Anja Karliczek zum zweiten Mal in Berlin
Ein Würstchen im Stehen

Berlin / GReven -

Der neue Bundestag hatte seine erste Sitzung. Für Anja Karliczek startet die zweite Legislaturperiode.

Mittwoch, 25.10.2017, 20:10 Uhr

Am Rednerpult  des Deutschen Bundestages stand CDU-MdB Anja Karliczek gestern zwar nicht. Aber das wird sicher nicht lange auf sich warten lassen.
Am Rednerpult  des Deutschen Bundestages stand CDU-MdB Anja Karliczek gestern zwar nicht. Aber das wird sicher nicht lange auf sich warten lassen. Foto: LIS AG

Berlin, neuer Bundestag , erste Sitzung – sie hat gute Laune. Man hört das am Telefon: Anja Karliczek , zum zweiten Mal direkt gewählt, hat gestern eine Pause zwischen den Wahlgängen für ein Gespräch mit unserem Medienhaus genutzt. Es war ein aufregender, ein spannender und ein langer Tag in der Hauptstadt.

Kurz nach 6 Uhr klingelte der Wecker in der kleinen Wohnung der CDU-Abgeordneten aus dem Tecklenburger Land. Damals, vor vier Jahren bei ihrer allerersten Sitzung, hat sie noch das Frühstück verpasst. Diesmal nicht. Die Frage, ob sie sich „schick gemacht“ hat, entlockt ihr ein herzliches Lachen: „Natürlich, dunkler Hosenanzug!“

Mit dem Taxi ging es fix in ihr Abgeordnetenbüro, „gucken, ob alles beim alten ist“. Danach ab in den Französischen Dom, Kirchgang vor der ersten Parlamentssitzung der neuen Legislaturperiode. Eine kurze Fraktionssitzung, 11 Uhr, im Reichstagsgebäude: Es geht los ...

„Es ist schon sehr eng geworden, es ist viel weniger Platz im Plenum“, sagt Karliczek. 709 Abgeordnete drängeln sich im Saal. Auf den blauen Sesseln sitzt sie mit der 246 Köpfe starken CDU-Fraktion ziemlich in der Mitte, FDP und AfD rechts vor ihr. Und wahrlich nicht als Hinterbänklerin: Vierte Reihe, weit, sehr weit vorne. Kein Wunder: Die Frau aus Brochterbeck ist – zunächst noch kommissarisch – wieder als einer von vier Parlamentarischen Geschäftsführern der CDU im Amt. Und die sitzen vorne. Weit vorne. „Das ist eine spannende Aufgabe“, sagt Karliczek, „ich würde das gerne weiter machen“. In dieser Funktion wäre sie auch weiterhin Mitglied des Bundestags-Ältestenrates. Da kriegt man viel mit über die Abläufe, die Struktur, die Organisation des Berliner Politikbetriebs. Und mitreden darf frau auch ...

Ja, Anja Karliczek ist kein Neuling mehr. Man ahnt es schon: Diesmal ist manches anders als noch vor vier Jahren. „Damals war alles neu. Heute trage ich mehr Verantwortung, und das ist mir auch viel bewusster. Es ist nicht mehr so übersprudelnd, wie beim ersten Mal“, versucht sie, ihr Bauchgefühl zu beschreiben.

Dazu gehört, dass sie die Versuche von SPD-, Linken- und AfD-Fraktion, in der ersten Sitzung schon inhaltliche Debatten zu führen, als unpassend beurteilt: „Ich fand das nicht so würdig. Es passte einfach nicht zum Tag der Konstituierung des Parlamentes.“

Dem Tag, an dem ihr CDU-Kollege Wolfgang Schäuble zum Bundestagspräsidenten gewählt wurde. Bei der Wahl des Stellvertreters zeigte Karliczek klare Kante: „Ich habe Albrecht Glaser von der AfD nicht gewählt.“ Wobei Karliczek betont, dass es ihr nicht darum geht, ob die AfD das Vize-Amt besetzen darf: „Mit geht es um die Person Glaser. Ich bin der Meinung, dass er die Religionsfreiheit nicht ernst nimmt.“ Deshalb gebe es keine „Ja-Stimme“.

Die Wahlgänge im neuen Parlament, die erste Sitzung des neuen Bundestages, sie zog sich bekanntlich hin. Und so was kann durchaus anstrengend sein: „Ich hab‘ mittags nur ein Würstchen im Stehen gegessen“, erzählt Anja Karliczek – mehr war nicht drin. Und ein Ende des Arbeitstages – das ist dieser Tag der ersten Sitzung zweifelsohne – war nicht in Sicht: „Wenn die Sitzung vorbei ist, gibt es noch einen Empfang auf Fraktionsebene. Danach geht es wieder ins Büro. Der Schreibtisch wartet, ich hab‘ noch was zu tun.“

Feierabend? „Vielleicht so gegen acht oder neun Uhr heute Abend. Dann war‘s auch lang genug“, sagt Anja Karliczek. Sie wird müde sein. Und sie wird den Rest des Abends allein vorm Fernseher verbringen, gucken, was so berichtet wird über den ersten Tag im neuen Bundestag.

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