Anzeige

So., 20.03.2016

Interview Bürgerinitiative will Hagebaumarkt unterstützen

Ulrich Stratmann hat zusammen mit einigen Mitstreitern eine Bürgerinitiative gegründet, die erreichen möchte, dass der Hagebaumarkt weiter die Produkte verkaufen kann, die er jetzt auch verkauft.

Ulrich Stratmann hat zusammen mit einigen Mitstreitern eine Bürgerinitiative gegründet, die erreichen möchte, dass der Hagebaumarkt weiter die Produkte verkaufen kann, die er jetzt auch verkauft. Foto: Leonie Rosenthal

Kaum hatte unsere Zeitung über die Ordnungsverfügung gegen den Grevener Hagebaumarkt berichtet, brach ein Sturm der Entrüstung los – ob nun in Form von Leserbriefen oder als Kommentare in den Facebook-Gruppen. Ulrich Stratmann, Polizist im Ruhestand und ehemaliges Ratsmitglied für die von ihm gegründete UWG, hat jetzt zusammen mit Gleichgesinnten sogar eine Bürgerinitiative gegründet. Redakteur Peter Beckmann sprach mit ihm über die BI, aber auch über seine weiteren Aktivitäten.

Von Peter Beckmann

Herr Stratmann, sie sind gerade im Ruhestand und schon gründen Sie eine Bürgerinitiative. Hat das eine mit dem anderen zu tun?

Ulrich Stratmann: Nein, das hat damit überhaupt nichts zu tun. Diese BI hätte ich auch initiiert, wenn ich noch arbeiten würde.

Fehlendes Engagement kann man Ihnen sowieso nicht vorwerfen. Beim Thema Notdienste, in der Schuldebatte engagieren Sie sich, sind VdK-Vorsitzender in Reckenfeld. Was treibt Sie an?

Stratmann: Das ist mein Interesse und deshalb kümmere ich mich darum. Ich werde aber auch von vielen Menschen angesprochen, die sich mit der Lokalpolitik hier in Greven nicht mehr identifizieren können, sich nicht mehr vertreten fühlen.

Wieso, glauben Sie, kommen die Leute mit diesen Anliegen auf Sie zu?

Stratmann: Ich denke dass das damit zusammenhängt, das ich mal als Unabhängiger im Rat aktiv war.

Was oft auffällt: Sie schreiben und sprechen immer wieder gerne von „uns Bürgern“.

Stratmann: Ja, das ist ein ganz wichtiges Anliegen. Wir sind die Bürger und da kann die Politik nicht einfach über unsere Köpfe etwas entscheiden, wir wollen mitgenommen werden.

Die Ratsherren und -Damen sind doch auch Bürger dieser Stadt . . .

Stratmann: Natürlich sind das Bürger. Aber ich habe manchmal das Gefühl, dass die nicht mehr wissen, was die Menschen in dieser Stadt wollen. Natürlich reden die auch mit den Bürgern. Aber die Entscheidungen, die im Rat fallen, werden von vielen Menschen nicht mehr verstanden. Ich habe das Gefühl, dass Themen in den Fraktionen besprochen werden und dann alle dieser Fraktionsmeinung folgen müssen und nicht mehr ihre eigene Meinung vertreten.

Aber dieser Fraktions-Zwang ist doch in der Politik ein normales Vorgehen.

Stratmann: Ob das aber das richtige Vorgehen ist, ist eine andere Sache. Die Politiker werden von uns gewählt und haben das durchzusetzen, was wir Bürger wollen.

Kommen wir zurück zum Thema Hagebaumarkt. Sind Sie Baumarktkunde? Gehen Sie gerne dorthin?

Stratmann: Ja klar. Ich bin regelmäßig dort und kaufe dort ein.

Sie haben eine Bürgerinitiative gegründet. Glauben Sie wirklich, dass die Diskussion um den Hagebaumarkt reicht, um eine BI gründen zu können?

Stratmann: Ja, das denke ich schon. Ich habe mich mit vielen Leuten im Bekanntenkreis und auf der Straße unterhalten. Die Menschen sind entsetzt darüber, dass die Stadt dem Baumarkt verbietet, bestimmte Produkte zu verkaufen. Das kann man niemandem richtig erklären und das ist meiner Meinung nach nicht nachvollziehbar. Selbst der Vorsitzende des Wifo, Klaus Stuffert, hat in einem Pressegespräch erklärt, dass Wettbewerb sein muss und er daher Verständnis für die Hagebauposition habe. Wir erhoffen uns auch von dort Unterstützung

Haben Sie denn keinerlei Verständnis für die Beweggründe der Stadtverwaltung? Dort wird das Vorgehen damit begründet, dass die Innenstadt gestärkt werden soll. Das ist doch gut so, oder nicht?

Stratmann: Gegenfrage: Gibt es in Greven einen Einkaufsmagneten, der auch Kunden von Außerhalb nach Greven in die Innenstadt zieht? Das ist meiner Meinung nach nur der Hagebaumarkt. Wir haben zum Beispiel in unserer Bürgerinitiative sogar zwei Mitglieder aus Sprakel. Die haben erklärt, dass sie nach Greven zum Hagebaumarkt fahren und dann anschließend auch in die Stadt gehen und einkaufen.

Wäre es denn für den Hagebaumarkt nicht besser, das reine Baumarktsortiment zu verbessern, anstatt Kaffeemaschinen zu verkaufen? Denn bei den Baumarktartikeln hakt es doch manchmal.

Stratmann: Die Erfahrung habe ich noch nicht gemacht. Ich habe dort bislang alles bekommen, was ich zum handwerken brauchte. Aber warum soll dort nicht auch eine Kaffeemaschine angeboten werden? Das ist Wettbewerb, da geht es um Angebot und Nachfrage.

Natürlich ist das Wettbewerb. Aber beim Blick nach Borghorst kann man sehen, was bei einem unkontrollierten Wettbewerb heraus kommen kann. Dort hat man ein riesiges Einkaufszentrum in der Nähe der Innenstadt genehmigt. Und: Die Innenstadt ist tot.

Stratmann: Richtig, das Einkaufszentrum hat die Leute aus der Innenstadt heraus gezogen. Aber aus unserer Sicht ist es in Greven so, dass der Hagebaumarkt die Leute in die Innenstadt zieht.

Was wollen Sie eigentlich konkret mit der BI erreichen?

Stratmann: Wir wollen erreichen, dass der Hagebaumarkt weiter die Produkte verkaufen kann, die er jetzt auch verkauft, dass diese Verbotsliste aufgehoben wird und der Baumarkt auch räumlich in die Innenstadt integriert wird – was er ja eigentlich schon ist. Jeder Bürger, mit dem man spricht, findet es völlig unverständlich, dass der Hagebaumarkt nicht zur Innenstadt gehören soll. Die GBS daneben mit Ballenlager und Kulturschmiede gehört ganz offiziell zum Bereich der Innenstadt. Diese Ungleichbehandlung versteht kein Mensch.

Jetzt mal ein Gedankenspiel: Wenn der Hagebaumarkt wirklich demnächst weiter diese Produkte verkaufen darf, werden doch sicherlich die Discounter auf die Barrikaden gehen, die nur auf zehn Prozent ihrer Verkaufsfläche Non-Food-Artikel verkaufen dürfen.

Stratmann: Lidl und Aldi verkaufen doch sowieso innenstadtrelevante Waren, die jetzt beim Hagebaumarkt verboten werden sollen.

Allerdings nur in einem klar definierten und beschränkten Umfang.

Stratmann: Trotzdem werden die Waren dort verkauft.

Da wäre es doch die einfachste Lösung, diese Zehn-Prozent-Lösung auch beim Hagebaumarkt anzuwenden.

Stratmann: Das sehe ich anders, weil der Hagebaumarkt ganz klar zur Innenstadt gehört.

Wie soll es denn mit der BI weiter gehen? Ist da sogar ein Bürgerbegehren angedacht?

Stratmann: Zunächst sammeln wir ganz formlos Unterschriften und wollen die Leute informieren. Und: Wir werden Gespräche in den Fraktionen führen und unsere Argumente dort vortragen. Ich hoffe, dass das dann auch Wirkung zeigt. Ist das nicht der Fall, werden wir das weitere Vorgehen in der BI noch besprechen.

Sie sind jetzt in Rente, haben viel Zeit. Kommt demnächst wieder die Stratmann-Partei?

Stratmann: Das ist zunächst überhaupt nicht angedacht. Und bis zur nächsten Kommunalwahl ist es ja auch noch einige Zeit.

Hört sich nicht nach einem klaren Dementi an.

Stratmann: Doch, die Gründung einer Wählergemeinschaft schließe ich zur Zeit aus.

Leserkommentare

Google-Anzeigen

Mehr zum Thema

Anzeige

karriere.ms Anzeigen

Ihr Jobportal für unbefristete und befristete Stellenangebote aus dem Münsterland



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3877670?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F