Tanken
Keine Transparenz bei den Benzinpreisen

Greven -

In Greven tanken kann eine teure Angelegenheit werden. Denn kaum kommt man in eine andere Stadt, wird Benzin oder Diesel billiger angeboten. Aber warum ist das so? Und vor allem: Wer dreht wann, wo und warum an der Preisschraube? Eine Spurensuche.

Mittwoch, 17.01.2018, 06:01 Uhr

 
Schwankende Kosten: Die Spritpreise ändern sich an einer Tankstelle bis zu 20 mal am Tag. Foto: Colourbox.com

Kaum ist man aus Greven heraus, staunt der Autofahrer. Oft, sogar sehr oft sind die Preise an den Tankstellen in den Nachbarstädten deutlich niedriger als in Greven. Und wenn am Samstag in unserer Zeitung die Kraftstoffpreise in den Münsterlandgemeinden verglichen werden, ist Greven sehr oft Primus. „Greven bleibt im Vergleich zu den anderen Münsterland-Orten ein teurer Tank-Standort“, heißt es da immer wieder. Aber warum ist das so? Wer bestimmt das und welche Ursachen sorgen dafür, dass es in Greven so teuer ist?

Automatische Reaktion auf Preisänderungen

Heiner Ahlert , der in Greven zwei und in Saerbeck eine freie Tankstelle betreibt, hat da keine richtige Antwort parat. „Die Preise an den Tankstellen, die sich zehn bis 20 mal am Tag ändern, haben nicht wirklich etwas mit einer Kalkulationsbasis zu tun.“ Er selbst könne grundsätzlich nur auf Preise der Markentankstellen reagieren. „Die erlauben uns einen Cent Preisabstand, mehr würde nicht funktionieren.“

Für Ahlert ist die Einführung der Markttransparenzstelle Ursache für die ständigen Preisänderungen. „Heute muss jedes Unternehmen Preisänderungen innerhalb von fünf Minuten an diese Stelle weitergeben, die wiederum die entsprechenden Apps mit diesen Informationen versorgt“, erklärt er das Vorgehen. Die Markenunternehmen hätten da Schnittstellen programmiert, die ein automatisches Reagieren erlaubt. „Und wir machen das mittlerweile genau so.“

Abends am billigsten

Was allerdings noch nicht erklärt, wer warum wann und wo die Preise für Benzin und Diesel definiert. Denn an manchen Tagen beträgt der Unterschied an ein und derselben Tankstelle bis zu zehn oder gar zwölf Cent pro Liter. Am günstigsten tankt man, so haben es Marktforscher herausgefunden, zwischen 18 und 20 Uhr. Der ADAC empfiehlt allerdings zwischen 21 und 22 Uhr zu tanken. Am teuersten ist es laut der Studie der Markttransparenzstelle zwischen 23 und sechs Uhr. Danach fallen die Preise wieder.

Durchschnittlich gibt es in Deutschland knapp zwei Tankstellen je 10.000 Einwohner. In Greven gibt es insgesamt acht Tankstellen. Passt: Mangelnde Konkurrenz kann also kaum die Ursache für die hohen Preise in Greven sein. Auch bei der Zahl der Tankstellen pro Fahrzeug liegt Greven im Schnitt.

Pächter ohne Einfluss

Die Pächter der Tankstellen haben jedenfalls keinen Einfluss auf die Preise. Die werden von zentraler Stelle bestimmt und auf die Anzeigetafeln gebeamt.

Die Westfalen AG gehört zu den so genannten B-Marken und betreibt insgesamt 260 Tankstellen – vornehmlich in NRW und Niedersachsen. Eine Tankstelle betreibt die Westfalen an der Königstraße in Greven. „Dass Greven besonders teuer ist, können wir aber nicht bestätigen“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Das sei vielleicht manchmal so, aber sicher nicht immer. „Wenn man in Greven den Preis sieht und dann in Münster ankommt und diesen Preis damit vergleicht, kann dieser Preis in Greven sich auch schon wieder verändert haben.“ Bei den ständigen Preisänderungen komme es immer auf den identischen Zeitpunkt an.

In Münster ist der Wettbewerb deutlich aggressiver.

Sprecherin der Westfalen AG

Grundsätzlich sei der Wettbewerb ausschlaggebend für die unterschiedlichen Preise. „In Münster ist der Wettbewerb daher deutlich aggressiver.“

Die Westfalen AG als B-Marke reagiere grundsätzlich nur auf die Preispolitik der A-Gesellschaften. Und bei denen spielten viele Faktoren bei der Preisfindung eine Rolle. „Natürlich gehört der Weltmarkt für Rohöl dazu. Aber grundsätzlich kann man sagen, dass das Ganze kein ganz einfaches Gefüge ist“, sagte die Sprecherin der Westfalen AG.

Alle reagieren, keiner agiert?

Die freien Tankstellen reagieren, Westfalen reagiert: Aber irgendjemand muss doch agieren in dem System. Eine entsprechende Anfrage an Exxon Mobil (Esso) ergibt – wie fast nicht anders zu erwarten – nichts. „Wir äußern uns zu unseren Kraftstoffpreisen nicht“, so die Antwort eines Pressebeauftragten der Exxon Mobil auf eine entsprechende Anfrage. Nur so viel: „Fest steht, dass wir in Deutschland einen harten Wettbewerb unter den verschiedenen Tankstellen-Gesellschaften haben, was dazu führen kann, dass Preise sich von Stadt zu Stadt unterscheiden.“

Nur: Wer da wann aus welchen Gründen an welchen Schrauben dreht, ist einfach nicht auszumachen. Vor allem nicht, wer aktive Preispolitik betreibt und wer nur darauf reagiert. Ein komplizierter Markt, den vermutlich nicht mal Experten so richtig durchschauen . . .

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5430398?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
Hansaring: Ein Viertel kämpft friedlich
Die geplante Platanenfällung kann momentan nicht durchgeführt werden, da sich einige Anwohner am Fuß eines Baumstammes niegergelassen haben.
Nachrichten-Ticker