Mi., 16.03.2016

Leezen für Flüchtlinge 70 Räder auf einen Schlag

Registrieren und reparieren die gespendeten Fahrräder (von links): Egbert Gehle, Wolfgang Klaus, Nacib Madri, Wilfried Sellmann und Dieter Koose.  

Registrieren und reparieren die gespendeten Fahrräder (von links): Egbert Gehle, Wolfgang Klaus, Nacib Madri, Wilfried Sellmann und Dieter Koose.   Foto: Rosi Bechtel

Greven/Reckenfeld - 

Das gab es noch nie: 70 gespendete Fahrräder an einem einzigen Tag. Eine Überlassung des städtischen Fundbüros macht es möglich. Das ehrenamtlich Team der Fahrradwerkstatt der Flüchtlingshilfe freut sich - trotz der vielen Arbeit – über diesen besonderen Rekord.

Von Rosi Bechtel

Die Projektgruppe „Fahrräder für Flüchtlinge“ besteht etwas mehr als eine Jahr. Das anvisierte Ziel, nach einem Jahr 300 Fahrräder im Pool zu haben, wurde nun erreicht. Die Projektgruppe ist unter dem organisatorischen Dach des Reckenfelder Bürgervereins „ReBüVe“ tätig und betreibt inzwischen sogar eine Zweigstelle an der Saerbecker Straße 35 in Greven.

Registrieren, Reparieren, Ausgaben

Aktuell wurden der Gruppe „FfF“ 70 Fahrräder vom Fundbüro der Stadt Greven

  Foto: Rosi Bechtel

überlassen. Diese Fahrräder wurden nicht von den Eigentümern abgeholt und kommen jetzt den Flüchtlingen zugute. „70 Räder an einem Tag, das ist eine Rekordspende“, freut sich Wolfgang Klaus, auf den jetzt allerdings eine Menge Schreibkram zukommt. Denn alle Räder werden zunächst registriert. Bevor das Rad dann an einen Asylbewerber übergeben wird, wird es auf Vordermann gebracht und dann polizeilich registriert. Wolfgang Klaus betont, dass Räder ausschließlich Asylbewerbern überlassen werden, die in den Not- und Gemeinschaftsunterkünften leben. „Bekommt jemand das Bleiberecht, so muss er das Rad zurück geben. Das ist vertraglich geregelt“, erklärt Wolfgang Klaus.

Durchbruch nach „Leezen-Alarm“

Ins Leben gerufen wurde das Projekt durch den ReBüVe. Mit einer vereinseigenen Spende in Höhe von 200 Euro konnte man erste Materialien anschaffen. Den großen Durchbruch brachte die Spende der Aktion „Leezenalarm“ durch die Grevener Schulen in Höhe von 2436,30 Euro im Oktober 2015. Hinzu kamen Fördermittel vom Kreis. Möglich wurden so eine Grundausstattung für die Werkstatt, Montageständer und diverse Ersatzteile. Das erste Rad wurde am 10. Februar 2015 überreicht. Auch dank mehrerer Aufrufe in unserer Zeitung folgten nach und nach immer mehr Räder für Erwachsene und Kinder, das 100. Rad wurde im Oktober erfasst.

Manche Leezen sind in recht ordentlichem Zustand, aber an vielen Rädern muss auch ausgiebig gewerkelt werden.

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Ich wollte nicht nur im Sessel sitzen und schauen was passiert und spenden, sondern selbst aktiv helfen. Was Reckenfeld da macht ist gut und unbürokratisch. Wir sind froh, dass wir diesen Raum hier hinter der Firma Holtgrefe gefunden haben.

Wilfried Sellmann

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Die ersten Räder wurden noch bei Wolfgang Klaus im Garten repariert. Doch als immer mehr Räder zusammen kamen, fand man in den Räumen der ehemaligen Gaststätte Ernst in Reckenfeld eine Bleibe, wo die Räder gesammelt, erfasst und reparieret werden konnten. Seit Februar diesen Jahres werden die Räder im Keller der ehemaligen Reckenfelder Hauptschule gelagert. Dort stehen die Flüchtlinge zur Öffnungszeit Schlange. Auch da ist natürlich wieder einiges an Verwaltungsarbeit zu erledigen, bevor der „Besitzer“ dann mit seinem Leihrad von dannen ziehen kann. Ein kleiner Raum im alten Teil der Schule steht jetzt als Werkstatt zur Verfügung. Im Reckenfelder Team sind drei Deutsche und ein Flüchtling damit beschäftigt, Räder zu reparieren. Helmut Getta ist der Älteste im Team und möchte weitere Flüchtlinge anlernen. Es werden dringend weitere Helfer für alle Reparaturarbeiten gebraucht. Vor allem solche, die sich mit der Reparatur der Beleuchtung auskennen.

Weiter hoher Bedarf - trotz Rekordspende

Bedarf gibt es nicht nur in der Reckenfelder Werkstatt, sondern auch in der noch jungen Zweigstelle in Greven. Wolfgang Klaus hat hier ein Team aktiviert, das jetzt auch für das Projekt des ReBüVe im Einsatz ist. Das gut gelaunte Team mit Egbert Gehle, Dieter Koose , Nacib Madri und Wilfried Sellmann steht parat, um die 70 „frischen“ Räder zu erfassen und zu reparieren. Wilfried Sellmann betont: „Ich wollte nicht nur im Sessel sitzen und schauen was passiert und spenden, sondern selbst aktiv helfen. Was Reckenfeld da macht ist gut und unbürokratisch. Wir sind froh, dass wir diesen Raum hier hinter der Firma Holtgrefe gefunden haben.“ Der Raum wird gegen eine Spendenbescheinigung überlassen, Stromkosten fallen dank der Unterstützung der Firma Holtgrefe ebenfalls nicht an.

Wer jetzt allerdings denkt, dass angesichts der 70 Fundbüro-Räder keine weiteren Leezen benötigt werden, der irrt. Falls weitere Flüchtlinge (weit außerhalb) an der Megenthaler Straße untergebracht werden sollten, müssten diese mobil sein.

Belal Mobayd bringt in der Reckenfelder Werkstatt eine Kinderrad auf Vordermann.

Belal Mobayd bringt in der Reckenfelder Werkstatt eine Kinderrad auf Vordermann.

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