So., 13.08.2017

An der Autobahnbaustelle Wenn der Tim mit dem Bagger

Da, wo Tim Mensmann mit seinem Bohr-Bagger arbeitet, sieht es nachher aus wie auf einem Schweizer Käse. Dadurch können sich die folgenden Arbeiter sicher sein, dass im Untergrund nichts Böses lauert.

Da, wo Tim Mensmann mit seinem Bohr-Bagger arbeitet, sieht es nachher aus wie auf einem Schweizer Käse. Dadurch können sich die folgenden Arbeiter sicher sein, dass im Untergrund nichts Böses lauert. Foto: Peter Beckmann

Greven - 

Tim Mensmann hat so richtig Spaß in den Backen. Mit einem Grinsen im Gesicht ist er dabei – der Job ist sichtlich sein Ding. Mensmann ist Baggerfahrer, genauer gesagt: Raupenbagger-Fahrer.

Von Peter Beckmann

Aber: Er baggert nicht, er bohrt. Und das alles, damit sich die Kollegen, die nach ihm kommen, sicher fühlen können.

Tim Mensmann, der Bagger und sein Kollege sind momentan die einzigen, die an der Emsflutbrücke zwischen Greven und Gimbte zugange sind. Hier wird noch nicht abgerissen, geschweige denn neu gebaut. Hier wird kontrolliert. Und zwar an zwölf Stellen, und an jeder dieser Stellen 54 Mal. „Das wird wohl mindestens noch bis Ende des Monats dauern“, sagte der 25-Jährige, der den Job seit viereinhalb Jahren macht.

Tim Mensmann und sein Bagger suchen Bomben. Oder, besser gesagt: Er bestätigt den Kollegen, die später an den betreffenden Stellen die Pfeiler für die neue Autobahnbrücke bauen, dass es dort nicht gefährlich ist, dass dort keine Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg liegen. Hört sich gut an, scheint sogar völlig ungefährlich zu sein. „Ich hab noch nie gehört, dass dabei etwas passiert ist“, sagt Mensmann. Angst jedenfalls hat er keine.

Mensmann hat eigentlich KFZ-Mechatroniker gelernt. Dann ist er irgendwie an den Job gekommen. „Eine spezielle Ausbildung braucht man dafür nicht“, erzählt er. Offiziell läuft das, was er da macht, unter dem Begriff „Kampfmittelfreigabe“.

Jedenfalls bohrt Mensmann im Bereich der späteren Pfeiler mit seinem Bagger alle 1,50 Meter ein 8,5 Meter tiefes Loch. Das Ganze mit Hilfe eines Steinbohrers. Zum Vergleich: Für ein „normales“ Bohrloch in der Wand nimmt man einen Achter-Bohrer, Mensmann arbeitet mit einem 115er. Für die 8,50 Meter braucht er natürlich mehrere Bohrstangen, die sein Kollege aufsetzt. Ist die Tiefe erreicht, werden die Löcher mit Plastikrohren gefüllt. Dahinein wird eine Sonde versenkt. „Diese Sonde misst die magnetische Strahlung, die durch metallische Gegenstände – wie zum Beispiel eine Bombe – verändert wird“, erklärt der 25-Jährige das Vorgehen. Die Daten werden im Büro der Firma ausgewertet und dann an die Bezirksregierung weitergegeben.

Ja, und wenn da dann wirklich eine Bombe im Weg liegt? „Da müsste man schon richtig Pech haben, das ist bislang noch nie passiert“, erzählt der Baggerfahrer. Und er weist darauf hin, dass er ja mit einem Steinbohrer bohrt. „Der geht nicht durch Metall.“ Aber: Es handele sich sowieso nicht um Verdachtsstellen. „Sonst würde man da ganz anders vorgehen.“

Mensmann, der Bagger und sein Kollege sind in ganz Deutschland unterwegs. Abgewechselt wird da allerdings nicht. „Nein, ich arbeite nur mit dem Bagger und mein Kollege macht die andere Arbeit“, erzählt der junge Mann – und strahlt. „Das hier ist der beste Job auf einer Baustelle, es ist trocken und im Winter schön warm“, sagt er und schwärmt. „Ich mache den Job wirklich gerne, sonst würde ich das auch nicht machen.“

Wie erwähnt: Bis Ende des Monats wird die „Kampfmittelfreigabe“ mit Sicherheit noch dauern. Erst dann können die anderen Arbeiter ihren Job machen. Abreißen und neu bauen – das Ganze wird so um die zwei Jahre dauern. Aber da ist Tim Mensmann mit seinem Bagger schon längst ganz woanders zugange.

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