Fr., 02.06.2017

KKV-Bundesvorsitzender Ein Verein auf der Suche nach Identität

Vor einer Woche wurde der Grevener CDU-Ratsherr Josef Ridders in München zum Bundesverbandsvorsitzenden des KKV gewählt.

Vor einer Woche wurde der Grevener CDU-Ratsherr Josef Ridders in München zum Bundesverbandsvorsitzenden des KKV gewählt. Foto: PF

Josef Ridders, Jahrgang 1950 und seit 2004 CDU-Mitglied im Rat der Stadt Greven, lenkt seit 2012 die Geschicke des KKV Greven und war seit Mai 2015 stellvertretender Bundesverbandsvorsitzender. Der KKV, 1877 als „Katholisch-Kaufmännischer Verein“ gegründet, ist ein Sozialverband, der die Interessen der Mitglieder politisch vertritt. Am vergangenen Wochenende wurde Ridders zum Bundesverbandsvorsitzenden gewählt. Warum er sich im KKV engagiert und was der KKV eigentlich ist – darüber sprach Redakteur Peter Beckmann mit Ridders.

Herr Ridders, herzlichen Glückwunsch zum ersten Bundesvorsitz eines Greveners.

Josef Ridders: Das stimmt nicht ganz. Ich bin der zweite. Dr. Hans Lauscher aus Greven war KKV-Bundesvorsitzender von Mitte 65 bis 1971.

Sind Sie denn „freiwillig“ Vorsitzender geworden oder wurden Sie ganz sanft gedrängt?

Ridders: Nein, das war schon freiwillig. Ich war ja vorher schon Stellvertreter. So eine Kandidatur wird natürlich im Vorfeld abgesprochen. Und man legte im Vorstand Wert darauf, dass auch die Diözese Münster dort vertreten ist.

Aber die Kandidaten haben sicherlich, wie in anderen Vereinen auch, nicht gerade Schlange gestanden?

Ridders: Ja, das ist beim KKV genau wie in anderen Vereinen. Da muss man schon viel reden und Überzeugungsarbeit leisten. Wir haben erst zwei Tage vor der Versammlung jemanden gefunden, der Stellvertreter werden wollte. Da war es für uns wichtig, dass wir auch jemanden aus dem süddeutschen Raum finden. Aus Sicht der Mitglieder aus Würzburg und München waren zu viele „Nordlichter“ im Vorstand (er lacht).

Wir reden die ganze Zeit über den KKV. Erklären Sie doch mal in zwei, drei Sätzen, wofür der KKV steht.

Ridders: Das kann man sicherlich nicht in zwei Sätzen sagen. Wir haben momentan eine Gruppe, die ganz intensiv daran arbeitet, genau diese Frage zu beantworten. Diese Frage stellen wir uns seit zwei Jahren. Wir haben an vielen Wochenenden in Würzburg getagt. Da kamen ganz viele unterschiedliche Antworten heraus. Eine Antwort war, dass der KKV eine Gemeinschaft von Menschen ist, die im christlichen Glauben unterwegs sind.

Das ist also die ganz große Klammer?

Ridders: Ja, genau. Ansonsten ist das regional aber sehr unterschiedlich. Es gibt die Ortsgemeinschaften, die wir als Spargelesser bezeichnen. Also Ortsgemeinschaften, die sich rein auf das gesellige Beisammensein beschränken. Und da gibt es viele Ortsgemeinschaften – und dazu zählt auch Greven – die durchaus interessante Angebote an Themen präsentieren.

Um welche Themen geht es da?

Ridders: Es geht um allgemeine sozial- und gesellschaftspolitische Themen. Hier in Greven beschäftigen wir uns mit Energiepolitik, andere beschäftigen sich sehr stark mit katholischen Thematiken. Es ist ziemlich schwierig, das auf einen Nenner zu bringen. Aber unser größtes Problem ist die Überalterung. Und dieser Problematik wollen wir uns im neuen Bundesvorstand stellen.

Der KKV heißt ja heute „Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung“. Kann ein Protestant nicht Mitglied werden?

Ridders: Doch, wir sind Christen in Wirtschaft und Verwaltung mit katholischen Hintergrund und Profil, darum KKV. Wir haben natürlich auch Protestanten als Mitglieder.

Natürlich habe ich auf der KKV-Seite recherchiert. Mein Eindruck: Der KKV ist ein recht konservativer Verein.

Ridders: Wenn man manche Presseveröffentlichung liest, haben sie Recht. Wir kommen teilweise konservativ rüber. Das ist möglicherweise auch ein Grund dafür, dass wir keinen Nachwuchs bekommen. Hier werden wir im neuen Vorstand ansetzen, da drückt jeder Vorstand dem Verband seinen Stempel auf und ich stehe für andere Themenschwerpunkte. Wir müssen manche Kardinäle nicht noch „rechts“ überholen. Selbst unser geistlicher Beirat sagt uns schon manchmal, darüber denkt doch lieber noch einmal nach, wenn es zu konservativ wird. Da hat es Äußerungen gegen Homosexuelle gegeben, daraufhin sind sogar Mitglieder ausgetreten.

Sie würden sich selbst also nicht als erzkonservativ bezeichnen?

Ridders: Nein, absolut nicht. Wir müssen einfach ein bisschen liberaler werden.

Noch einmal zurück zum KKV: Jeder Verein hat klare Ziele, die die Mitglieder dazu bewegen, diesem Verein beizutreten. Christlich ist die Kolpingfamilie, ist die KAB, ist die Kfd auch.

Ridders: Ja, Sie haben Recht. Da gibt es heute große Abgrenzungsprobleme. Und natürlich ist es die Frage, ob man sich eigentlich abgrenzen muss und ob das nicht irgendwann einmal sowieso alles eins wird. Sie merken, das sprudelt es nicht aus mir heraus. Da gibt es momentan Identitätsprobleme im Verein. Der KKV ist ein katholischer Sozialverband, der sich um Themen wie Ausbildung und Weiterbildung kümmert auf der Grundlage der katholischen Soziallehre und des christlichen Menschenbildes. Aber das würden die Mitglieder der Kolpingsfamilie und der KAB auch unterschreiben.

Auf der KKV-Homepage wird auf Politiker in Landtagen und im Bundestag hingewiesen, die auch KKV-Mitglied sind. Es ist sicherlich kein Zufall, dass darunter nur ein Sozialdemokrat ist?

Ridders: Nein, da haben Sie Recht. Als ich vor zehn Jahren dazu kam und sagte ,Ihr wisst ja, dass ich ein Schwatter bin‘, wurde mir gesagt: Um so besser.

Sie sind Ratsmitglied und jetzt Vorsitzender des KKV: Da müssen Sie sicherlich viel Zeit investieren.

Ridders: (lacht) Der ein oder andere hat am Samstag nach der Wahl beim Gratulieren auch Beileid gewünscht. Aber meine Firma läuft mehr oder weniger aus.

Sie waren so eine Art Headhunter?

Ridders: Ja richtig. Da gibt es noch das ein oder andere Projekt, das ich noch zu Ende bringen will. Aber dann war es das. Da habe ich dann ein bisschen mehr Zeit. Aber sicherlich werden meine Ressourcen auch an der ein oder anderen Stelle knapp. Mit einem vernünftigen Zeitmanagement wird das aber hoffentlich zu bewältigen sein.

Trotz allem werden Sie als Bundesverbandsvorsitzender viel reisen müssen?

Ridders: Das wird sicherlich so sein. Aber: Man muss auch nicht überall hin.

Ich habe auf der KKV-Homepage gesehen, dass Sie eine Woche nach ihrer Wahl noch nicht erscheinen, und auch die Presse scheint den KKV zu ignorieren.

Ridders: Ja, die Homepage, da müssen wir besser und schneller werden, aber unsere Ressourcen an Personal und Mitteln sind sehr begrenzt und das merkt man dann auch hier. Und ja, auch im Umgang mit der Presse muss sich etwas ändern, aber ich bin ja auch noch keine Woche im Amt.

Noch ein mal zurück zum KKV: Sie beklagen einen enormen Mitgliederschwund. Wie wollen Sie junge Menschen überzeugen, Mitglied im KKV zu werden?

Ridders: Das klingt jetzt unglücklich, aber auch das wissen wir noch nicht genau. Da arbeiten wir an vielen Konzepten. Wir wollen jetzt eine Kampagne unter dem Motto „Geist ist geil“ starten, um jüngere Menschen anzusprechen.

Für einen konservativen Verein wie den KKV aber ein recht flockiges Motto . . .

Ridders: Das ist auch nicht bei allen auf Gegenliebe gestoßen. Aber wir müssen frischer und offener rüberkommen. Das ist aber sicher noch ein steiniger Weg. Wir sagen ja auch schon gar nicht mehr, dass wir an 20-Jährige heran kommen wollen. Wir sind froh, wenn wir Menschen der Generation 50+ für den KKV begeistern können. Das sind für unseren Verein „junge Leute“. Dieses Klientel engagiert sich sicherlich gerne projektbezogen, aber Vereinsbeitritt – das wird schwer. Unsere Hauptaufgabe ist es, uns zu öffnen, wir dürfen nicht mehr so konservativ auftreten. Aber mit all dem tun wir uns, ich muss es leider einräumen, schwer. Wir selbst stellen uns immer die Frage, warum unsere eigenen Kinder nicht im KKV sind. Eine Antwort darauf haben wir noch nicht gefunden.

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