Mo., 10.07.2017

Aktionstag am Sachsenhof Filzen und kochen wie die Ahnen

Ob die geräucherten Forellen so gut schmecken wie sie aussehen? Das findet man am besten mit einem einfachen Test heraus: Probieren.  

Ob die geräucherten Forellen so gut schmecken wie sie aussehen? Das findet man am besten mit einem einfachen Test heraus: Probieren.   Foto: Stefan Bamberg

Greven - 

Der Sachsenhof fasziniert, jedes Mal aufs Neue. Hunderte junge und ältere Hobby-Historiker schauen beim Aktionstag am Sonntag vorbei.

Von Stefan Bamberg

Die Maus mit ihren Lach- und Sachgeschichten zieht immer. Christoph, der Welt-Erklärer mit dem kultigen grünen Pulli, ist unterwegs: Wie war es, das Leben vor 1000 Jahren?, will der Maus-Mann wissen. Und als Zuschauer – egal ob als kleiner oder großer – kann man gar nicht anders: Man muss einfach dran bleiben. Da wird aus geplanten fünf Minuten vor der Glotze ratzfatz eine halbe Stunde.

Dann ist die Sendung vorbei – doch der Spaß geht draußen einfach weiter. Und Christophs Frage bleibt auch: Ja, wie war es, das Leben damals? Beim Sachsenhof-Aktionstag am Sonntag reichen die Spuren sogar noch ein bisschen weiter zurück: 1200 bis 1500 Jahre, frühes Mittelalter, die „Zeit zwischen Römern und Rittern“, wie Liesel Drexler vom organisierenden Heimatverein es nennt.

Die Zeit der alten Sachsen, unserer Vorfahren hier in Westfalen. Eine Zeit, von der so vieles verloren gegangen ist. „Bodenfunde und Sekundärquellen“, sagt Liesel Drexler, wesentlich mehr sei nicht geblieben aus dieser Ära. Aber: „Sollen wir diese Jahrhunderte deswegen ausklammern?“, fragt sie rhetorisch.

Für die Sachsen wäre das freilich nur posthum schade – für die Besucher auch ganz kurzfristig: Denn der Sachsenhof fasziniert, jedes Mal aufs Neue. Hunderte junge und ältere Hobby-Historiker schauen im Laufe des Tages vorbei. Gerne bei der „Sendung mit der Maus“, die im originalgetreuen frühmittelalterlichen Wohnhaus über den – zugegeben, nicht ganz so originalgetreuen – Bildschirm flackert.

Ebenso gerne jedoch bei den Heimatverein-Aktiven, die ebenso lehrreich wie liebevoll alte Tricks zum Handwerken, Essenmachen, Basteln und Co. demonstrieren: weben, färben, filzen, kochen wie unsere Ahnen. Und: Die spinnen, die Sachsen? Ja, auch das können kleine und große Forscher mit mehr oder weniger feinen Fingern hier lernen.

Die Männer fürs Grobe hingegen werken ein paar Meter weiter: Eine engagierte Truppe um den pensionierten Schreiner Carmelo Virga baut die Scheune wieder auf, die im letzten Herbst völlig abgebrannt ist. Mindestens so groß wie zuerst der Schock war, ist nun die Bereitschaft anzupacken: „Es macht Freude, die Samstage in dieser tollen Gemeinschaft zu verbringen“, meint Virga.

Und dabei auch noch richtig was zu schaffen. Haarscharf vor dem Aktionstag wurde das Gerüst (aus Hüttruper Eichen) aufgerichtet, bis Ende des Jahres sollen nun die Wände fertig geflochten und mit Lehm verputzt sein. „Dafür könnten wir super eine Knetmaschine gebrauchen, so eine wie beim Bäcker“, erzählt Virga. „Vielleicht hat ja irgendwer sowas zu Hause und kann uns damit helfen.“ Der Heimatverein sei in einem solchen (Glücks-)Fall per Telefon und Email erreichbar – anders als die alten Sachsen . . .

Fotostrecke: Aktionstag am Sachsenhof Greven

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