Da funktioniert das hervorragend. Ich kenne keine besseren Händler als die Niederländer. Aber dafür müssen wir mehr schaffen, als die Menschen in Ghettos zu packen und sie mit WiFi zu versorgen, damit sie Kontakt zur Heimat pflegen. Wir müssen sie zu uns holen. In die Betriebe, zunächst als Praktikanten, dann als Arbeitskräfte. Das ist für mich eine Herzensangelegenheit.

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