Di., 20.06.2017

Trockenheit bereitet Probleme Der große Durst auf Regen

Die Stadt lässt Mitarbeiter der Technischen Betriebe mit zwei Fahrzeugen ausschwärmen, um Beete und Grünstreifen zu wässern – sogar am Wochenende.  

Die Stadt lässt Mitarbeiter der Technischen Betriebe mit zwei Fahrzeugen ausschwärmen, um Beete und Grünstreifen zu wässern – sogar am Wochenende.   Foto: oh

Greven - 

Die Stadt muss die Beete wässern, die Gärtnerei muss sich Alternativen zum Regenwasser suchen, die Landwirte fürchten Ernteausfälle: Die große Trockenheit sorgt in vielen Bereichen für Probleme.

Von Oliver Hengst

Wo bleibt er nur, der Regen? Private Gartenbesitzer warten sehnlichst auf ihn. „Wir auch, schon lange“, sagt Ortslandwirt Matthias Langkamp. Bei der Wintergerste gebe es schon jetzt einen „großen Schaden“. Er gehe von einem Minderertrag von rund 20 bis 30 Prozent aus. „Im Frühjahr sah es noch ganz vielversprechend aus“, doch die Trockenheit der vergangenen Wochen habe den Pflanzen zugesetzt. Der Wassermangel lasse die Früchte kaum reifen, das Ergebnis sei so genanntes „Schmachtkorn“. Also Gerstenkörner, die deutliche kleiner ausfallen als üblich. Bei Triticale, Roggen und Weizen sei die Lage ähnlich. Beim Mais hingegen gebe es noch Hoffnung. „Der ist bislang ganz gut klar gekommen.“ Schwierig werde es allerdings auf Äckern, die vorher schon andere Früchte trugen – wo somit „der Boden schon leer“ , das Wasser also absolute Mangelware sei. „Das sieht man den Pflanzen auch an. Die trockenen Stellen sind nicht zu übersehen“, sorgt sich der Landwirt um die Ernte seiner Kollegen. Kräftige Regenfälle könnten dem Mais kurzfristig noch auf die Beine helfen. „Bei der Gerste wäre selbst damit nicht mehr ganz viel zu retten.“

Auch der Stadt bereitet der Wassermangel Arbeit: Regelmäßig werden Beete, Kreisverkehr-Bepflanzungen und vor allem die Neuanpflanzungen der vergangenen beiden Jahre gewässert. Ein Mitarbeiter ist dafür sogar am Wochenende unterwegs. Zur Verfügung stehen zwei Fahrzeuge: Ein Transporter mit 1000-Liter-Tank und eine Traktor nebst Hänger, der ein 7000-Liter-Fass aufnimmt. Viele Beete sind im Übrigen mit Häckselgut abgedeckt, so dass das Wasser nicht so schnell verdunstet.

Oberschenkelhoch ist das Wasser der Ems an seiner tiefsten Stelle am Beach, wie diese Badenden gestern feststellten.

Oberschenkelhoch ist das Wasser der Ems an seiner tiefsten Stelle am Beach, wie diese Badenden gestern feststellten. Foto: Günter Benning

Wer Pflanzen hat, hat also Sorgen. Wer viele Pflanzen hat, hat derzeit viele Sorgen. In der Gärtnerei Dübjohann etwa sorgt der akute Regenmangel für Kopfzerbrechen. „Wir warten händeringend auf Regen“, berichtet Ruth Dübjohann. Das lebenswichtige Nass fehle – und zwar nicht nur auf den Freiflächen, sondern auch in den Gewächshäusern. „Wir sammeln das Regenwasser von den Dächern der Gewächshäuser – normalerweise.“ Doch aktuell gebe es eben nichts zu sammeln. „Regenwasser ist nun mal das beste Wasser, um Pflanzen zu gießen.“ Der pH-Wert sei besonders günstig. Aushilfsweise wird derzeit auf Brunnenwasser zurückgegriffen. „Doch der Brunnen versiegt auch schon langsam.“

Ihr Tipp für den heimischen Garten: Beim Gießen solle man durchaus eine gewisse Zurückhaltung üben, um die Pflanzen nicht zu sehr zu verwöhnen. „Der richtige Sommer kommt ja bekanntlich erst noch.“ Sie sehe manchmal Menschen, die ihren Garten schon im März intensiv wässern und frage sich dann: „Was wollen die denn im Hochsommer machen?“ Daher lautet ihr Ratschlag: Nicht zu früh anfangen, und nicht zu viel Wasser einsetzen. Aktuell jedoch gebe es angesichts des Regenmangels wohl keine Alternative. Gießen solle man bevorzugt in den Abendstunden, da das Wasser dann nicht verdunste, sondern auch tatsächlich bei den Pflanzen ankomme.

Wie trocken es derzeit tatsächlich ist, zeigt unter anderem ein Blick in die Ems: der aktuelle Pegel (71 Zentimeter) ist so niedrig, dass man die im Fluss entsorgten Fahrrad-Leichen im Flussbett erkennen kann. Auch ein Blick in die Wetterdaten macht deutlich, dass der Regen sich rar macht. Lag der monatliche Durchschnittsniederschlag in den vergangenen 30 Jahren meist zwischen 40 und 80 Liter pro Quadratmeter, so lagen die jüngsten Monate meistens deutlich darunter. Im April fielen lediglich 14 Liter, im Mai 30, im Juni bis jetzt knapp 14 Liter.  

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